Über die Flatruet – Schwedens höchst gelegene Passstraße

Über die Flatruet – Schwedens höchst gelegene Passstraße

Flatruet im Überblick

Flatruet ist eine ausgedehnte Hochebene im nordwestlichen Härjedalen, einer Provinz Mittel-Schweden, die durch ihre extreme Kargheit und atemberaubende Weite beeindruckt. Sie erstreckt sich über das Mittelgebirge Flatruet und erreicht mit der Flatruetvägen, Schwedens höchstgelegener Passstraße, eine maximale Höhe von 975 Metern über dem Meeresspiegel. Die etwa 40 Kilometer lange Strecke, erbaut 1938, verbindet die Ortschaften Funäsdalen im Süden mit Ljungdalen im Norden. Dabei überwindet sie erhebliche Höhenunterschiede mit langen, wellenförmigen Anstiegen und Abstiegen. Große Teile der Straße bestehen aus Schotterpiste. Das macht sie zu einer anspruchsvollen, aber lohnenden Fahrt für 4×4-Fahrzeuge. Insbesondere rund 20 bis 40 Kilometer holpriger Untergrund fordern robuste Reifen und geduldige Fahrer.

Bester Übernachtungsspot

Die Landschaft der Flatruet wechselt von birkenbewachsenen Ebenen und Moorgebieten mit Tümpeln zu einer tundraähnlichen, baumlosen Hochebene. Der Wind weht oft kühl und beständig. Auf der Passhöhe bei Falkvålen markiert ein großer Parkplatz mit Gedenkstein den Scheitelpunkt. Er ist ideal für Übernachtungen mit Panoramablick bis zum Horizont. Von hier aus eröffnen sich Ausblicke auf schneebedeckte Gipfel wie das Helagsfjället (1797 Meter, höchster Berg südlich des Polarkreises) und den südlichsten Gletscher Schwedens, sowie das Skarsfjället nahe der norwegischen Grenze. Rentiere grasen frei in diesem Sami-Gebiet, umgeben von Mooren, kleinen Seen und Felsformationen.

Die Flatruet eignet sich hervorragend für Wanderungen, mit leichten Pfaden zu Wasserfällen wie Fjätfallen oder Gipfeln wie Städjan. Im Sommer blühen Heidelbeeren und Moosbeeren, während der Herbst die Ebene in Goldtöne taucht. Diese unberührte Fjällregion bleibt auch bei hoher Passierbarkeit ruhig und lädt zu spontanen Stops ein – perfekt für Camper, die die pure skandinavische Weite erleben wollen.

Was mußt Du beachten?

Die Straße ist von 22:00-06:00 Uhr sowie bei schlechtem Wetter gesperrt. Über die Wetterverhältnisse vor Ort kann man sich z.B. hier informieren. Mit einem Wohnmobil ist die Straße befahrbar, insbesondere größere Wohnwägen sollten die Strecke lieber meiden. Wir haben aber auch dort oben mutige Gespannfahrer gesehen, welche die Straße gemeistert haben.

Die Straße führt endlos bis zum Horizont

Die Fahrt über den Flatruetvägen 

Anfahrt von Ljungsdalen

Von Åsarna kommend fährt man zunächst westlich auf gut ausgebauter Straße (535) bis Ljungsdalen. Hier beginnt eine grob geschotterte Straße, die sich teilweise deutlich ansteigend und mit Spurrillen garniert auf die Passhöhe hinaufschraubt. Auf diesem Abschnitt der Strecke kommt man nur langsam voran, möchte man Schäden am Fahrzeug vermeiden.

Die Gravelroads zur Flatruet machen richtig viel Spaß
Am Wegesrand sind immer wieder Rentiere zu sehen
Die Stoßdämpfer sollten Ihren Dienst noch tun

Auf der Passhöhe

Ist man erstmal auf der Passhöhe angekommen, wird die Straßenqualität besser. Insgesamt muss man mit knapp 40 Kilometern „Rumpelpiste“ rechnen, bis die Reifen wieder Asphalt unter sich haben. Die Aussicht ist gigantisch und reicht bis zum Horizont. In seiner Kargheit ist dieser Flecken Natur extrem einladend. Nach einigen Kilometern auf Passhöhe erreicht man die Mitte des Flatruetvägen, der durch einen großen Gedenkstein und einen entsprechenden Parkplatz markiert ist. Hier ist der optimale Platz zum Übernachten! Wenn das Wetter schlecht ist, pfeift der Wind gehörig um das Wohnmobil und der Regen prasselt stramm aufs Dach. Auf dem weiten Hochplateau gibt es nichts, was dem Wind etwas entgegensetzen kann. Bei Mistwetter sollte man sich also die Fahrt hier hinauf gut überlegen.

