Mehr Rendite mit ETFs? Wie Du abgestrafte Sektoren antizyklisch nutzen kannst
Themen-ETFs als taktische Ergänzung für das langfristige Portfolio
Im letzten Trading2Travel-Beitrag haben wir uns angeschaut, wie Du mit justETF aus der riesigen Auswahl an ETFs passende Produkte für Dein Portfolio herausfiltern kannst.
Dabei ging es vor allem um den ETF als langfristigen Baustein: breit diversifiziert, kostengünstig und möglichst einfach.
Doch ETFs können noch etwas anderes.
Sie können auch ein Werkzeug sein, um gezielt auf eine eigene Marktmeinung zu setzen.
Du glaubst beispielsweise, dass ein stark abgestrafter Sektor zu pessimistisch bewertet wird?
Dann musst Du nicht zwangsläufig zehn oder zwanzig Einzelaktien dieses Sektors kaufen.
Du kannst stattdessen einen passenden Themen- oder Branchen-ETF auswählen.
Genau hier wird es für Trading2Travel interessant.
Denn mit einem ETF lässt sich eine taktische Marktmeinung umsetzen, ohne das volle Risiko einer einzelnen Aktie einzugehen.
Der Unterschied zwischen Kern und Satellit
Bevor wir über taktische ETFs sprechen, müssen wir noch einmal einen Schritt zurückgehen.
Ein langfristiges Portfolio sollte meiner Meinung nach aus einem Kern und verschiedenen Satelliten bestehen.
Der Kern sorgt für die breite Diversifikation.
Zum Beispiel:
60–80 % breit gestreute Welt-ETFs
Darum herum können verschiedene Satelliten aufgebaut werden:
- Einzelaktien
- Small Caps
- Emerging Markets
- Branchen-ETFs
- Themen-ETFs
- Gold und Rohstoffe
- Bitcoin
Während der Kern möglichst wenig verändert wird, können die Satelliten flexibler eingesetzt werden.
Und genau dort kommt eine antizyklische ETF-Strategie ins Spiel.
Was bedeutet antizyklisch investieren?
Antizyklisches Investieren bedeutet vereinfacht:
Du kaufst nicht das, was gerade alle haben wollen, sondern suchst nach Bereichen, die stark abgestraft wurden und bei denen Du die Markteinschätzung für zu pessimistisch hältst.
Das bedeutet allerdings nicht:
„Alles kaufen, was gefallen ist.“
Denn eine Aktie oder ein Sektor kann aus gutem Grund fallen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb:
Hat sich die langfristige Perspektive tatsächlich verschlechtert – oder ist die aktuelle Bewertung vor allem das Ergebnis von Angst, Übertreibung und kurzfristiger Unsicherheit?
Das ist ein großer Unterschied.
Eine Korrektur ist noch kein Kaufsignal
Nur weil ein ETF 30 Prozent gefallen ist, bedeutet das nicht automatisch, dass er wieder 30 Prozent steigen wird. Vielleicht fällt er weitere 30 Prozent. Oder das Geschäftsmodell des gesamten Sektors hat sich dauerhaft verändert. Oder eine neue Technologie macht einen bisherigen Markt tatsächlich kleiner.
Antizyklisches Investieren funktioniert deshalb nur, wenn Du eine eigene, begründete Marktmeinung hast.
Du musst nicht wissen, wann der Tiefpunkt erreicht ist.
Aber Du solltest zumindest eine Antwort auf diese Fragen haben:
- Warum ist der Sektor gefallen?
- Was befürchtet der Markt?
- Sind diese Befürchtungen gerechtfertigt?
- Was könnte besser laufen als erwartet?
- Wie groß ist das Erholungspotenzial?
- Wie lange kann es dauern?
- Was würde meine Einschätzung widerlegen?
Das ist der Unterschied zwischen antizyklischem Investieren und blindem „Buy the Dip“.
Warum ETFs dafür besonders interessant sind
Nehmen wir an, Du glaubst, dass ein bestimmter Sektor zu stark abgestraft wurde.
Du hast jetzt zwei Möglichkeiten.
Möglichkeit 1: Einzelaktien
Du suchst Dir zwei oder drei Unternehmen heraus.
