Börse meistern
Wer kein Ziel hat, dem nützt das beste Navigationssystem nichts. Genau so ist es auch beim Investieren. Wichtig ist es also, sich zunächst einen Plan über die realistisch erreichbaren Ziele zu machen und den Weg dorthin zu visualisieren.
Was ist Dein langfristig realistisches Ziel am Aktienmarkt?
Stell dir vor, Du sitzt in Deinem Wohnmobil vor einem norwegischen Fjord, Laptop auf dem Schoß, und siehst dein Portfolio bei 7% jährlichem Wachstum grün ansteigen. Kein Stress, nur kluge, langfristige Investitionen neben der Overland-Reise. Viele Anfänger träumen von schnellen Reichtümern, aber realistisch geht es um stabiles Wachstum – nicht um Lottogewinne.
Schneller Reichtum mit Hebel – der sichere Weg zur Depotzerstörung
Hebelprodukte wie CFDs, Optionen oder Futures versprechen 100% Gewinne über Nacht – und klingen damit verlockend. Ich will nicht sagen, das sie nicht funktionieren – aber es sind Finanzprodukte für fortgeschrittene Trader, die durch eine klare Strategie und striktes Risikomanagement verhindern können, dass sie damit ihr Depot schrotten, wenn der Markt tief ausatmet – was statistisch 2x im Jahr vorkommt. Ich selbst nutze ebenfalls gerne Optionsstrategien um Zusatzeinkommen zu generieren. Keinesfalls sind diese Produkte jedoch etwas, mit dem der Anfänger beginnen sollte! Hier sind Investementvehikel wie ETFs zum Vermögensaufbau viel sinnvoller und vor allem sicherer.
Die Realität bei Hebelprodukten sieht so aus:
- Bei 10% Marktfall verlierst Du 100% deines Einsatzes (10x Hebel).
- 90% der Hebel-Trader verlieren langfristig Geld durch Gebühren, Margin-Calls und Emotionen.
- Ein Wochenend-Crash (wie der Flash Crash 2010) löscht dein Depot – während Du offline gerade Fjorde erkundest.
- Auch wenn Du glaubst, Du bist besser, als 90% der Hebel-Trader – glaub mir – Du bist es nicht!
Mein Rat: Lass Dich nicht verleiten und nutze zu Beginn bewährte und sichere Strategien, die aber Zeit brauchen! Lerne die Grundlagen, gehe durch 2-3 Marktcrashs und beobachte Deine Emotionen dabei. Fühlst Du Dich sicher auf dem Parket, kannst Du erwägen, mit einem kleinen Teil Deines Depots diese Strategien zu erlernen.
Warum 7-10% pro Jahr realistisch sind
Der Aktienmarkt wächst historisch um 7-10% jährlich nach Inflation. Das bedeutet: 10.000 € werden in 10 Jahren zu ca. 20.000 €, in 20 Jahren zu ca. 40.000 €. Keine Garantie, aber Wahrscheinlichkeit ist hoch bei einem breitem Index wie dem MSCI World. Vergiss Daytrading – das frisst Gebühren, Nerven und noch wichtiger – Deine Reisezeit.
Der Zinseszinseffekt: Dein unsichtbarer Motor
Zinseszins ist wie Schneeballrollen im norwegischen Winter: Jeder Zuwachs verdient selbst Zinsen.
Bei 10.000 € Startkapital und 7% p.a. entstehen ohne weitere Einzahlung:
- Nach 10 Jahren: ca. 19.700 €
- Nach 20 Jahren: ca. 38.700 €
- Nach 30 Jahren: ca. 76.100 €
Linear einzahlen (200 €/Monat) bringt deutlich mehr durch den Zinseszinseffekt:
- Nach 10 Jahren ca. 54.300 €
- Nach 20 Jahren ca. 142.900 €
- Nach 30 Jahren ca. 320.100 €
Starte früh, lass Zeit wirken!
Ziele definieren und strategisch planen
Nachdem wir uns nun die realistisch erwartbare Rendite über einen längeren Zeitraum angesehen haben, können wir uns nun an die Definition eines Ziels machen.
In diesem Fall geht es ja darum, möglichst früh auf Reisen gehen zu können und Zeit für ein selbstbestimmtes Leben abseits eines 9to5-Jobs zu führen.
Die zentrale Frage dabei ist: In welchem Zeitraum erreiche ich mit einer monatlichen Sparrate R bei X Prozent Rendite im Jahr eine Gesamtsumme Y um mir danach monatlich Z€ Rente auszahlen zu können, ohne das die Gesamtsumme des Depots weniger wird. Ich bezeichne Z mal als „Ewige Rente“.
Diese komplexe Berechnung müssen wir nicht mit dem Taschenrechner kalkulieren, sondern nutzen hierzu kostenlose Tools im Netz, wie sie zB. bei zinsen-berechnen.de zu finden sind.
