Icehotel Jukkasjärvi – eiskalte Versuchung im hohen Norden

Icehotel Jukkasjärvi – eiskalte Versuchung im hohen Norden

Minus fünf Grad mitten im schwedischen Sommer? Für uns klingt das zunächst nach einer ziemlich verrückten Idee. Doch genau das macht den Besuch des Icehotel Jukkasjärvi so besonders. Während draußen die Sonne vom Himmel brennt und am Torneälven der Sommer seinen Lauf nimmt, stehen wir wenige Meter weiter mitten in einer Welt aus Eis und Schnee.

Das Icehotel Jukkasjärvi gehört für uns zu den ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten in Schwedisch-Lappland. Und das Beste: Man muss dafür nicht im tiefsten Winter nach Nordschweden reisen. Das ICEHOTEL 365 ist ganzjährig geöffnet und macht einen Besuch sogar im Sommer möglich.

Für uns als Wohnmobilreisende ist Jukkasjärvi dabei besonders interessant. Direkt am Icehotel gibt es einen einfachen Stellplatz. Wer das passende Arrangement bucht, bekommt nicht nur einen Übernachtungsplatz, sondern auch Strom, Frühstück, Sauna, Dusche und den Eintritt in das Eishotel dazu.

Und dann beginnt der eigentliche Höhepunkt: der Rundgang durch die eiskalten Zimmer.

Jukkasjärvi – dort, wo das Icehotel zu Hause ist

Jukkasjärvi liegt rund 20 Kilometer östlich von Kiruna und damit weit nördlich des Polarkreises. Die Landschaft hier ist typisch für Schwedisch-Lappland: endlose Wälder, Seen, Flüsse und viel Weite.

Der Ort liegt direkt am Torneälven, einem der großen Flüsse Nordschwedens. Genau dieser Fluss spielt für die Geschichte des Icehotels eine entscheidende Rolle.

Denn das Eis für das Hotel kommt aus dem Torneälven. Im Winter gefriert der Fluss und liefert das klare, natürliche Eis, aus dem später Wände, Möbel, Skulpturen und ganze Räume entstehen.

Für uns ist allein diese Vorstellung schon faszinierend. Ein Hotel, das nicht einfach aus Stein und Beton gebaut wird, sondern aus einem Material, das im Frühjahr wieder verschwindet.

Der Eingang des Sommer-Icehotels liegt direkt neben dem Torneälven

Die Geschichte des Icehotel Jukkasjärvi

Die Geschichte des Icehotel beginnt Ende der 1980er-Jahre.

Der Unternehmer Yngve Bergqvist wollte in Jukkasjärvi neue touristische Angebote schaffen. Inspiriert von der japanischen Eisschnitzkunst entstand 1989 eine erste Ausstellung mit Kunstwerken aus Eis.

Einige Jahre später entwickelte sich aus der ungewöhnlichen Idee mehr. In einer großen Eis- und Schneekonstruktion übernachteten die ersten Gäste in warmen Schlafsäcken auf Rentierfellen.

Damit war die Idee des Eishotels geboren.

Seit 1989 wird das ursprüngliche Icehotel jeden Winter neu erschaffen. Wenn die Temperaturen steigen und der Frühling nach Lappland kommt, beginnt das Hotel wieder zu schmelzen. Das Wasser kehrt letztlich in den Torneälven zurück.

Genau dieser Kreislauf macht das Icehotel für uns so einzigartig.

Es ist kein Hotel, das seit Jahrzehnten unverändert an derselben Stelle steht. Vielmehr entsteht jedes Jahr ein neues Kunstwerk.

Die Künstler bekommen die Möglichkeit, ihre eigenen Ideen in Eis und Schnee umzusetzen. Dadurch sieht das Icehotel in jeder Saison anders aus.

Mittlerweile gibt es mit dem ICEHOTEL 365 zusätzlich einen Bereich, der das ganze Jahr über besucht werden kann. Dieser permanente Eiskomplex wurde 2016 eröffnet und wird mithilfe von Solarenergie auch im Sommer auf ungefähr minus fünf Grad gehalten.

Anreise zum Icehotel Jukkasjärvi

Die Anreise nach Jukkasjärvi ist für eine Skandinavienreise mit dem Wohnmobil eigentlich unkompliziert.