Wenn Du richtig liegst und eines davon besonders stark zurückkommt, kann die Rendite enorm sein.
Aber:
Wenn genau dieses Unternehmen ein strukturelles Problem hat, kann die Position dauerhaft enttäuschen.
Möglichkeit 2: Branchen-ETF
Du kaufst einen ETF, der viele Unternehmen aus diesem Sektor enthält.
Dann bist Du nicht davon abhängig, welches einzelne Unternehmen am Ende der Gewinner sein wird.
Du setzt vielmehr auf die These:
„Der gesamte Sektor ist meiner Meinung nach zu pessimistisch bewertet.“
Das ist eine völlig andere Investmentthese.
Beispiel SaaS: Wenn der Markt plötzlich das Ende von Software einpreist
Ein gutes Beispiel dafür liefert der Softwaresektor.
2026 gerieten zahlreiche SaaS-Unternehmen massiv unter Druck.
Der Grund war vor allem die Sorge, dass künstliche Intelligenz und sogenannte AI Agents klassische Softwaremodelle fundamental verändern könnten.
Die Befürchtung:
Wenn KI viele Aufgaben übernimmt, für die bisher Softwarelizenzen und SaaS-Anwendungen benötigt wurden, könnten traditionelle Softwareunternehmen unter Druck geraten.
Diese Sorge führte zu einer erheblichen Neubewertung des Sektors.
Der S&P 500 Software & Services Index verlor zwischen seinem Hoch im Oktober 2025 und April 2026 zeitweise mehr als ein Drittel.
Plötzlich wurde aus einem jahrelangen Wachstumssektor ein Bereich, den viele Anleger lieber meiden wollten.
Und genau hier beginnt eine interessante Frage:
War die Angst vor dem Ende von Software vielleicht übertrieben?
Eine andere Meinung kann zur Investmentchance werden
Die Gegenposition könnte beispielsweise lauten:
KI ersetzt Software nicht vollständig.
KI verändert vielmehr die Art und Weise, wie Software genutzt wird.
Unternehmen benötigen weiterhin:
- Datenbanken
- Cybersecurity
- Cloud-Infrastruktur
- Collaboration-Software
- ERP-Systeme
- CRM-Systeme
- Entwicklerwerkzeuge
- Datenanalyse
- Identitätsmanagement
Vielleicht verschwinden einzelne Geschäftsmodelle.
Vielleicht werden einige Unternehmen tatsächlich zu den Verlierern der KI-Revolution.
Aber gleichzeitig könnten andere Softwareunternehmen zu den Gewinnern gehören.
Und genau das ist der entscheidende Punkt.
Wenn Du nicht weißt, welche Softwareaktie am Ende zu den Gewinnern gehören wird, kannst Du den gesamten Sektor kaufen.
Der ETF macht aus der Einzelaktienwette eine Sektorwette
Ein Software-ETF kann dabei helfen. Statt beispielsweise nur auf Salesforce, Adobe, ServiceNow oder eine andere einzelne Aktie zu setzen, investierst Du in einen ganzen Korb von Softwareunternehmen.
Ein Beispiel für einen solchen Ansatz ist der WisdomTree Cloud Computing UCITS ETF. Er bildet Unternehmen aus dem Cloud-Computing-Bereich ab und umfasst aktuell 64 Positionen.
Ein anderes Beispiel ist ein breit gefasster Software- beziehungsweise Information-Technology-ETF.
Wichtig ist allerdings:
Nicht jeder Technologie-ETF ist automatisch ein Software-ETF.
Ein ETF auf den gesamten Technologiesektor kann beispielsweise erhebliche Positionen in Halbleitern, Hardware oder anderen Bereichen enthalten.
Deshalb gilt auch hier:
Erst die Investmentthese formulieren – dann den passenden ETF suchen.
Was danach passierte
Interessant ist, dass sich die Stimmung im Softwaresektor inzwischen wieder deutlich verändert hat.
Im August 2026 haben Softwareaktien eine kräftige Erholung gezeigt. Der State Street Software and Services ETF, der rund 130 Software- und IT-Unternehmen abbildet, erreichte Ende August sogar ein neues Hoch. Auslöser waren unter anderem starke Quartalszahlen von Salesforce und die Erkenntnis, dass KI nicht zwangsläufig der Untergang klassischer Softwareunternehmen sein muss.