Ansparphase
Im ersten Schritt nutzen wir den dortigen Sparrechner.
Gehen wir von folgenden Annahmen aus:
Anfangskapital: 0€
Sparrate 250€ pro Monat
Ansparzeit: 30 Jahre
Rendite: 10% pro Jahr
Als Ergebnis bekommen wir die Antwort, das wir nach den 30 Jahren ein Endkapital von 520.000€ erreicht haben. Nur 90.000€ wurden dabei eingezahlt, der Rest (420.000€!) ist dabei durch die Macht des Zins-und-Zinseszins-Effekts entstanden!
Die bittere Wahrheit ist also, dass es schnellen Reichtum ohne das hohe Risiko des Totalverlusts nicht gibt. Benötige ich schneller mehr Endkapital, kann ich also nur über die monatliche Sparrate Einfluß nehmen. Umso wichtiger ist es, auf die Notwendigkeit des möglichst frühen Beginns im Leben mit dem Investment am Kapitalmarkt hinzuweisen um den Faktor Ansparzeit positiv zu beeinflußen!
Entnahmephase
Nun fehlt noch die Antwort auf die spannende Frage, wieviel Kapital man nun monatlich aus der erreichten Gesamtsumme des Depots entnehmen kann, ohne das es langfristig kleiner wird.
Der Entnahmerechner von zinsen-berechnen.de beantwortet diese Frage:
Kapitalvermögen aus obigem Beispiel: 520.000€
Jährliche Rendite: 10%
Ewige Rente als Ziel
Steuersatz: 25%
Jährlicher Steuerfreibetrag: 2000€ (Annahme: verheiratet)
Wir können uns also pro Monat bereits NETTO nach Steuern 3.500€ auszahlen, ohne das das Kapital weniger wird!
Warum Altersarmut vermeidbar ist
Es ist für mich immer wieder erstaunlich, mit welchen einfachen Mitteln es möglich wäre, Altersarmut in Deutschland zu bekämpfen und die Rentenlücke zu schließen, wenn man nur früh genug beginnen würde und genug Mut hätte, das bestehende System zu ändern. Ich kann dies für mich nur als gezieltes Staatsversagen bezeichnen, denn man muss kein Finanzmathematiker sein, um diese einfachen Zusammenhänge zu begreifen.
Persönlich bin ich mir sicher, das die finanzielle Freiheit der Bürger vom Staat gar nicht gewünscht sein kann, denn was wäre los, wenn jede Pflegefachkraft, jeder Handwerker oder jedes andere wichtige „Rädchen“ im System ( von denen es sehr ja viele gibt!) mit 50 Jahren den Dienst quittieren könnte? Der Zusammenbruch des öffentlich Lebens wäre wohl die Folge. Die Frage, die man sich persönlich stellen muß, ist die, ob man dabei mitmachen möchte, oder eben nicht, ob man ab einem bestimmten Punkt arbeiten möchte, weil es einem Spaß macht, oder weil man eben muß.
Ein einfaches Rechenbeispiel für eine „Aktienrente“ von Geburt an:
Bei 50 Jahren Ansparzeit von 50€ pro Monat bei 10% Rendite erreicht man rechnerisch 736.000€, was eine verlustfreie monatliche Entnahme von knapp 5.800€ netto nach Steuern möglich machen würde! Das macht jeden sprachlos, der einen Blick auf die monatlichen Abzüge seiner Rentenversicherung und seine voraussichtliche kümmerliche Rente aus dieser Versicherung wirft.
Fazit
Merken wir uns also: Mit genug langem Zeithorizont oder bereits vorhandenem Kapital ist es möglich sich eine „Ewige Rente“ auszuzahlen, die dabei hilft, irgendwann finanziell frei zu werden und sich auf die lange Reise zu machen. Klar ist aber auch: Habe ich nicht schon genug Geld „auf der hohen Kante“, geht ohne entsprechenden Zeithorizont, konsequentes Umsetzen des Sparplanes und im Vorfeld fleißiger Arbeit zur Maximierung der monatlichen Ansparrate nichts.
Begib Dich also rechtzeitig auf die Reise am Kapitalmarkt und habe keine Angst vor Crashpropheten und Bedenkenträgern! Die gibt es nämlich reichlich, vor allem unter Menschen, die nie in ihrem Leben auch nur eine einzige Aktie besessen haben.
Triff nach Berechnung Deiner individuell möglichen Ansparsumme strategische Entscheidungen für die nächsten Schritte, die wir in den folgenden Blogbeiträgen beleuchten wollen!
Bist Du überrascht von der Macht des Zinseszins-Effektes?
Lebst Du vielleicht schon von einer Ewigen Rente und bist finanziell frei?
Hinterlass gerne einen Kommentar, auch um andere zu motivieren!
