Wanderung zur Gletscherzunge Buarbreen

Wolltet Ihr schon immer mal einen Gletscher aus der Nähe sehen und auf dem Weg dorthin an einem beeindruckenden Gletscherbach wandern? Dann ist der Buarbreen möglicherweise genau das richtige für Euch!

Über den Gletscher

Der Buarbreen ist eine gut zu erreichende Gletscherzunge des Folgefonna-Gletschers in der Nähe von Odda im Hardaland. Er ist Teil des Folgefonna-Nationalparks. Der Folgefonna ist mit 205km2 der drittgrößte Gletscher Norwegens und reicht bis auf 1662 Meter. Seine breiteste Stelle misst 16km.

Die Anreise zum Startpunkt der Wanderung

Odda liegt am Ende des Hardangerfjords und ist über das gut ausgebaute norwegische Straßennetz einfach zu erreichen. Der Ort ist weithin als Ausgangspunkt für die spektaktuläre Wanderung zur Trolltunga bekannt. Am südlichen Ende von Odda gibt es einen schön direkt am See Sandvevatnet gelegenen Campingplatz (Odda Camping).
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Aber als Ausgangspunkt dient uns der Wohnmobilstellplatz direkt am Beginn der Wanderung zur Gletscherzunge. Wir lassen also Odda Camping buchstäblich links liegen und folgen der Stichstraße weiter bergauf ins Buardalen zunächst aber entlang des Sandvinvatnet. Allzu lange und große Mobile sollten aber lieber Odda Camping als Ausgangspunkt nehmen, da die Stichstraße zum Stellplatz einspurig, teilweise eng und unübersichtlich ist (Eventuell Anfahrt mit dem Fahrrad). Sie bietet aber auch eine spektakuläre Anfahrt zum Gletscher. Man sollte aber auch bereit sein über wenige hundert Meter rückwärts in eine Ausweichbucht (die eher spärlich vorhanden sind) zu manövrieren.
Warnung vor Fahrzeugschäden!
Zu Beginn der Straße im Bereich der besiedelten Region unbedingt auf die oft kaum zu sehenden, da nicht markierten Bumper achten. Wer hier mit mehr als Schrittgeschwindigkeit drüberfährt, der hebt ab und kann froh sein, wenn außer Geschirr sonst nichts am Mobil kaputt geht! Da die Landschaft spektakulär ist und man auf den Gegenverkehr fokussiert ist, passiert es sehr schnell, die unscheinbaren Betonhügelchen zu übersehen. Warum die in nahezu ganz Norwegen nicht farblich markiert werden, ist uns ein Rätsel, denn wer hier mit den erlaubten 30km/h drübersegelt, kann gleich die nächste Werkstatt anfahren.
Vor allem bei schönem Wetter während der norwegischen Urlaubszeit ist auf der Straße mit viel Verkehr zu rechnen, da dann auch viele Tagesausflügler unterwegs sind. Die beste Zeit für die An- und Abfahrt sollte frühmorgens und spätabends sein.
Nach etwa 3 Kilometern erreicht man eine Schranke vor einem Parkplatz. Die Gebühr (150 NOK) wird bei der Ausfahrt entrichtet und ist gleichzeitig die Übernachtungsgebühr für den Wohnmobil-Stellplatz.
Achtung!
Hier werden nur VISA- und Mastercards akzeptiert! Münzzahlung oder ec-Karte ist nicht möglich.
Nach wenigen hundert Metern erreicht man am Ende der Straße einen schönen Stellplatz umrahmt von hohen Bergen und in Sichtweite zum Buarbreen. Es handelt sich um ein Wiesengelände ohne Service, teilweise schräg. Frei herumlaufende Hochlandrinder sind ein zusätzliches zotteliges Highlight. Aber passt auf, nicht in einen der zahlreichen Hinterlassenschaften der Rinder auf dem Stellplatz zu treten…
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Die Wanderung zum Gletscher