Das zeigt sehr schön, wie schnell sich eine Marktmeinung verändern kann.
Noch vor wenigen Monaten lautete die Diskussion:
„Wird KI Software zerstören?“
Heute lautet sie zunehmend:
„Welche Softwareunternehmen profitieren von KI?“
Genau diese Verschiebung kann für antizyklische Anleger interessant sein.
Ein wichtiger Punkt: Du musst nicht den Tiefpunkt erwischen
Hier liegt ein häufiger Denkfehler. Viele Anleger warten auf den perfekten Einstieg. Sie möchten den Tiefpunkt kaufen. Das funktioniert in der Praxis selten.
Wenn ein Sektor 30 Prozent gefallen ist, kann er noch weitere 20 Prozent verlieren. Deshalb kann es sinnvoll sein, eine taktische Position in mehreren Tranchen aufzubauen.
Zum Beispiel:
1. Kauf: nach einem starken Kursrückgang
2. Kauf: wenn sich die ursprüngliche These bestätigt
3. Kauf: bei einer weiteren Schwächephase
Damit reduzierst Du das Risiko, den gesamten Betrag genau am falschen Tag zu investieren.
Natürlich reduziert das nicht das grundsätzliche Verlustrisiko.
Aber es nimmt etwas Druck aus dem Timing.
Das zweite Beispiel: Gold- und Silberminen
Ein weiteres interessantes Beispiel sind Gold- und Silberminen.
Gold und Silber haben in den vergangenen Jahren eine außergewöhnlich starke Entwicklung gezeigt. Nach starken Kursanstiegen kam es 2026 jedoch immer wieder zu deutlichen Korrekturen.
Steigende Renditen, ein stärkerer US-Dollar und Gewinnmitnahmen können beispielsweise Druck auf Edelmetalle ausüben. Nach den kräftigen Gewinnen kam es entsprechend zu Rücksetzern, bevor sich die Preise wieder erholten.
Für einen Anleger mit einer langfristig positiven Einschätzung von Gold und Silber kann eine solche Korrektur interessant sein.
Aber nicht unbedingt für den Kauf des Metalls selbst. Denn hier gibt es eine weitere Möglichkeit:
die Minenunternehmen.
Warum Minenaktien stärker reagieren können als Gold
Goldminenunternehmen verkaufen Gold. Steigt der Goldpreis, steigen zunächst die Erlöse der Unternehmen. Viele Kosten der Produktion verändern sich dagegen kurzfristig weniger stark. Dadurch kann sich der Gewinn eines Minenunternehmens überproportional verändern.
Ein stark vereinfachtes Beispiel:
- Goldpreis: 2.000 €
- Produktionskosten: 1.500 €
- Marge: 500 €
- Steigt der Goldpreis auf 2.200 €, während die Kosten gleich bleiben:
- Marge: 700 €
- Der Goldpreis ist um 10 Prozent gestiegen.
- Die Marge steigt aber um 40 Prozent.
Das ist natürlich eine starke Vereinfachung, aber es verdeutlicht den Mechanismus.
Deshalb können Minenaktien deutlich stärker schwanken als der zugrunde liegende Rohstoff. Und genau deshalb können sie bei einer Erholung auch deutlich stärker steigen.
Aber auch hier ist der ETF der interessante Baustein
Bei einzelnen Minenunternehmen kommen zahlreiche zusätzliche Risiken hinzu:
- politische Risiken
- Genehmigungen
- Produktionsprobleme
- steigende Energiekosten
- Managementfehler
- Währungsrisiken
- neue Minenprojekte
- Umweltauflagen
- Verschuldung
Du kannst beim Goldpreis also durchaus richtig liegen und trotzdem mit einer einzelnen Minenaktie falsch liegen. Ein Minen-ETF verteilt dieses Unternehmensrisiko auf mehrere Gesellschaften.
Das ist für eine taktische Wette auf den gesamten Sektor interessant.
