Abisko Nationalpark – Wanderung am wilden Fluss

Abisko Nationalpark – Wanderung am wilden Fluss

Der Abisko Nationalpark gehört für mich zu den beeindruckendsten Landschaften Schwedens. Hier treffen weite Fjälllandschaften, lichte Birkenwälder und der mächtige Torneträsk aufeinander. Besonders eindrucksvoll ist jedoch der Abiskojåkka. Der wilde Fluss hat sich tief in die Landschaft eingeschnitten und rauscht an vielen Stellen mit gewaltiger Kraft durch sein felsiges Flussbett.

Bei unserem Besuch im Sommer haben wir den Abisko Nationalpark von der Abisko Turiststation aus erkundet. Auf einer Rundwanderung ging es entlang der Abiskojåkka, vorbei an den spektakulären Stromschnellen und durch den typischen Fjällwald.

Die Tour ist nicht besonders lang oder schwierig und eignet sich deshalb hervorragend als Wanderung während einer Reise durch Nordschweden. Trotzdem sollte man genügend Zeit einplanen. Denn am Abiskojåkka gibt es einiges zu sehen – und vor allem zu hören.

Die Wanderung beginnt direkt an der Touriststation Abisko neben der E10

Abisko Nationalpark – Natur im hohen Norden Schwedens

Der Abisko Nationalpark liegt im äußersten Norden Schwedens, rund 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Er wurde bereits 1909 gegründet und gehört damit zu den ältesten Nationalparks des Landes.

Auf einer Fläche von rund 7.700 Hektar schützt der Nationalpark eine abwechslungsreiche Fjälllandschaft. Niedrige Birkenwälder wechseln sich mit offenen Bergflächen, Wiesen und alpinen Landschaften ab. Im Hintergrund erheben sich die Berge rund um das Abiskodalen.

Die Region ist allerdings keineswegs erst mit der Gründung des Nationalparks für Menschen interessant geworden. Die Geschichte des Gebietes ist eng mit der samischen Bevölkerung verbunden. Jagd, Fischfang und Rentierhaltung haben hier eine lange Tradition.

Eine wichtige Rolle für die spätere touristische Entwicklung spielte außerdem die Eisenbahn. Die Erzbahn zwischen Kiruna und Narvik führt durch die Region und macht Abisko bis heute ungewöhnlich gut erreichbar.

Für Wanderer ist Abisko vor allem deshalb interessant, weil hier der bekannte Kungsleden beginnt beziehungsweise endet. Die Abisko Turiststation ist einer der wichtigsten Ausgangspunkte für Wanderungen durch das schwedische Fjäll.

Anreise zum Abisko Nationalpark

Wer mit dem Wohnmobil oder Auto unterwegs ist, erreicht den Abisko Nationalpark über die E10. Die Straße führt direkt durch die Region und macht Abisko zu einem unkomplizierten Zwischenstopp auf einer Reise durch Schwedisch-Lappland.

Auch mit der Bahn lässt sich der Nationalpark hervorragend erreichen. Die Bahnstrecke zwischen Kiruna und Narvik führt direkt an Abisko vorbei. Die Abisko Turiststation verfügt über einen eigenen Bahnhof.

Für uns als Camper ist die Anreise über die E10 besonders praktisch. Wer den Nationalpark besuchen möchte, sollte sich an der Beschilderung zur Abisko Turiststation beziehungsweise zum Nationalpark orientieren.

Parkmöglichkeiten gibt es im Bereich der Touriststation und südlich der E10. Der Weg zum Parkplatz südlich der E10 führt unter den Bahngleisen hindurch und ist auf 3,5 Meter Höhe beschränkt. Der Parkplatz am Naturum (nördlich der E10) ist ein sinnvoller Ausgangspunkt für einen kurzen Besuch des Nationalparks. Übernachten im Fahrzeug ist jedoch generell auf beiden Parkplätzen verboten.

