Das perfekte Portfolio gibt es nicht – aber ein gut diversifiziertes schon
Aktien, ETFs, Rohstoffe und Bitcoin: So kannst Du Dein Portfolio für langfristigen Vermögensaufbau aufstellen
Stell Dir vor, Du sitzt irgendwo in Nordnorwegen vor Deinem Camper, der Kaffee dampft, der nächste Fjord liegt nur wenige Kilometer entfernt – und trotzdem arbeitet Dein Geld weiter für Dich.
Genau darum geht es bei Trading2Travel: Nicht darum, jeden Tag den perfekten Trade zu finden. Sondern darum, ein Vermögen aufzubauen, das langfristig möglichst robust funktioniert und irgendwann einen Teil Deiner finanziellen Freiheit ermöglicht.
Doch spätestens bei der Zusammenstellung des eigenen Depots stellt sich die entscheidende Frage:
Wie diversifiziere ich mein Portfolio richtig?
Reicht ein MSCI World ETF? Soll ich zusätzlich Einzelaktien kaufen? Wie viele ETFs brauche ich überhaupt? Gehören Gold, andere Rohstoffe oder Bitcoin ins Depot? Und was bedeutet eigentlich „Beta“?
Die gute Nachricht: Ein gutes Portfolio muss weder kompliziert noch riesig sein.
Die Kunst besteht vielmehr darin, Anlagen miteinander zu kombinieren, die unterschiedliche Risiken und möglichst unterschiedliche Kursverläufe besitzen.
1. Diversifikation bedeutet mehr als „viele Aktien kaufen“
Der klassische Anfängerfehler lautet:
„Ich habe 20 Aktien im Depot – also bin ich gut diversifiziert.“
Nicht unbedingt.
Wenn Du beispielsweise zehn Technologieunternehmen besitzt, hast Du zwar zehn verschiedene Aktien, aber möglicherweise nur eine große Wette auf Technologie, Wachstum und sinkende Zinsen.
Fallen Technologiewerte aufgrund steigender Zinsen, kann Dein gesamtes Depot gleichzeitig unter Druck geraten.
Echte Diversifikation bedeutet deshalb, mehrere Ebenen zu betrachten:
- verschiedene Unternehmen
- verschiedene Branchen
- verschiedene Länder und Regionen
- verschiedene Unternehmensgrößen
- verschiedene Anlageklassen
- unterschiedliche Risikoprofile
- möglichst geringe Abhängigkeit von einzelnen wirtschaftlichen Faktoren
Ein ETF auf einen breit gestreuten Weltindex kann dabei bereits eine enorme Diversifikation liefern. Genau das ist einer der großen Vorteile von ETFs: Mit einem einzigen Produkt können Anleger an vielen Unternehmen und Märkten beteiligt sein. Die Deutsche Bundesbank hebt neben der Diversifikation insbesondere Kosten und einen einfachen, langfristigen Ansatz als wichtige Punkte hervor.
Aber: Mehr Produkte bedeuten nicht automatisch mehr Diversifikation.
Drei ETFs können beispielsweise zu 80 Prozent aus denselben US-Großunternehmen bestehen.
Dann besitzt Du drei Wertpapiere – aber wirtschaftlich möglicherweise fast dieselbe Wette.
2. Der Kern des Portfolios: ETFs
Für den langfristigen Vermögensaufbau würde ich persönlich zwischen einem Kern und verschiedenen Satelliten unterscheiden.
Der Kern soll möglichst einfach, breit diversifiziert und langfristig investierbar sein.
Ein globaler Aktien-ETF kann diese Funktion übernehmen.
Dabei sind beispielsweise folgende Kriterien interessant:
Was macht einen guten ETF aus?
1. Breite Diversifikation
Wie viele Unternehmen befinden sich tatsächlich im Index?
Ein ETF mit 1.500 Unternehmen ist grundsätzlich anders diversifiziert als ein ETF mit 30 Unternehmen.
2. Globale Streuung
Investiert der ETF nur in ein Land oder eine Region oder weltweit?
Ein Europa-ETF kann sinnvoll sein – als alleiniger Kern eines langfristigen Portfolios ist er aber deutlich konzentrierter als ein globaler Ansatz.