Goldminen: hoher Hebel auf eine Goldpreis-Erholung
Der VanEck Gold Miners ETF ist ein bekanntes Beispiel für diesen Ansatz. Die Kursbewegungen zeigen sehr deutlich, wie groß dieser Effekt sein kann.
Nach einem deutlichen Rückgang im Sommer 2026 erholte sich der ETF anschließend kräftig. Zwischen Ende Juli und Ende August lag die Erholung zeitweise bei deutlich über 30 Prozent.
Das bedeutet nicht, dass man diese Rendite problemlos hätte erzielen können. Niemand kennt im Voraus den Tiefpunkt. Und wer während der Korrektur eingestiegen wäre, hätte zwischenzeitlich auch weitere Verluste aushalten müssen.
Aber genau darin liegt die Chance einer antizyklischen Strategie:
Eine hohe kurzfristige Unsicherheit kann gleichzeitig eine hohe potenzielle Rendite eröffnen.
Noch extremer: Silberminen
Bei Silberminen können die Bewegungen sogar noch heftiger ausfallen.
Der Global X Silver Miners ETF bildet einen Korb von Silberminenunternehmen ab und hält derzeit 39 Positionen.
Die Kursentwicklung im Jahr 2026 zeigt eindrucksvoll, wie volatil dieser Bereich ist.
Der ETF verlor beispielsweise im März rund 24,7 Prozent und im Juni weitere 17,3 Prozent.
Im August folgte anschließend eine Erholung von knapp 40 Prozent bis zum 25. August.
Das ist genau die Art von Bewegung, die einen antizyklischen Anleger interessieren kann.
Aber gleichzeitig ist sie eine Warnung:
Eine Position, die in wenigen Wochen 40 Prozent steigen kann, kann auch 20 oder 30 Prozent fallen.
Hohe Chancen gibt es nicht ohne entsprechende Risiken.
Rohstoff-ETF oder Minen-ETF?
Das ist eine wichtige Unterscheidung.
Wenn Du glaubst:
„Gold wird steigen.“
Dann kannst Du direkt Gold abbilden.
Wenn Deine These dagegen lautet:
„Gold wird steigen und die Gewinne der Goldproduzenten werden dadurch überproportional wachsen.“
Dann kann ein Goldminen-ETF interessanter sein.
Das gleiche gilt für Silber.
Du hast damit unterschiedliche Investmentthesen:
Gold:
Wette auf den Goldpreis.
Goldminen:
Wette auf Goldpreis + Unternehmensgewinne + operative Hebelwirkung.
Silber:
Wette auf Silberpreis.
Silberminen:
Wette auf Silberpreis + Unternehmensgewinne + operative Hebelwirkung.
Je weiter Du Dich vom Rohstoff zum Unternehmen bewegst, desto mehr zusätzliche Faktoren kommen ins Spiel.
Genau deshalb sind Minen-ETFs keine defensive Goldanlage
Das sollte man unbedingt verstehen.
Gold gilt häufig als defensiver Portfolio-Baustein.
Goldminenaktien sind dagegen Aktien.
In einem starken Börsencrash können Minenaktien deshalb gemeinsam mit anderen Aktien fallen – selbst wenn der Goldpreis stabil bleibt.
Ein Goldminen-ETF ist somit kein Ersatz für eine physische Goldposition oder einen Gold-ETF.
Er ist eine Aktienwette auf den Goldminensektor.
Und genau deshalb kann er bei einer positiven Marktmeinung besonders interessant sein.
Wie man eine solche Strategie mit justETF umsetzt
Hier kommt der vorige Trading2Travel-Artikel wieder ins Spiel. Du hast eine Marktmeinung. Jetzt brauchst Du den passenden ETF.
Bei justETF kannst Du beispielsweise nach folgenden Kriterien suchen:
Anlageklasse
Aktien
Region
Global beziehungsweise die für den jeweiligen Sektor passende Region
Thema/Sektor
Software, Cloud Computing, Goldminen, Silberminen etc.