Der Kungsleden startet auch direkt an der Touriststation Abisko

Abisko Turiststation – perfekter Ausgangspunkt für die Wanderung

Die Abisko Turiststation ist für viele Besucher der Ausgangspunkt ihrer Wanderungen.

Die Anlage gehört zum schwedischen Wanderverein STF und bietet neben Übernachtungsmöglichkeiten auch Restaurant, Shop und weitere Einrichtungen. Vor allem aber liegt sie strategisch günstig am Eingang des Nationalparks.

Von hier starten verschiedene Wanderwege. Der bekannteste Fernwanderweg ist der Kungsleden, aber auch kürzere Touren lassen sich problemlos unternehmen.

Genau das wollten wir bei unserem Besuch.

Wir wollten keine große mehrtägige Trekkingtour starten, sondern den Abisko Nationalpark bei einer überschaubaren Rundwanderung kennenlernen. Unser Ziel war die Abiskojåkka-Schlucht.

Bevor wir losgelaufen sind, haben wir uns allerdings noch das Naturum angesehen.

Das Naturum Abisko – kleines Museum am Nationalpark

Direkt bei der Abisko Turiststation befindet sich das Naturum Abisko. Für mich ist es mehr als eine reine Informationsstelle. Durch die Ausstellung bekommt man einen guten ersten Eindruck davon, was die Landschaft rund um Abisko so besonders macht.

Das Naturum informiert über die Natur, Tier- und Pflanzenwelt, Geologie und Kulturgeschichte der Region. Auch die Veränderungen des Klimas und deren Auswirkungen auf die empfindliche Fjälllandschaft werden thematisiert.

Das Besucherzentrum ist nicht riesig. Genau das macht den Besuch aber angenehm. Man muss keinen ganzen Nachmittag dafür einplanen. Eine halbe bis eine Stunde reicht gut aus, um sich die Ausstellung in Ruhe anzusehen.

Mir hat besonders gefallen, dass wir anschließend draußen vieles wiedererkannt haben. Die Landschaft wirkt anders, wenn man vorher ein wenig über ihre Entstehung und ihre Bewohner erfahren hat.

Wer zum ersten Mal im Abisko Nationalpark ist, sollte deshalb meiner Meinung nach ruhig einen kurzen Besuch des Naturums einplanen.

Unser Tipp: Erst ins Naturum, dann wandern. So bekommt man einen besseren Bezug zu der Landschaft, durch die man anschließend unterwegs ist.

Schon zu Beginn der Wanderung beeindruckt das weiße Rauschemonster.
Der Ausblick macht Lust auf mehr!

Start der Wanderung am Abiskojåkka

Nach unserem Besuch im Naturum geht es endlich los.

Von der Abisko Turiststation führt der Weg in Richtung Abiskojåkka. Schon bald begleitet uns das Rauschen des Flusses.

Zunächst wirkt die Landschaft noch relativ ruhig. Der niedrige Birkenwald, die offenen Flächen und die Berge vermitteln dieses typische Gefühl, endlich richtig in Lappland angekommen zu sein.

Doch je näher wir der Schlucht kommen, desto lauter wird der Fluss.

Das Wasser der Abiskojåkka hat hier eine enorme Kraft. Es schießt durch das felsige Flussbett, wird an den Felsen aufgewirbelt und stürzt über verschiedene Gefällestufen.

Genau deshalb ist die Abiskojåkka-Schlucht für mich der Höhepunkt dieser Wanderung.

Die Abiskojåkka – ein wilder Fluss

Der Name der Wanderung ist eigentlich schnell erklärt: Es geht immer wieder um den Fluss.

Die Abiskojåkka ist kein stiller Bergbach, an dem man gemütlich die Füße ins Wasser hält. Zumindest nicht an den entsprechenden Abschnitten. Hier zeigt sich der Fluss von seiner wilden Seite.

Die gewaltigen Stromschnellen sind beeindruckend. Das Wasser schäumt zwischen den Felsen und erzeugt ein permanentes Rauschen.