Für die Wanderung zur Gletscherzunge solltet Ihr etwa 2-3 Stunden für den gesamten Hin- und Rückweg kalkulieren. Die gesamte Wegstrecke beträgt (Hin- und Rückweg zusammen) ca. 6 Kilometer. Da es über einige Wasserfälle geht, die nach Regenfällen die Wege überfluten, solltet Ihr auf jeden Fall festes Schuhwerk tragen. Am Gletscherrand selber wird es kalt und windig, weshalb warme Sachen auch in den Rucksack gehören. Auf der unteren Hälfte des Weges helfen Wanderstöcke gut, im oberen Bereich sind sie wegen der Kletterpassagen eher hinderlich. Da es etliche Passagen gibt, an denen man sich an dicken Seilen hochziehen bzw. ablassen muss, können Klettersteig- oder Fahrradhandschuhe ein sinnvolles Utensil sein.
Fototipp
Wer eine Langzeitbelichtung des Gletscherbaches machen möchte, sollte ein kleines Stativ und einen Graufilter einpacken. Leider fotografiert man ab Mittags gegen die Sonne, die dann direkt über dem Gletscher steht. Aus Zeitgründen setze ich mittlerweile oft die Langzeitbelichtungsfunktion meines iPhones ein, aber auch hier macht sich ein Stativ besser für die Qualität.
Zunächst wandert Ihr entlang des Gletscherbachs über einen gut zu gehenden Steig in dichten Wald hinein, immer in Hörweite des rauschenden Gewässers. Ein paar von kleinen Flüsschen überflutete Wegstücke sind zu passieren bis man über mehrere – teilweise improvisierte – Brücken (Vorsicht! Rutschgefahr!) nach Südwesten abbiegt und direkt an den tosenden Gletscherbach herangeführt wird. Bunte Bergblumen wachsen aus Felsritzen und bunte Flechten auf nacktem Stein. Der Buarbach führt eiskaltes und erfrischendes Wasser. Endlich kommt die scharfe Gletscherkante des Buarbreen in Sicht, über der sich Wolkenschwaden vor stahlblauem Himmel gebildet haben. Hier ist etwa der halbe Aufstieg geschafft und es beginnt der anstrengendere Teil. Hier hangelt man sich teilweise an langen Seilen über abgeschmirgelte, bei Nässe sehr rutschige Felspassagen weiter nach oben. Nichts was einen trittsicheren, schwindelfreien Wanderer aus der Ruhe bringt, aber auch sicher nichts für das 3-jährige Kind ohne Sicherung.
Die Ausblicke auf dem Gletscher und das Tosen des eiskalten Gletscherwassers in Griffweite sind atemberaubend. Wir waren nach etwa 90 Minuten am Ziel der Wanderung, das durch eine kleine Hütte und den Beginn des Gletschers markiert wird. Hier stürzen von mehreren Gletscherarmen Bäche tosend zu Tal und der Wind pfeift um die sich über einem auftürmenden Felsmassen. Da aber auch hier die Gletscherschmelze weit fortgeschritten ist, kann man auch am Ende der Wanderung die Gletscherzunge leider nicht mehr direkt erreichen. Uns versperrten die Wassermassen den Weg.
Hier ist also Brotzeit- und Fotopause, dann geht es den gleichen Weg wieder zurück zum Stellplatz. Für den Rückweg braucht man nur geringfügig weniger Zeit als für den Aufstieg, da die Kletterpassagen einfach etwas Zeit kosten. Und die meisten Unfälle in den Bergen passieren schließlich beim Abstieg – also Vorsicht!
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Wir hoffen, wir konnten Euch durch diesen Bericht wieder mal ein Stückchen der Sehnsucht nach nordischen Landschaften übermitteln, die wir beim Gedanken an die zurückliegende Wanderung in uns tragen. Vielleicht wird der Buarbreen ja auch Teil einer Eurer künftigen Reisen!
Wart Ihr auch schon am Buarbreen und habt noch einen guten Tipp für die Wanderung? Hinterlaßt gerne einen Kommentar!

Matthias

Nordlandverrückt und gerne draußen unterwegs. Oft mit zu viel und zu schwerer Fotoausrüstung. Könnte das ganze Jahr im Reisemobil unterwegs sein, wenn die Arbeit nicht wäre...

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