3. Kosten
Die laufenden Kosten, häufig als TER angegeben, sollten berücksichtigt werden.
Bei einem langfristigen Investment wirken sich selbst kleine Kostenunterschiede über Jahrzehnte aus. Schon 0,1% Kostenunterschied machen über Jahrzehnte einen riesigen Unterschied!
4. Fondsvolumen und Liquidität
Ein ausreichend großer und etablierter ETF kann Vorteile bei Handelbarkeit und Produktauswahl bieten. Generell gilt: Je größer, desto besser.
5. Replikationsmethode
Physische und synthetische ETFs funktionieren unterschiedlich. Das sollte man verstehen, bevor man investiert. Wenn möglich, hier physische ETFs bevorzugen.
6. Ausschüttend oder thesaurierend
Für den langfristigen Vermögensaufbau kann ein thesaurierender ETF interessant sein, weil Erträge automatisch wieder angelegt werden.
7. Tracking Difference
Nicht nur die TER zählt.
Entscheidend ist letztlich, wie gut der ETF seinen zugrunde liegenden Index tatsächlich abbildet.
3. Aktien: Der ETF ist der Kern – Einzelaktien können die Satelliten sein
Warum überhaupt Einzelaktien kaufen, wenn ein ETF bereits hunderte oder tausende Unternehmen enthält?
Weil Einzelaktien eine Möglichkeit bieten, gezielt Schwerpunkte zu setzen.
Wer beispielsweise ein Unternehmen für besonders attraktiv hält, kann dieses Unternehmen im Depot übergewichten.
Genau hier beginnt allerdings auch das zusätzliche Risiko.
Ein ETF verteilt das Unternehmensrisiko auf viele Firmen.
Bei einer Einzelaktie kann eine einzige Gewinnwarnung, ein Managementfehler, ein regulatorischer Eingriff oder ein technologischer Wandel enorme Auswirkungen haben.
Deshalb würde ich langfristig nicht versuchen, den ETF durch ein riesiges Einzelaktiendepot zu ersetzen.
Eine mögliche Struktur könnte beispielsweise so aussehen:
- 70–80 % ETFs als Kern
- 15–25 % Einzelaktien als Satelliten
- 5–10 % alternative Anlagen
Das ist selbstverständlich keine allgemeingültige Empfehlung, sondern lediglich ein Beispiel für einen langfristig orientierten Anleger mit hoher Risikotoleranz.
Wer es möglichst einfach halten möchte, kann auch 100 % des Aktienanteils über wenige breit gestreute ETFs abdecken.
4. Wie finde ich gute Einzelaktien?
Bei Einzelaktien würde ich mich niemals nur auf einen niedrigen Aktienkurs oder eine hohe Dividendenrendite konzentrieren.
Interessanter ist die Qualität des gesamten Unternehmens.
Ein möglicher Kriterienkatalog:
Umsatzwachstum
Steigt der Umsatz langfristig?
Noch wichtiger:
Warum steigt er?
Organisches Wachstum ist etwas anderes als Wachstum durch Übernahmen.
Gewinnentwicklung
Steigen Gewinne und Cashflow ebenfalls?
Ein Unternehmen kann seinen Umsatz massiv steigern und trotzdem kaum Geld verdienen.
Free Cashflow
Wie viel Geld bleibt nach den notwendigen Investitionen tatsächlich übrig?
Verschuldung
Wie hoch ist die Verschuldung im Verhältnis zur Ertragskraft?
Ein Unternehmen mit hoher Verschuldung kann bei steigenden Zinsen deutlich stärker unter Druck geraten.
Margen
Wie profitabel arbeitet das Unternehmen?
Und vor allem:
Sind die Margen stabil oder sogar steigend?
Wettbewerbsvorteile
Besitzt das Unternehmen einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil (Burggraben)?
Zum Beispiel:
- starke Marke
- Netzwerkeffekte
- Patente
- hohe Wechselkosten
- Skaleneffekte
- starke Marktposition
Management
Wie geht das Management mit dem Kapital der Aktionäre um?