An manchen Stellen bleiben wir einfach stehen und schauen eine Weile zu.

Das Schöne an der Wanderung ist, dass sich der Eindruck des Flusses ständig verändert. Mal verläuft der Weg näher am Wasser, dann führt er wieder durch den Wald. Immer wieder ergeben sich neue Blicke auf die Abiskojåkka.

Gerade deshalb sollte man die Wanderung nicht nur als Strecke betrachten, die möglichst schnell zurückgelegt werden muss.

Hier lohnt es sich, langsam zu gehen.

Der Aussichtspunkt auf die Berge in der Ferne markiert den Wendepunkt der 7km langen Rundtour.

Rundwanderung durch den Fjällwald

Unsere Wanderung führt nicht einfach nur zur Schlucht und auf demselben Weg zurück. Wir entscheiden uns für eine Rundtour durch die Umgebung der Abisko Turiststation.

Die Strecke führt durch den für die Region typischen Birkenwald. Die Bäume sind niedrig und wirken im Vergleich zu unseren heimischen Wäldern fast etwas gedrungen.

Dazwischen öffnet sich die Landschaft immer wieder.

Im Sommer zeigt sich Abisko von seiner besonders schönen Seite. Die Tage sind lang, die Vegetation steht in voller Blüte und das Licht verändert die Landschaft fast ständig.

Auf der Wanderung wechseln sich Waldpassagen und offene Bereiche ab. Der Abiskojåkka bleibt dabei unser ständiger Begleiter.

Immer wieder hören wir den Fluss, bevor wir ihn überhaupt sehen.

Genau diese Mischung macht die Tour für mich so interessant.

Lapp-Porten, die Pforte nach Lappland, erscheint zum Greifen nah!

Wie lang ist die Wanderung am Abiskojåkka?

Die Rundwanderung rund um die Abisko Turiststation und die Abiskojåkka ist ungefähr 7 Kilometer lang. Je nach gewählter Wegvariante und Abstechern kann die tatsächliche Strecke etwas variieren.

Mit rund 80 Höhenmetern hält sich auch der Höhenunterschied in Grenzen.

Damit ist die Wanderung deutlich einfacher als viele große Fjälltouren in der Umgebung. Eine besondere alpine Erfahrung ist nicht erforderlich.

Trotzdem sollte man die Tour nicht mit einem Spaziergang im heimischen Stadtpark vergleichen.

Das Wetter kann sich im hohen Norden schnell ändern. Deshalb gehören feste Schuhe, wetterfeste Kleidung und ausreichend Wasser für mich selbstverständlich in den Rucksack.

Auch an den Stromschnellen ist Vorsicht angebracht. Die Felsen können glatt sein und die Abiskojåkka führt stellenweise sehr schnell fließendes Wasser. Die markierten Wege und Aussichtspunkte sollte man deshalb nicht verlassen.

Alleine die sehenswerte Schlucht macht die Wanderung schon so beeindruckend.

Abisko Nationalpark im Sommer

Unser Besuch im Abisko Nationalpark im Sommer hat einen ganz besonderen Reiz.

Die Sonne verschwindet im Hochsommer kaum vom Himmel. Abisko liegt weit nördlich des Polarkreises und erlebt deshalb die berühmte Mitternachtssonne.

Für Wanderer ist das natürlich fantastisch.

Das nordische Licht verändert die Landschaft und sorgt auch am späten Abend noch für tolle Stimmungen. Gleichzeitig sollte man sich nicht davon täuschen lassen. Nur weil es hell bleibt, ist das Wetter nicht automatisch sommerlich warm.

Auch im Sommer können Wind, Regen und niedrige Temperaturen auftreten.

Wir hatten bei unserem Besuch Glück und konnten die Wanderung bei angenehmen Bedingungen genießen. Besonders schön fand ich die Kombination aus dem satten Grün der Birken, den Bergen im Hintergrund und dem tosenden Wasser der Abiskojåkka.