Auf der Passhöhe steht man exponiert im Wind
Wer empfindlich ist, sollte hier nicht übernachten
Die Passhöhe liegt auf 975 Metern
Die Aussicht ist toll

Kleine Wanderung ins Gelände

Vom Parkplatz auf der Passhöhe aus, kann man sternförmig in alle Richtungen loswanden. Die Farben im Herbst sind gigantisch. Dem Wind wird hier nichts entgegengesetzt und es kann schnell sehr kalt werden. Denkt also an warme Kleidung und Regenschutz. Das Wetter kann sich hier schnell ändern.

Damit Du nichts vergisst, kannst Du hier unsere Hiking-Checkliste als kostenlose PDF downloaden:

[Hiking im hohen Norden – was muss alles mit]

Teilweise enden die Wege schon nach kurzer Strecke
Die Aussicht auf die Berge ist genial
Auf der Flatruet explodieren im Herbst alle Farben

Richtung Mittådalen

Vom Parkplatz aus, der nun leicht abfallenden Straße noch einige Kilometer Richtung Süden folgend, erreichen wir Mittådalen (Link bei Facebook, schwedische Homepage von Mittådalen), ein Dorf der Sami. Hier leben noch ganze 50 Einwohner, die allesamt von der Rentierzucht leben. Entsprechend viele Tiere kann man hier aus der Nähe bewundern. Zentrum ist ein Kiosk, in welchem man leckere Spezialitäten der Region (Rentier-/Elchfleisch, Beeren, Pilze, Fisch) und einige Souvenirs erwerben kann. Toll sind auch die feinen handgefertigten Einzelstücke wie z.B. Sami-Messer. Wer ansonsten seine Lebensmittelvorräte hier auffrischen möchte hat Pech gehabt – einen Lebensmittelladen gibt es nicht. Im Gastraum kann man dafür aber ein beeindruckendes Bärenfäll bestaunen. Hinter dem Kiosk können Kinder eine Torfkota von innen bestaunen. Frisch gestärkt kann nun die Fahrt durch die weitläufige Natur weitergehen.

Gravelroad Richtung Mittådalen
Kiosk in Mittådalen
Sogar einen Elch gibt es hier

Von Mittådalen sind es noch einige Kilometer Schotterpiste, die durch eine waldige Region, durchbrochen von Mooren, führt. Immer wieder kreuzen Rentiere die Straße (alle mit Halsbändern versehen). Schließlich erreicht man Funäsdalen auf der 84 . Ab hier geht es wieder auf gut ausgebauter Asphaltstraße nach Südosten bis Sveg an der E45.

Unser Fazit zur Tour

Wer einsame, karge Natur liebt und ein Fahrzeug hat, welches für die Schotterpiste geeignet ist, der wird mit der Fahrt über die Passstraße ein tolles Erlebnis haben. Wohnwagenfahrer sollten auf jeden Fall ein gut motorisiertes Zugfahrzeug und Fahrpraxis haben, um den teilweisen steilen Anstieg zu meistern. Eine Übernachtung sollte man einplanen. Bei schlechtem Wetter/Regen würde ich von der Fahrt abraten, da dann einfach nichts zu sehen ist und das Fahrzeug sicherlich total versaut wird.

Bist Du schon mal dort gewesen und hast weitere Infos, Tipps oder Anmerkungen zur Tour? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar!

Matthias

Nordlandverrückt und gerne draußen unterwegs. Hat Spaß am Fotografieren, Wandern, Packrafting und Mountainbiking. Ab 2026 Vollzeit im Reisemobil unterwegs und ist dem beruflichen Hamsterrad entkommen.

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Übernachtung auf der Flatruet