Fondsgröße
Als erste Qualitätsfilterung
Kosten
TER vergleichen
Fondsalter
Möglichst ausreichend lange Historie
Anzahl der Positionen
Nicht zu konzentriert, wenn Du bewusst das Einzelaktienrisiko reduzieren möchtest
Replikationsmethode
Verstehen, wie der ETF seinen Index abbildet
Performance und Risiko
Nicht um den Gewinner der Vergangenheit zu kaufen, sondern um die Schwankungsintensität und historische Entwicklung zu verstehen.
Der entscheidende Filter ist aber Deine eigene These
Bei einem normalen Welt-ETF lautet die Frage:
„Welcher ETF bildet den Markt breit und effizient ab?“
Bei einem Themen-ETF lautet sie:
„Welcher ETF bildet meine Marktmeinung am besten ab?“
Das ist ein großer Unterschied.
Wenn Du beispielsweise glaubst, dass Softwareaktien zu stark abgestraft wurden, möchtest Du keinen beliebigen Technologie-ETF.
Du möchtest möglichst gezielt den Bereich abbilden, auf den sich Deine These bezieht.
Wenn Du glaubst, dass Goldminen nach einer Korrektur vor einer Erholung stehen, möchtest Du vielleicht nicht einfach einen Edelmetall-ETF kaufen.
Du möchtest gezielt die Minenunternehmen abdecken.
Wie groß sollte eine solche Position sein?
Hier würde ich sehr vorsichtig sein.
Eine taktische Sektorwette sollte meiner Meinung nach nicht den gesamten langfristigen Vermögensaufbau bestimmen.
Der Kern bleibt der Kern.
Ein mögliches Beispiel:
| Portfolio-Baustein | Gewichtung |
|---|---|
| Welt-ETF | 70 % |
| Einzelaktien | 15 % |
| taktische Themen-ETFs | 10 % |
| Gold/Rohstoffe | 3 % |
| Bitcoin | 2 % |
Die 10 Prozent taktische ETFs könnten wiederum auf mehrere Ideen verteilt werden.
Zum Beispiel:
- 4 % Software
- 3 % Goldminen
- 3 % Silberminen
Das ist natürlich nur ein Beispiel und keine Anlageempfehlung.
Der entscheidende Gedanke lautet:
Die taktische Wette sollte klein genug sein, dass ein Fehler nicht das gesamte Portfolio zerstört.
Was passiert, wenn die Idee aufgeht?
Jetzt kommt der schwierige Teil. Angenommen, Du kaufst einen Software-ETF nach einem starken Kursrückgang.
Der Markt dreht.
Der ETF steigt 30 Prozent.
Was machst Du?
Genau hier sollte man bereits vor dem Kauf einen Plan haben.
Mögliche Vorgehensweisen:
Variante 1: Gewinne laufen lassen
Du bist langfristig von der These überzeugt und hältst weiter.
Variante 2: Teilgewinne mitnehmen
Du reduzierst beispielsweise einen Teil der Position und lässt den Rest weiterlaufen.
Variante 3: Zurück auf Zielgewichtung
Die Position darf beispielsweise nicht mehr als 5 Prozent des Gesamtdepots ausmachen. Steigt sie auf 8 Prozent, wird zurück auf 5 Prozent reduziert.
Für mich ist die dritte Variante besonders interessant.
Denn sie verbindet taktische Chancen mit langfristiger Portfolio-Disziplin.
Und was passiert, wenn die Idee falsch ist?
Noch wichtiger. Du kaufst einen Sektor, weil Du glaubst, dass der Markt übertreibt. Dann fällt der ETF weitere 25 Prozent.
Jetzt musst Du wissen:
Was würde meine These widerlegen?
Bei Software könnte das beispielsweise sein:
- KI ersetzt tatsächlich wesentliche Teile der Geschäftsmodelle.
- Kunden wechseln dauerhaft von klassischen SaaS-Produkten weg.
- Margen brechen strukturell ein.
- Wachstum sinkt deutlich stärker als erwartet.
- Die Bewertung bleibt trotz fallender Kurse zu hoch.
Bei Goldminen könnten es beispielsweise sein:
- Goldpreis fällt dauerhaft deutlich.
- Produktionskosten steigen stark.
- politische Risiken nehmen zu.
- Unternehmen verschulden sich.
- Margen schrumpfen trotz hoher Goldpreise.