Unser Ziel liegt östlich neben der Bergbaustadt Kiruna. Wer von Süden kommt, fährt zunächst durch die endlosen Landschaften Schwedisch-Lapplands in Richtung Kiruna. Von dort ist es nur noch ein kurzes Stück bis Jukkasjärvi.

Gerade mit dem Wohnmobil gefällt uns die Anfahrt. Je weiter wir nach Norden kommen, desto weniger wird der Verkehr und desto stärker bestimmt die Natur das Bild.

Das Icehotel liegt direkt am Torneälven in Jukkasjärvi.

Adresse für das Navigationsgerät:
Marknadsvägen 63, 981 91 Jukkasjärvi, Schweden

Für Wohnmobilfahrer gibt es direkt beim Icehotel einen Stellplatz (auf der anderen Straßenseite) mit Strom. Die Zahl der Plätze ist allerdings begrenzt. Eine klassische Vorabreservierung des Wohnmobilplatzes ist laut Icehotel nicht möglich; der Platz wird vor Ort an der Rezeption gebucht und bezahlt.

Das sollte man bei der Reiseplanung berücksichtigen.

Nächtigen kann man im Icehotel sehr stilecht.

Wohnmobilstellplatz am Icehotel

Für uns ist der Stellplatz direkt am Icehotel natürlich besonders praktisch.

Der Platz ist eher zweckmäßig als ein klassischer Campingplatz. Dafür befindet er sich unmittelbar am eigentlichen Ziel. Vom Wohnmobil bis zum Icehotel sind es nur wenige Schritte.

Aktuell wird außerdem ein attraktives Wohnmobil-Arrangement angeboten.

Das Icehotel-Wohnmobilpaket

Das Paket kostet derzeit 1.045 SEK für zwei Personen.

Enthalten sind:

  • Stellplatz für Wohnmobil oder Wohnwagen (1 Nacht)
  • Strom
  • Frühstücksbuffet
  • Eintritt in das ICEHOTEL 365 an beiden Tagen
  • Toiletten
  • Duschen
  • Sauna

Damit wird aus einem einfachen Stellplatz plötzlich ein ziemlich interessantes Gesamtpaket.

Der reine Stellplatz ist günstiger und wird mit 250 SEK angegeben. Wer aber ohnehin das Icehotel besichtigen möchte, sollte aus unserer Sicht das Komplettpaket genauer anschauen. Der Eintritt für das ICEHOTEL 365 kostet für Tagesbesucher inzwischen allein 325 SEK pro Erwachsenen.

Wichtig: Die Preise können sich ändern. Das Arrangement ist außerdem von der Verfügbarkeit abhängig und muss vor Ort gebucht werden. Für die aktuelle Reiseplanung sollte man deshalb unbedingt die Preise direkt beim Icehotel prüfen.

In der Eingangshalle kann man sich zunächst akklimatisieren.
Wer möchte, kann an der Bar einen kühlen Drink bestellen.

Unser Besuch im Icehotel im Sommer

Wir besuchen das Icehotel im Sommer.

Und genau das fühlt sich zunächst ziemlich surreal an.

Draußen ist es hell. Sehr hell sogar. In den Sommermonaten scheint die Sonne in dieser Region nahezu rund um die Uhr. Die Landschaft ist grün, der Torneälven fließt ruhig durch die Umgebung und von Winter ist weit und breit nichts zu sehen.

Dann gehen wir in Richtung Icehotel 365.

Schon beim Eingang merken wir: Jetzt wird es kalt.

Nicht unangenehm kalt, aber doch so, dass wir froh sind, entsprechend angezogen zu sein. Im Inneren herrschen ungefähr minus fünf Grad Celsius.

Glücklicherweise kann man sich am Eingang isolierende Mäntel kostenlos ausleihen. Warmes Schuhwerk und dicke Socken sind aber sehr zu empfehlen! Auch Handschuhe und Mütze sind angebracht.

Und plötzlich stehen wir mitten im Eis.

Jedes Zimmer hat ein individuelles Thema.
Wer würde hier nicht gerne mal übernachten wollen?