Bewertung
Auch ein hervorragendes Unternehmen kann eine schlechte Investition sein, wenn der Preis völlig überzogen ist.
Deshalb sollten Kennzahlen wie
- KGV
- KUV
- EV/EBIT
- Free-Cashflow-Rendite
- PEG
nicht isoliert betrachtet werden.
Die entscheidende Frage lautet:
Was bekomme ich für den Preis, den ich heute bezahle?
5. Aktien oder ETF – wie sollte die Gewichtung aussehen?
Hier gibt es keine magische Prozentzahl.
Die richtige Gewichtung hängt unter anderem ab von:
- Anlagehorizont
- Einkommen
- finanzieller Reserve
- Risikotoleranz
- Alter
- Vermögenssituation
- persönlichen Zielen
- psychologischer Belastbarkeit
Ein 30-jähriger Anleger mit stabilem Einkommen und 30 Jahren Anlagehorizont kann einen hohen Aktienanteil möglicherweise besser verkraften als jemand, der in drei Jahren auf sein Depot angewiesen ist.
Ein Beispiel für einen offensiv ausgerichteten langfristigen Anleger könnte sein:
| Anlageklasse | Beispielgewichtung |
|---|---|
| Globale ETFs | 70 % |
| Einzelaktien | 20 % |
| Rohstoffe/Gold | 5 % |
| Bitcoin | 5 % |
Damit liegen 90 % des Portfolios im Aktienbereich, während Rohstoffe und Bitcoin lediglich Beimischungen darstellen.
Eine etwas defensivere Variante könnte beispielsweise so aussehen:
| Anlageklasse | Beispielgewichtung |
|---|---|
| Globale ETFs | 60 % |
| Einzelaktien | 15 % |
| Anleihen/Cash | 15 % |
| Rohstoffe/Gold | 7 % |
| Bitcoin | 3 % |
Der entscheidende Punkt ist:
Nicht die Prozentzahl ist universell richtig – sondern dass Du eine Gewichtung wählst, die Du auch während eines heftigen Börsencrashs durchhalten kannst.
Denn das beste Portfolio nützt Dir nichts, wenn Du bei minus 30 oder 40 Prozent panisch verkaufst.
6. Welche Rolle spielen Rohstoffe?
Rohstoffe sind eine interessante Anlageklasse, weil ihre Wertentwicklung von anderen Faktoren abhängig sein kann als die klassischer Aktien.
Dazu gehören beispielsweise:
- Gold
- Silber
- Öl
- Erdgas
- Industriemetalle
- Agrarrohstoffe
Gerade Gold wird häufig als eine Art Krisen- oder Inflationsschutz betrachtet.
Aber auch hier gilt:
Gold ist kein Ersatz für produktive Unternehmen.
Gold erwirtschaftet keinen Gewinn und keinen Cashflow.
Aktien repräsentieren dagegen Beteiligungen an Unternehmen, die Produkte verkaufen, Dienstleistungen anbieten und Gewinne erwirtschaften können.
Rohstoffe können deshalb eher eine ergänzende Funktion übernehmen.
Für ein langfristiges Wachstumsportfolio könnte beispielsweise eine kleine Rohstoff-/Goldposition von etwa 5–10 Prozent als Beimischung diskutiert werden.
Wichtig ist auch hier die Diversifikation: Ein einzelner Rohstoff ist etwas völlig anderes als ein breit diversifiziertes Rohstoffinvestment. Auch regulatorische Anforderungen an diversifizierte Indizes zeigen, dass eine ausreichende Streuung bei Rohstoffindizes eine wichtige Rolle spielt.
7. Und was ist mit Bitcoin?
Jetzt wird es interessant.
Bitcoin ist keine klassische Aktie, kein Unternehmen und auch kein Rohstoff im klassischen Sinn.
Bitcoin besitzt deshalb eine völlig andere Risikocharakteristik.
