Raspberry Pi als Multimedia-Zentrale im Wohnwagen

Wer mit Kindern reist, der wird wissen: Die lieben Kleinen wollen bespasst werden. Das kann ein kleiner Raspberry hervorragend bewerkstelligen. Diese Variante dient als Multimedia-Server im Wohnwagen, der Fotos, Musik, Videos und Dateien über verschiedene Dienste den angeschlossenen Geräten zur Verfügung stellen kann.

Wir gehen dabei von folgendem Aufbau aus:

  • Der Raspberry Pi wurde über LAN an einen kleinen „Taschenrouter“ angeschlossen, der das Signal über WLAN im Wohni verteilt und als Hotspot für die mobilen Geräte dient.
  • Am RasPi hängt ein aktiver USB-Hub.
  • An dem Hub wird eine externe HDD und eine externe Soundkarte angeschlossen. Die externe Festplatte sollte bereits mit ext4 formatiert sein.
  • Auf die SD-Karte wird erstmal ein frisches System mit der aktuellen Version von Raspbian aufgespielt

Dann gehts los:

sudo raspi-config
  • Expand Filesystem
  • Ländereinstellungen anpassen
  • Über Erweitert -> Hostnamen ändern (ich habe meinen RasPi „raspiserver“ genannt) dem RasPi einen eindeutigen Namen zuordnen
  • Bei den „Advanced Options“ der GUI nur 16MB RAM zuordnen, mehr ist nicht nötig.
  • Mildes Overclocking, ich habe „Modest“ gewählt.

System aktualisieren:

sudo apt-get update && sudo apt-get upgrade -y
sudo rpi-update
  • Den RasPi nach dem Firmware-Update neu starten.

Avahi-Daemon installieren

Um dem RasPi im Netz über seinen Hostnamen erreichen zu können, zunächst den Avahi-Daemon installieren und beim booten automatisch starten lassen:

sudo apt-get install avahi-daemon
sudo update-rc.d avahi-daemon defaults

Ab sofort ist der RasPi auch unter raspiserver.local (falls Ihr den gleichen Hostnamen wie o.a. verwendet habt) zu erreichen.

RPi-Monitor installieren

Um ein paar Infos über den RasPi zu erhalten, habe ich den „RPi-Monitor“ mit folgenden Befehlen installiert:

sudo apt-get install apt-transport-https ca-certificates
sudo apt-key adv --recv-keys --keyserver keyserver.ubuntu.com 2C0D3C0F
sudo wget http://goo.gl/rsel0F -O /etc/apt/sources.list.d/rpimonitor.list
sudo apt-get update
sudo apt-get install rpimonitor

Künftig könnt Ihr über http://raspiserver.local:8888 Infos über den Zustand Eures RasPi erhalten.

Die Website des RPi-Monitors ist hier: https://github.com/XavierBerger/RPi-Monitor-deb/tree/master/packages

Danach die externe Festplatte mounten

Die Einbindung beim Booten erfolgt folgendermassen:
Zunächst mit

sudo blkid

die UUID der Festplatte auslesen.
Dann die /etc/fstab anpassen:

sudo nano /etc/fstab

und folgende Zeile unten anhängen (die UUID natürlich anpassen):

UUID="a46cb789-33c6-4310-8068-77976e12345" /media/Media ext4 defaults 0 0

Nun noch den Ordner auf dem RasPi anlegen, wo die Festplatte gemountet werden soll:

sudo mkdir /media/Media

Nun die Festplatte mounten:

sudo mount -a

Nun wird der Samba-Server installiert:

sudo apt-get install samba samba-common-bin
sudo nano /etc/samba/smb.conf

In der smb.conf wird in der Zeile

# Security = user

die Raute entfernt.

Folgender Block wird am Ende der smb.conf angefügt:

[Mediathek]
path = /media/Media
writeable = yes
guest ok = no

Nun muss ein Samba-Benutzer angelegt werden (kann für weitere Benutzer einfach wiederholt werden:

 sudo smbpasswd -a pi

Nun benötigt der Benutzer pi auch Schreibrechte auf den Media-Ordner:

sudo chown -R pi:pi /media/Media

Anschließend wird Samba neu gestartet

sudo /etc/init.d/samba restart

Ab sofort kann z.B. von einem iPad, iPhone oder einem beliebigen anderen Endgerät über den Samba-Server auf den Inhalt der externen Festplatte zugegriffen werden und der Inhalt gestreamt werden. Ich verwende dazu die iOS-App „FileBrowser“, mit der ich persönlich sehr zufrieden bin. Damit lassen sich sogar über iTunes gekaufte Titel über den Umweg über Safari z.B. auf dem iPad wiedergeben.

MPD-Server auf dem RasPi installieren:

sudo apt-get install mpd mpc alsa-utils
sudo modprobe snd_bcm2835
sudo amixer cset numid=3 1
sudo nano /etc/mpd.conf

In der mpd.conf folgende Zeile auskommentieren:

#bind_to_address

Weiterhin noch in der mpd.conf den Ordner anpassen, in welchem sich die Audio-Dateien auf der externen Festplatte befinden (ziemlich weit oben in der Datei suchen). Dies könnte z.B. der Ordner /media/Media/Audio sein.

