Frilufts Liv – das skandinavische Lebensgefühl

Frilufts Liv - Was ist das überhaupt?

Der Begriff „Friluftsliv“ kommt aus dem norwegischen Sprachraum, beschreibt die skandinavische Naturverbundenheit und bedeutet soviel wie „Leben in der freien Natur“. Für viele Skandinavier ist das jedoch nicht nur ein Begriff, sondern ein Lebensstil, der in der dünn besiedelten Region bis heute eine fundamentale Rolle spielt. Geprägt hat den Begriff der norwegische Dramatiker Hendrik Ibsen um 1850 herum, der damit seine geistige und körperliche Gesundheit fördern wollte. Seitdem hat sich das Friluftsliv zu einem Teil der skandinavischen Identität und Gesellschaft entwickelt und nimmt für viele Skandinavier einen wichtigen Teil des Lebens ein.

Heute verbergen sich hinter dem Begriff Friluftsliv nicht nur Sportarten, die im Freien ausgeübt werden, wie Wandern, Radfahren, Skifahren und viele andere, sondern auch „gemütlichere“ Möglichkeiten der Freizeitgestaltung „Draussen“, wie Beeren pflücken und zelten gehen. Die Philosophie beruht dabei auf dem Konzept, sich gemeinsam mit Freunden und der Familie in der Natur aufzuhalten, diese zu genießen, aber nicht zu zerstören.

Es gibt sogar ein norwegisches Gesetz in Zusammenhang mit Friluftsliv, das sog. „Friluftsloven“, welches das Jedermannsrecht mit einschließt. In Norwegen ist es sogar möglich einen Bachelorabschluss in „Friluftsliv“ zu machen.

In unserer schnelllebigen, von „Multitasking“ und Leistungsdruck geprägten Gesellschaft, kann das Friluftsliv umfangreiche gesundheitsfördernde positive Effekte haben. Stress wird reduziert, der Cortisolspiegel, der Blutdruck und der Blutzuckerspiegel sinken, das Immunsystem wird gestärkt. Viele psychische Störung werden günstig beeinflußt, Burnout und Depressionen gemildert. Eine schwedische Langzeitstudie fand heraus, das Menschen, die regelmäßig Zeit im Freien verbringen, seltener an Angstzuständen und Depressionen leiden.

Persönlich merken wir sofort auch auf uns eine positive Wirkung, sobald wir den duftenden nordeuropäischen Wald betreten, die klare Luft inhalieren und den Naturgeräuschen lauschen. Ein absolutes Kontrastprogramm zum täglichen „Schreibtischtäterdasein“, das in Deutschland so typisch ist.

Hiking in der Region Kilpisjärvi in Nordfinnland - ganz schön einsam hier...

Hiking

Wandern geht immer. Jedoch sollte man auf jeden Fall gut gerüstet für alle Wetterbedingungen sein, wenn man im Norden, eventuell sogar oberhalb des Polarkreises in der Natur unterwegs ist. Keinesfalls ist es vergleichbar mit einem Spaziergang zum nächsten Schrebergarten in Deutschland. Wetterumschwünge sind häufig und passieren plötzlich, Nebel kann die Orientierung auf einer vorher einfach erscheinenden Route unmöglich machen und auch der Handyempfang kann mal schwächeln. Eine Knöchelverletzung kann bei hereinbrechender Dunkelheit schnell zum Problem werden. Nachts sind Minusgrade jederzeit möglich.

Unsere Erfahrungen zum Hiking in Skandinavien haben wir hier zusammengefaßt und stellen Euch dort eine kostenlose Packliste zum Download zur Verfügung, damit Ihr nichts mehr auf Eurer Tour vergesst.