Die möglichen Vorteile:
- begrenztes Angebot
- unabhängig von einzelnen Unternehmen
- global handelbar
- hohe Liquidität
- potenziell hohe langfristige Wertentwicklung
Dem stehen erhebliche Risiken gegenüber:
- extreme Kursschwankungen
- hohe Drawdowns
- regulatorische Risiken
- technologische Risiken
- keine laufenden Cashflows
- starke Abhängigkeit von Marktstimmung und Liquidität
Deshalb würde ich Bitcoin bei einem klassischen langfristigen Vermögensaufbau nicht zum Kern des Portfolios machen.
Eine kleine Beimischung kann für Anleger mit hoher Risikotoleranz trotzdem interessant sein.
Zum Beispiel:
2–5 % Bitcoin
Dann kann Bitcoin bei einer starken Kurssteigerung einen positiven Beitrag leisten, ohne dass ein massiver Bitcoin-Crash automatisch das gesamte Vermögen zerstört.
8. Was bedeutet eigentlich Beta?
Der Begriff Beta klingt komplizierter, als er ist.
Beta beschreibt vereinfacht gesagt, wie stark sich eine Aktie im Verhältnis zum Gesamtmarkt bewegt.
Der Markt wird dabei häufig mit einem Beta von 1,0 angesetzt.
Beispiel:
Beta = 1,0
Bewegt sich der Markt theoretisch um 10 Prozent nach oben, würde sich die Aktie im Durchschnitt ähnlich stark bewegen.
Beta = 1,5
Die Aktie reagiert stärker.
Steigt der Markt um 10 Prozent, könnte die Aktie theoretisch etwa 15 Prozent steigen.
Fällt der Markt um 10 Prozent, könnte sie entsprechend etwa 15 Prozent fallen.
Beta = 0,5
Die Aktie reagiert weniger stark auf Bewegungen des Gesamtmarktes.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass sie sicher ist.
Beta ist eine statistische Kennzahl aus historischen Kursbewegungen und keine Garantie für die Zukunft.
9. Beta allein reicht nicht
Jetzt kommt der entscheidende Punkt:
Du solltest ein Portfolio nicht einfach aus Aktien mit möglichst niedrigem Beta zusammenstellen.
Warum?
Weil Beta lediglich die Beziehung zu einem bestimmten Markt beschreibt.
Eine Aktie kann ein niedriges Beta haben und trotzdem erhebliche Risiken besitzen.
Beispielsweise durch:
- hohe Verschuldung
- politische Risiken
- Geschäftsmodellrisiken
- geringe Liquidität
- starke Abhängigkeit von einem einzelnen Kunden
- regulatorische Risiken
Beta ist deshalb ein Werkzeug – aber kein Qualitätssiegel.
10. Die wichtigste Kennzahl für Diversifikation: Korrelation
Wenn Du wirklich herausfinden möchtest, welche Anlagen gut zusammenpassen, wird die Korrelation interessant.
Die Korrelation beschreibt vereinfacht:
Wie ähnlich bewegen sich zwei Anlagen?
Sie reicht theoretisch von -1 bis +1.
+1
Beide Anlagen bewegen sich perfekt gleich.
0
Kein systematischer Zusammenhang.
-1
Sie bewegen sich perfekt entgegengesetzt.
In der Realität sind perfekte Werte extrem selten.
Für die Portfoliokonstruktion ist aber schon eine einfache Erkenntnis enorm wertvoll:
Zwei Anlagen mit geringer Korrelation können zusammen ein stabileres Portfolio ergeben als zwei Anlagen, die sich nahezu identisch bewegen.
11. Ein Beispiel: Drei ETFs sind nicht automatisch drei verschiedene Anlagen
Nehmen wir an, Du besitzt:
- MSCI World ETF
- S&P-500 ETF
- Nasdaq-100 ETF
Auf den ersten Blick sieht das nach drei verschiedenen ETFs aus.
Aber was steckt dahinter?
Viele große US-Unternehmen tauchen in mehreren dieser Indizes auf.
Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon, Alphabet und andere große Unternehmen können dadurch indirekt mehrfach im Depot vertreten sein.
Du hast dann möglicherweise nicht drei unabhängige Investments.
Du hast teilweise eine Mehrfachgewichtung derselben Unternehmen und desselben Marktes.
Das ist einer der häufigsten Fehler bei der ETF-Diversifikation.