Das ist für mich Lappland, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Das Wasser in der Schlucht ist mal wild, mal gemütlich fließend.

Die Abiskojåkka-Schlucht als Höhepunkt

Wenn ich nur einen Abschnitt der Wanderung empfehlen dürfte, wäre es eindeutig der Bereich der Abiskojåkka-Schlucht.

Hier zeigt der Nationalpark, was ihn so besonders macht.

Der Fluss hat sich über lange Zeit tief in das Gestein eingeschnitten. Heute zwängt sich die Abiskojåkka durch die Schlucht und verwandelt sich stellenweise in ein wildes, schäumendes Gewässer.

Die Aussichtspunkte ermöglichen es, das Naturschauspiel aus sicherer Entfernung zu beobachten.

Und das sollte man auch tun.

Bei den Stromschnellen geht es nicht darum, möglichst nah ans Wasser zu kommen. Schon aus sicherer Entfernung bekommt man einen sehr guten Eindruck von der Kraft des Flusses.

Für Fotografen ist der Bereich natürlich ebenfalls interessant. Das Wasser bewegt sich ständig, während die umliegende Landschaft vergleichsweise ruhig wirkt.

Diese Formation wirkt wie ein Herz aus Stein - unser Herz haben wir jedenfalls an die Schlucht verloren.

Zurück zur Abisko Turiststation

Nach unserer Runde erreichen wir wieder die Abisko Turiststation.

Jetzt merken wir erst, wie viel wir auf der relativ kurzen Strecke gesehen haben.

Für mich ist genau das die Stärke dieser Wanderung: Man bekommt auf wenigen Kilometern einen erstaunlich abwechslungsreichen Eindruck vom Abisko Nationalpark.

Wir haben den Fluss gesehen, die Schlucht erlebt, sind durch den Birkenwald gewandert und konnten die typische Landschaft des schwedischen Fjälls genießen.

Wer anschließend noch Zeit hat, kann von der Touriststation aus weitere Wanderungen unternehmen. Besonders der Kungsleden bietet Möglichkeiten für längere Touren.

Für unseren Besuch war die Rundwanderung an der Abiskojåkka allerdings genau richtig.

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Mein Fazit: Abisko Nationalpark und Abiskojåkka

Der Abisko Nationalpark hat mich vor allem durch seine Vielseitigkeit beeindruckt.

Man muss keine extreme Bergtour unternehmen, um hier beeindruckende Natur zu erleben. Schon die kurze Rundwanderung von der Abisko Turiststation zur Abiskojåkka zeigt, wie abwechslungsreich die Landschaft im hohen Norden ist.

Mein persönliches Highlight sind eindeutig die Stromschnellen der Abiskojåkka. Das permanente Rauschen des Wassers, die felsige Schlucht und die umliegende Fjälllandschaft ergeben zusammen eine Kulisse, die man so schnell nicht vergisst.

Auch das Naturum würde ich beim Besuch nicht auslassen. Der kleine Einblick in die Natur und Geschichte des Gebietes macht die anschließende Wanderung noch interessanter.

Für alle, die mit dem Wohnmobil oder Camper durch Nordschweden reisen, ist Abisko deshalb ein lohnendes Ziel.

Die Anreise ist unkompliziert, die Wanderung gut machbar und die Landschaft spektakulär.

Wer den Abisko Nationalpark besucht, sollte sich Zeit für die Abiskojåkka nehmen.

Denn spätestens wenn man an den gewaltigen Stromschnellen steht und dem wilden Fluss zusieht, wird klar, warum sich ein Abstecher nach Abisko lohnt.

Matthias

Nordlandverrückt und gerne draußen unterwegs. Hat Spaß am Fotografieren, Wandern, Packrafting und Mountainbiking. Ab 2026 Vollzeit im Reisemobil unterwegs auf der Suche nach mehr Freiheit und mehr Norden.

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