Wenn sich die ursprüngliche Investmentthese verändert, darf ein ETF nicht einfach deshalb gehalten werden, weil er bereits 30 Prozent im Minus ist.
Der größte Fehler: Verlierer verbilligen, ohne die These zu überprüfen
„Ich kaufe noch einmal nach, weil der ETF gefallen ist.“
Das ist keine Strategie.
Eine Strategie wäre:
„Ich kaufe nach, weil sich meine ursprüngliche These nicht verändert hat und die Bewertung inzwischen noch attraktiver geworden ist.“
Das klingt ähnlich.
Ist aber psychologisch etwas völlig anderes.
Im ersten Fall reagierst Du auf den Kurs.
Im zweiten Fall reagierst Du auf Deine Analyse.
Warum diese Strategie gut zu Trading2Travel passt
Das Schöne an dieser Strategie ist:
- Du musst kein Vollzeit-Trader sein.
- Du musst nicht jeden Tag zehn Aktien analysieren.
- Du musst auch nicht ständig kaufen und verkaufen.
- Du kannst Dein langfristiges ETF-Portfolio laufen lassen und gleichzeitig eine Watchlist interessanter Sektoren führen.
Beispielsweise:
| Sektor | Aktuelle Bewertung | Eigene Einschätzung | Beobachtung |
|---|---|---|---|
| Software | stark gefallen | langfristig positiv | 🟢 |
| Goldminen | korrigiert | positiv | 🟢 |
| Silberminen | sehr volatil | positiv, aber riskant | 🟡 |
| Halbleiter | hoch bewertet | neutral | 🟡 |
| Biotech | abgestraft | interessant | 🟢 |
Damit entsteht ein persönliches „Radar“.
Nicht:
Was ist heute gestiegen?
Sondern:
Wo weicht meine Einschätzung deutlich von der aktuellen Marktstimmung ab?
Die Börse bezahlt nicht für die offensichtliche Meinung
Wenn ein Sektor bereits extrem beliebt ist, kann eine Menge guter Nachrichten bereits im Kurs enthalten sein. Umgekehrt kann ein unbeliebter Sektor interessant werden, wenn die Erwartungen zu pessimistisch sind. Genau hier entsteht das Potenzial einer antizyklischen Strategie:
Nicht die Tatsache, dass ein Sektor billig aussieht, ist entscheidend.
Entscheidend ist die Differenz zwischen:
aktueller Markterwartung
und
eigener Erwartung.
Je größer diese Differenz ist, desto größer kann theoretisch die Chance sein.
Natürlich gilt das auch in die andere Richtung:
Je stärker Du Dich vom Markt entfernst, desto größer kann Dein Fehler sein.
Drei Fragen vor jedem taktischen ETF-Kauf
Bevor ich einen Themen-ETF kaufen würde, müssten für mich mindestens drei Fragen beantwortet sein:
1. Warum ist der Sektor gefallen?
Ich möchte die Ursache verstehen.
2. Warum glaube ich, dass der Markt übertreibt?
Hier braucht es eine eigene These.
3. Was würde beweisen, dass ich falsch liege?
Diese Frage wird am häufigsten vergessen.
Wer sie nicht beantworten kann, hat keine Investmentstrategie.
Er hat lediglich Hoffnung.
Der ETF reduziert das Einzelaktienrisiko – aber nicht das Sektorrisiko
Das ist die vielleicht wichtigste Einschränkung. Ein Software-ETF kann Dir das Risiko einer einzelnen Softwareaktie abnehmen.
Aber:
Wenn der gesamte Softwaresektor weiter fällt, fällt auch Dein ETF.
Ein Silberminen-ETF verteilt das Risiko auf viele Minenunternehmen.
Aber:
Wenn Silber massiv fällt und die Margen der Branche unter Druck geraten, kann der gesamte ETF deutlich verlieren.
Der ETF macht die Wette also breiter.
Er macht sie nicht automatisch sicher.
Meine Trading2Travel-Regel: Kern langweilig, Satelliten spannend
Wenn ich das Konzept aus den bisherigen Beiträgen auf einen Satz reduzieren müsste, wäre es:
Der Kern darf langweilig sein – die Satelliten dürfen interessant werden.