Mountainbiking in Nordfinnland ist nichts für jedermann und macht am meisten Spaß mit Fatbikes

Mountainbiking

Wir haben die Bikes auf unseren Trips durch den Norden immer dabei. Benutzt haben wir sie in der Vergangenheit aber viel seltener als eigentlich gedacht. Das liegt daran, das es im hohen Norden keine Radwege mehr gibt, auf denen man fahren könnte. Wanderwege sind aufgrund von Wurzeln und Steinen nicht sinnvoll befahrbar. Und auf den Teerstraßen macht es nicht wirklich Spaß. Am besten läßt sich noch im südlichen Teil von Schweden mit dem Bike fahren. In Norwegen, Nordschweden und Finnland gestaltet sich das Ganze eher schwierig. Finnland bietet vereinzelt Bikeparks, die am besten mit Fatbikes befahren werden können aufgrund vieler Wurzeln und Steine. Wer Probleme mit den Handgelenken hat, für den ist aber auch das eher nichts. Wer wenig Platz im Camper hat, kann am ehesten noch die Bikes für eine Skandinavienreise zu Hause lassen.

Wir werden unsere Bikes künftig zu Hause lassen, da sie doch viel Platz im Camper benötigen, aber meistens ungenutzt in der Heckgarage bleiben.

Kanufahren

Ein gutes Kanu ist in Skandinavien Gold wert. Wir haben schon einige Modelle durch. Aktuell nutzen wir ein Grabner-Kanu, welches sich als sehr robust (aber leider auch schwer) herausgestellt hat. Auch hier sind die südlichen Regionen der skandinavischen Länder besser geeignet, als der hohe Norden. Gerade in Süd- und Mittelschweden gibt es herrliche Kanugebiete (der Svartälven oder die Region um Arvika). In Norwegen bietet sich die Region um den Femundsee an. Auch hier gilt: Ohne gute Ausrüstung geht nichts. Wir sind bereits einmal mit dem Kanu gekentert und waren froh, unsere Notausrüstung und einen zweiten Satz trockene Kleidung immer mit an Bord zu haben.

Auf unser Kanu würden wir keinesfalls in Skandinavien verzichten und werden es anstatt unserer Bikes dabei haben.

Packraft-Tour auf dem Svartälven in Schweden

Packrafting

Wir haben seit einigen Jahren immer noch zwei Packrafts mit dabei und genießen die Touren damit immer ganz besonders. Es handelt sich dabei um Kajaks von Anfibio, die jeweils nur etwa 5kg wiegen und in einem kleinen Rucksack getragen werden können. So wandern wir erst einige Kilometer zu einem Fluß, bauen unsere Kajaks auf und paddeln zum Ausgangspunkt zurück. Wichtig ist es, die Bedingungen vor Ort zu erfragen, da es immer wieder auch Wasserfälle, Kraftwerke, Stromschnellen und andere Hinternisse geben kann. Und auch hier gilt: Notfallausrüstung immer mitführen!

Da Packrafts im Vergleich zum Kanu sehr wenig Platz brauchen und zudem sehr leicht sind, eigenen sie sich prima zur Mitnahme im Camper. Sie lassen sich leicht unterwegs reparieren. Daher gehören sie unterwegs zu unserer „Must-have“-Standardausrüstung.

Fazit

Naturerlebnisse in Skandinavien lassen das Herz höher schlagen und beginnen dort schon einen Schritt vor dem Camper. Aber durch die raue Natur ist Vorbereitung wichtiger als in südlicheren Regionen und es kann dauern, bis Hilfe eintrifft. Hier sollte nichts vergessen werden. Vielleicht helfen Euch unsere Packlisten.

Welche Sportarten liebt Ihr dort oben? Hinterlaßt gerne einen Kommentar – wir sind auf Eure Erlebnisse gespannt!

Matthias

Nordlandverrückt und gerne draußen unterwegs. Hat Spaß am Fotografieren, Wandern, Packrafting und Mountainbiking. Ab 2026 Vollzeit im Reisemobil unterwegs und ist dem beruflichen Hamsterrad entkommen.

Schreibe einen Kommentar

17 − acht =

Du betrachtest gerade Frilufts Liv – das skandinavische Lebensgefühl