12. So findest Du Produkte mit möglichst unterschiedlichen Bewegungen
Bevor Du ein neues Produkt kaufst, solltest Du nicht nur fragen:
„Ist das ein gutes Investment?“
Sondern zusätzlich:
„Was habe ich davon, wenn ich es bereits mit meinen anderen Investments kombiniere?“
Ein sinnvoller Check könnte so aussehen:
Schritt 1: Bestandteile anschauen
Welche Unternehmen besitzt der ETF?
Schritt 2: Ländergewichtung prüfen
Wie viel USA, Europa, Japan, Schwellenländer usw. stecken darin?
Schritt 3: Branchengewichtung prüfen
Ist der ETF stark technologie-, energie- oder finanzlastig?
Schritt 4: Überschneidungen prüfen
Welche Unternehmen befinden sich bereits in Deinem Depot?
Schritt 5: Risikofaktoren identifizieren
Wovon hängt die Wertentwicklung ab?
- Zinsen?
- Wirtschaftswachstum?
- Rohstoffpreise?
- Inflation?
- Dollar?
- Konsum?
- Technologie?
- geopolitische Faktoren?
Schritt 6: Korrelation betrachten
Wie hat sich das Produkt historisch gegenüber Deinen bisherigen Anlagen bewegt?
Hierbei sollte man allerdings vorsichtig sein:
Historische Korrelationen sind keine Garantie dafür, dass sich Anlagen in der nächsten Krise genauso verhalten.
In Stressphasen können Korrelationen plötzlich deutlich ansteigen.
13. Ein mögliches Trading2Travel-Portfolio
Wie könnte ein einfaches langfristiges Depot aussehen?
Nicht als Anlageempfehlung, sondern als Beispiel für die Konstruktion:
🟢 70 % Welt-ETF
Der Kern des Portfolios.
Breit gestreut über zahlreiche Unternehmen und Länder.
🔵 15 % ausgewählte Qualitätsaktien
Unternehmen, von denen Du langfristig besonders überzeugt bist.
Hier kann beispielsweise auf Wachstum, Cashflow, Verschuldung, Wettbewerbsvorteile und Bewertung geachtet werden.
🟠 5 % ergänzende Aktienstrategie
Zum Beispiel Small Caps, Emerging Markets oder ein anderer Bereich, der im Kernportfolio unterrepräsentiert ist.
🟡 5 % Gold/Rohstoffe
Als zusätzliche Anlageklasse mit anderen Einflussfaktoren.
🟣 5 % Bitcoin
Als spekulativere Beimischung mit entsprechend hoher Volatilität.
Damit entsteht ein Portfolio, bei dem nicht jede Position dieselbe Aufgabe erfüllt.
14. Das Depot sollte eine klare Rollenverteilung haben
Das ist vielleicht der wichtigste Gedanke dieses gesamten Artikels.
Jede Position sollte einen Grund haben.
Nicht:
„Ich kaufe diese Aktie, weil sie gerade gefallen ist.“
Sondern:
„Diese Position erfüllt in meinem Portfolio eine bestimmte Funktion.“
Zum Beispiel:
Welt-ETF:
Breites langfristiges Wachstum.
Qualitätsaktien:
Gezielte Übergewichtung überzeugender Unternehmen.
Small Caps/Emerging Markets:
Zusätzliche Diversifikation und Renditechancen.
Gold/Rohstoffe:
Andere Einflussfaktoren und mögliche Krisen-/Inflationskomponente.
Bitcoin:
Spekulative asymmetrische Beimischung mit begrenzter Positionsgröße.
Cash/Anleihen:
Liquiditätsreserve und Stabilisierung.
So wird aus einer Sammlung von Wertpapieren ein Portfolio.
15. Rebalancing: Das vergessene Werkzeug
Angenommen, Du startest mit:
- 70 % ETF
- 15 % Aktien
- 5 % Rohstoffe
- 5 % Bitcoin
- 5 % Cash
Dann steigt Bitcoin innerhalb weniger Jahre massiv.
Plötzlich macht Bitcoin nicht mehr 5 %, sondern vielleicht 15 % Deines Gesamtvermögens aus.