Minus fünf Grad und eine ganz andere Welt

Der erste Eindruck ist schwer zu beschreiben.

Es ist ruhig. Das Licht ist gedämpft und die Eiswände leuchten in verschiedenen Blau- und Weißtönen.

Wir gehen langsam durch die Gänge und schauen uns jedes Zimmer an. Dabei fällt uns auf, dass hier eigentlich kein Raum dem anderen gleicht.

Das Icehotel ist eben nicht einfach ein Hotel mit kalten Zimmern.

Es ist eine Kunstausstellung aus Eis.

Die verschiedenen Suiten werden von Künstlern gestaltet. Wände, Betten, Figuren und Ornamente entstehen direkt aus dem Eis. Manche Räume wirken schlicht und minimalistisch, andere sind unglaublich detailreich.

Und obwohl wir wissen, dass alles aus Eis besteht, sind wir immer wieder überrascht, wie fein die Strukturen gearbeitet sind.

Die Eisskulpturen sind oft surreal.
Hier fühlt man sich wie in London.

Der Rundgang durch die Zimmer

Wir gehen von Raum zu Raum.

Mal stehen wir vor großen Eisfiguren, mal vor kunstvoll gestalteten Wänden. Manche Zimmer erzählen eine kleine Geschichte, andere wirken eher abstrakt.

Genau das macht den Rundgang so interessant: Man weiß nie, was hinter der nächsten Tür wartet.

Besonders beeindruckend finden wir die Beleuchtung.

Das Eis wird nicht einfach hell angestrahlt. Stattdessen sorgt die Beleuchtung dafür, dass die Strukturen der Skulpturen richtig zur Geltung kommen. Das Licht bricht sich im Eis und verändert die Wirkung der Räume ständig.

Je länger wir hinschauen, desto mehr Details entdecken wir.

Das Bett ist dabei immer wieder ein Hingucker. Auf dem Eis liegen Rentierfelle und darüber befindet sich ein spezieller, warmer Schlafsack. Wer tatsächlich in einer solchen Art Suite übernachtet, schläft bei ungefähr minus fünf Grad.

Wir dagegen können unseren Rundgang ganz entspannt genießen und müssen uns keine Gedanken darüber machen, ob wir in dieser Nacht auch wirklich warm genug schlafen würden.

Jedes Zimmer ist eine kleine Kunstgalerie.
Der hat wohl zu lange im Eishotel geschlafen!

Jedes Zimmer ist eine kleine Kunstgalerie

Besonders spannend finden wir den Gedanken, dass die Zimmer nicht einfach nach einem festen Bauplan entstehen.

Jedes Jahr werden neue Kunstwerke geschaffen.

Im aktuellen ICEHOTEL 365 gibt es neun Art Suites und neun Deluxe Suites. Dazu kommen unter anderem die Icebar und der Experience Room.

Die Namen der Räume machen bereits neugierig.

Da gibt es beispielsweise „Wanderlust“, „Toybox“, „Gentle Light“ oder „The Ice are the Window to the Soul“.

Hinter jedem Namen steckt eine eigene Gestaltung.

Wir bleiben immer wieder stehen, gehen ein paar Schritte zurück und betrachten die Räume aus einem anderen Blickwinkel.

Denn bei einer normalen Hotelbesichtigung schaut man vielleicht kurz auf Bett, Schrank und Badezimmer.

Hier gibt es keinen Schrank.

Hier schaut man auf eine Eisskulptur.

Die Deluxe-Suiten sind besonders sehenswert.

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Die Deluxe Suiten

Noch eine Nummer spektakulärer sind die Deluxe Suiten.

Sie kombinieren die Eiskunst mit einem beheizten privaten Bereich. Je nach Suite gibt es dort beispielsweise Dusche, Badewanne oder Sauna.

Die Suite Johka besitzt beispielsweise einen eigenen beheizten Badezimmerbereich mit zwei Regenduschen. Die Jáuvrebietet zusätzlich Badewanne und Sauna.

Das wirkt auf den ersten Blick fast widersprüchlich.

Im Schlafbereich minus fünf Grad.

Daneben ein warmer Wellnessbereich.