Der Welt-ETF muss nicht jeden Monat die höchste Rendite erzielen.
Er soll langfristig breit investiert sein.
Die Satelliten dürfen dagegen gezielt andere Marktmeinungen abbilden.
Dort kannst Du beispielsweise investieren, wenn:
- ein Sektor stark gefallen ist,
- die Marktstimmung extrem negativ ist,
- die fundamentale Situation besser aussieht als die Kurse vermuten lassen,
- eine strukturelle Erholung möglich erscheint.
Das schafft die Möglichkeit, zusätzliche Rendite gegenüber dem reinen Marktportfolio zu erzielen.
Aber eben auch das Risiko, schlechter abzuschneiden.
Was wir aus Software und Edelmetallminen lernen können
Die Beispiele aus 2026 zeigen zwei unterschiedliche Varianten derselben Strategie.
Software
Ein strukturelles Thema – künstliche Intelligenz – führte zu einer massiven Neubewertung eines gesamten Sektors.
Wer zu dem Schluss kam, dass die Marktreaktion übertrieben war, konnte statt einzelner SaaS-Aktien einen Software- oder Cloud-ETF nutzen. Der Sektor hat sich anschließend deutlich erholt.
Gold- und Silberminen
Hier war die Ausgangssituation eine andere.
Die Edelmetalle hatten zuvor stark zugelegt und korrigierten anschließend.
Wer langfristig weiter an Gold und Silber glaubte, konnte die Schwäche nutzen und über Minen-ETFs auf eine Erholung der Unternehmen setzen.
Die folgenden Bewegungen waren erheblich: Sowohl Goldminen als auch Silberminen zeigten im Sommer 2026 starke Erholungen nach vorherigen Rücksetzern.
In beiden Fällen wäre es nicht notwendig gewesen, den einen Gewinner unter zahlreichen Einzelaktien vorherzusagen.
Die Wette konnte auf den gesamten Sektor erfolgen.
Das ist der eigentliche Vorteil
Und genau hier liegt für mich der Charme dieser Strategie.
Du kannst eine klare Marktmeinung haben:
„Ich glaube, Software ist zu stark abgestraft.“
oder:
„Ich glaube, Goldminen sind nach der Korrektur attraktiv.“
Ohne gleichzeitig sagen zu müssen:
„Und ich weiß genau, welche Aktie in diesem Sektor gewinnen wird.“
Das ist ein enormer Unterschied. Der ETF übernimmt einen Teil der Auswahlentscheidung. Du musst nicht den Gewinner finden. Du musst nur beurteilen, ob der Sektor als Ganzes eine interessante Chance bietet.
Fazit: ETFs können mehr als nur Buy-and-Hold
ETFs werden häufig als Instrument für passives, langfristiges Investieren verstanden.
Das ist auch ihre große Stärke.
Aber sie können noch mehr.
Mit Themen- und Branchen-ETFs lässt sich eine eigene Marktmeinung gezielt umsetzen.
Besonders interessant kann das werden, wenn ein ganzer Sektor stark abgestraft wurde und Du zu einer anderen Einschätzung kommst als der Markt.
Die Beispiele Software sowie Gold- und Silberminen zeigen, wie stark solche Bewegungen ausfallen können.
Der große Vorteil gegenüber Einzelaktien:
Du musst nicht den einzelnen Gewinner finden. Du kannst auf die Erholung des gesamten Sektors setzen.
Der große Nachteil:
Du kannst mit der gesamten Branche falsch liegen.
Deshalb gehören solche Positionen für mich nicht in den Kern des langfristigen Vermögensaufbaus. Sie gehören in den Satellitenbereich.
Der Kern bleibt breit diversifiziert.
Die Satelliten bilden Deine Überzeugungen ab.
Und genau daraus entsteht ein Portfolio, das nicht nur den Markt abbildet, sondern Dir die Möglichkeit gibt, gezielt dort zusätzliche Renditechancen zu suchen, wo Du eine andere Meinung als der Markt hast.
Das ist für mich der spannendste Einsatz von ETFs:
Nicht blind dem Trend hinterherlaufen – sondern dann genauer hinschauen, wenn der Markt besonders pessimistisch geworden ist.