Was machst Du?
Genau hier kommt Rebalancing ins Spiel.
Du definierst vorher Zielquoten und überprüfst regelmäßig, ob diese noch eingehalten werden.
Dabei kann man beispielsweise einmal jährlich prüfen:
Liegen meine Positionen noch innerhalb meiner festgelegten Bandbreiten?
Statt ständig zu handeln, wird das Portfolio damit wieder auf seine ursprüngliche Risikostruktur zurückgeführt.
Das kann auch psychologisch helfen:
Du musst nicht jedes Mal neu überlegen, ob Du kaufen oder verkaufen möchtest.
Du folgst Deinem vorher festgelegten Plan.
16. Die größte Diversifikation sitzt zwischen den Ohren
Ein hervorragend diversifiziertes Depot bringt wenig, wenn Du bei jedem Börsencrash Deine Strategie änderst.
Der größte Fehler vieler Anleger ist nicht die falsche ETF-Auswahl.
Es ist:
- zu häufiges Handeln.
- FOMO.
- Panikverkäufe.
- ständiger Strategiewechsel.
- Kaufen, wenn alle euphorisch sind.
- Verkaufen, wenn alle Angst haben.
Ein langfristiger Vermögensaufbau braucht deshalb nicht nur ein gutes Portfolio.
Er braucht vor allem einen Plan, den Du auch in schwierigen Marktphasen einhalten kannst.
17. Mein persönlicher Grundsatz für Trading2Travel
Für mich sollte ein langfristiges Portfolio drei Eigenschaften besitzen:
1. Es muss wachsen können.
Deshalb bilden Aktien und breit gestreute ETFs den Kern.
2. Es muss Krisen aushalten können.
Deshalb können unterschiedliche Anlageklassen und Risikofaktoren sinnvoll sein.
3. Es muss so einfach sein, dass man es langfristig durchhält.
Denn was bringt das theoretisch perfekte Portfolio, wenn man es ständig verändert?
Fazit: Diversifikation ist kein Sammeln von Wertpapieren
Ein gutes Portfolio besteht nicht aus möglichst vielen ETFs und Aktien.
Es besteht aus möglichst unterschiedlichen Risiken.
Der wichtigste Baustein für langfristigen Vermögensaufbau kann dabei ein breit diversifizierter Aktien-ETF sein. Einzelaktien können als Satelliten eingesetzt werden, wenn man bereit ist, sich intensiver mit Unternehmen und Bewertungen auseinanderzusetzen.
Rohstoffe und Gold können zusätzliche Diversifikation liefern.
Bitcoin kann eine kleine, spekulative Beimischung sein – sollte aufgrund seiner hohen Schwankungen aber nicht mit dem defensiven Teil eines Portfolios verwechselt werden.
Und Beta?
Beta hilft Dir zu verstehen, wie stark eine Aktie historisch auf Bewegungen des Gesamtmarktes reagiert.
Für die eigentliche Diversifikation ist aber die Korrelation verschiedener Anlagen mindestens genauso interessant.
Am Ende geht es also nicht darum, möglichst viele Produkte zu besitzen.
Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen:
- Was besitze ich?
- Warum besitze ich es?
- Welches Risiko gehe ich damit ein?
- Welche Funktion hat die Position in meinem Portfolio?
- Und was passiert mit meinem Depot, wenn die Börse morgen 30 Prozent fällt?
Wenn Du diese Fragen beantworten kannst, bist Du schon deutlich weiter als viele Anleger.
Und dann kannst Du irgendwann tatsächlich dort sitzen, wo wir mit Trading2Travel hinwollen:
Laptop auf dem Tisch, Kaffee daneben, Fjord vor der Tür – und Dein langfristiger Vermögensaufbau läuft weiter.
Hinweis
Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine individuelle Anlage-, Finanz- oder Steuerberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf bestimmter Wertpapiere oder Kryptowährungen dar. Anlageentscheidungen sollten immer zur persönlichen finanziellen Situation, zum Anlagehorizont und zur eigenen Risikotoleranz passen. Historische Wertentwicklungen und Kennzahlen wie Beta oder Korrelation sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.