Aber genau diese Kombination macht die Übernachtung im Icehotel zu einem Erlebnis, das man nicht mit einem normalen Hotel vergleichen kann.

Die Icebar – natürlich ebenfalls aus Eis

Natürlich gehört zu einem Eishotel auch eine Eisbar.

Auch hier besteht ein großer Teil der Einrichtung aus Eis. Selbst die Gläser passen zum Thema.

Wir machen einen kurzen Stopp und lassen die Atmosphäre auf uns wirken.

Es ist schon etwas Besonderes, mitten im Sommer in Schweden in einer Bar zu stehen, während draußen die Sonne scheint und man drinnen eine Jacke braucht.

Der Icebar-Bereich gehört zum ganzjährigen ICEHOTEL 365. Ebenso wie die Zimmer wird auch dieser Bereich dauerhaft gekühlt.

Einige Zimmer wirken sehr verspielt.

Der Experience Room erzählt die Geschichte

Zum Rundgang gehört außerdem der Experience Room.

Hier geht es weniger um einzelne Hotelsuiten, sondern um die Geschichte des Icehotel.

Eine Zeitlinie zeigt die Entwicklung seit den Anfängen. Dazu kommen erhaltene Kunstwerke und Informationen über die Entstehung des Hotels.

Für uns ist dieser Teil besonders interessant, weil wir dadurch noch einmal verstehen, wie aus einer ungewöhnlichen Kunstausstellung eines der bekanntesten Reiseziele Nordschwedens geworden ist.

Icehotel im Sommer – lohnt sich das?

Für uns eindeutig: Ja.

Natürlich ist der Winter wahrscheinlich die spektakulärste Zeit für eine Reise nach Jukkasjärvi.

Dann liegen Schnee und Eis draußen vor der Tür, die Tage sind kurz und mit etwas Glück tanzen nachts die Polarlichter über dem Icehotel.

Aber der Sommer hat seinen ganz eigenen Reiz.

Wir können unsere Wohnmobilreise mit einem Besuch des Icehotel verbinden und anschließend wieder in die warme, helle Landschaft hinausgehen.

Der Kontrast könnte größer kaum sein.

Draußen Mitternachtssonne und grünes Lappland.

Drinnen minus fünf Grad und glitzerndes Eis.

Genau dieser Gegensatz macht den Besuch für uns so besonders.

Oft hängen sogar Bilder an der Wand.

Unser Fazit zum Icehotel Jukkasjärvi

Das Icehotel Jukkasjärvi ist für uns kein gewöhnliches Hotel und auch keine Sehenswürdigkeit, die man einfach schnell abhakt.

Es ist eine Mischung aus Kunst, Architektur und nordischer Natur.

Besonders beeindruckend finden wir, dass das Eis nicht einfach nur Baumaterial ist. Es ist Teil eines Kreislaufs. Der Torneälven liefert das Eis, Künstler verwandeln es in Kunst und irgendwann kehrt es wieder in den Fluss zurück.

Wer mit dem Wohnmobil durch Nordschweden unterwegs ist, sollte Jukkasjärvi deshalb auf die Reiseroute setzen.

Das Wohnmobil-Arrangement direkt am Icehotel macht den Besuch besonders unkompliziert. Stellplatz, Strom, Frühstück, Sauna, Dusche und Eintritt in das ICEHOTEL 365 sind in einem Paket zusammengefasst.

Und dann steht man plötzlich im Sommer mitten in einem Eispalast.

Für uns ist das eine dieser Reisen, bei denen man schon beim Betreten weiß:

Das werden wir so schnell nicht vergessen.

Wer nach Nordschweden fährt und das Icehotel bisher nur von Bildern kennt, sollte sich die Zeit für einen Besuch nehmen.

Denn Bilder können zeigen, wie spektakulär die Eisskulpturen aussehen.

Aber erst wenn man selbst durch die minus fünf Grad kalten Gänge läuft, merkt man, wie außergewöhnlich dieser Ort wirklich ist.

Matthias

Nordlandverrückt und gerne draußen unterwegs. Hat Spaß am Fotografieren, Wandern, Packrafting und Mountainbiking. Ab 2026 Vollzeit im Reisemobil unterwegs auf der Suche nach mehr Freiheit und mehr Norden.

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