Nun muss noch der Output über die externe Soundkarte am aktiven USB-Hub geleitet werden. Hier ist diese YouTube-Anleitung sehr hilfreich.
Für die Steuerung der Audioausgabe verwende ich die iOS-App „MPoD“. So lässt sich einwandfrei im Wohnwagen Musik auf einem über Klinkenstecker an die externe Soundkarte angeschlossenen Lautsprecher Musik wiedergeben.
Alternativ kann eine Steuerung über Webbrowser erfolgen, diese Anleitung gibt nähere Informationen.

miniDLNA-Server installieren:

Viele Fernseher bieten heute die Wiedergabe von Medien z.B. über einen DLNA-Server an. Auch geht dies mit vielen Smartphones. Daher ist es noch nützlich, einen miniDLNA-Server auf dem RasPi laufen zu lassen. Dieser wird folgendermassen installiert:

sudo apt-get install minidlna
sudo nano /etc/minidlna.conf

Nun muss die minidlna.conf angepasst werden. Die wesentlichen Dinge sind innerhalb der Konfigurationsdatei erklärt:

#Präfixe für verschiedene Medientypen 
# * "A" for audio (eg. media_dir=A,/media/Media/music) 
# * "P" for pictures (eg. media_dir=P,/media/Media/pictures) 
# * "V" for video (eg. media_dir=V,/media/Media/videos)
#Pfade zu den entsprechenden Medienordnern media_dir=A,/media/Media/music media_dir=P,/media/Media/pictures media_dir=V,/media/Media/videos

#Pfad zur Mediendatenbank 
db_dir=/var/lib/minidlna

#Pfad zum Error-Log 
log_dir=/var/log

#Error Loglevel 
log_level=error

#IP an der gelauscht werden soll. Kann per 'ifconfig' herausgefunden werden. 
listening_ip=192.168.178.50

#Port, auf dem der MediaServer lauschen soll 
port=8200

#Presäntierungsurl des Mediaservers #81, falls Webserver laufen 
presentation_url=http://192.168.178.50:80

#Anzeigename des Mediaservers 
friendly_name=raspiserver

#Unnötige Seriennummer 
serial=12345678

#Unnötiger Modellname des Mediaservers 
model_name=RaspberryPi

#Unnötige Modellanzeigenummer 
model_number=1

#Automatische Aktualisierung der Datenbank aktivieren (falls neue Dateien hinzukommen oder entfernt werden) 
inotify=yes

#Albumcover Dateinamen. Mit einem "/" getrennt. 
album_art_names=Cover.jpg/cover.jpg/AlbumArtSmall.jpg/albumartsmall.jpg/AlbumArt.jpg/albumart.jpg/Album.jpg/album.jpg/Folder.jpg/folder.jpg/Thumb.jpg/thumb.jpg

#Streaming von .jpg/.mp3 für TiVO Geräte aktivieren. 
enable_tivo=no

#Autoupdateitnervall 
notify_interval=895

Die Ordner, welche bei „media_dir“ angegeben werden, müssen evtl. noch angelegt und mit Rechten versehen werden.

Ordner anlegen

sudo mkdir /media/Media/audio 
sudo mkdir /media/Media/pictures 
sudo mkdir /media/Media/videos

Benutzer setzen

sudo chown -R minidlna:minidlna /var/lib/minidlna

Gruppenschreibrechte setzen, damit wir auch darin schreiben können

sudo chmod -R g+rw /var/lib/minidlna

Uns in die Gruppe minidlna hinzufügen

sudo usermod -aG minidlna pi

Wenn das erledigt ist noch folgenden Code ausführen um die Datenbank upzudaten:

sudo -u minidlna minidlna -R

Nun kann z.B. auf der iOS-App „VNC“ der miniDLNA-Server gefunden und Dateien darüber per Stream abgespielt werden.

Hardware-Watchdog installieren:

Da der RasPi sich – falls er doch mal hängt – selbstständig neu starten soll und wir keine Lust haben, unter die Sitzgruppe zu kriechen und den Stecker zu ziehen, wird ein Watchdog installiert, der den Neustart automatisch für uns übernimmt.

sudo modprobe bcm2708_wdog
echo "bcm2708_wdog" | sudo tee -a /etc/modules
sudo apt-get install watchdog
sudo nano /etc/watchdog.conf

Viele Einstellungen sind auskommentiert. Bitte das # vor diesen beiden Zeilen entfernen:

watchdog-device = /dev/watchdog
max-load-1 = 24

Nun noch den Watchdog starten:

sudo /etc/init.d/watchdog start

So, fertig ist Euer Multimedia-Pi für den Wohnwagen. Zieht fast keinen Strom und reicht für eine Kombination aus Musik abspielen und gleichzeitig Videos gucken prima aus. bei HD-Videos tut sich der Kleine etwas schwer, aber sonst macht er seine Sache richtig gut. Wir haben ihn schon seit Jahren im Einsatz und hatten bisher noch nie einen Defekt – nicht mal eine SD-Karte ging bisher kaputt.

Noch ein Wort zum Schluss: Das Tutorial ist zumeist aus dem Kopf entstanden. Daher sind Fehler durchaus möglich. Wenn es bei Euch irgendwo nicht funktioniert hinterlasst mir gerne einen Kommentar, dann kann ich eventuell weiterhelfen.

2 Antworten

  1. Christian sagt:

    Super Anleitung. Finde ich sehr interessant. Allgemein bin ich schön öfter auf deine Seite gestoßen, die deswegen nun direkt mal in die Favoriten gewandert ist.
    Ich habe vor an unserem Wohni noch einiges zu machen bzw. aufzurüsten und hoffe diese RaspPi Lösung mit einbauen zu können. Grüße vom Starnberger See

    • Matthias sagt:

      Lieber Christian! Freut mich, dass Du hier einiges rausziehen konntest. Laß Dich von eventuellen Rückschlägen mit dem RasPi nicht aus der Ruhe bringen. Gut Ding will Weile haben und es gibt nichts schöneres, als wenns funktioniert wie gewünscht 🙂

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