Manche Straßen in Norwegen sind weit mehr als nur eine Verbindung zwischen zwei Orten. Die Fv890 von Tana bru nach Berlevåg gehört für uns eindeutig dazu. Auf dem Weg in den äußersten Norden der Varanger-Halbinsel verändert sich die Landschaft immer wieder: Wälder und Flusstäler verschwinden, die Vegetation wird niedriger und schließlich führt die Straße durch eine weite Fjelllandschaft hinunter zum Kongsfjord und weiter unmittelbar an der Barentssee entlang.
Wir sind die Strecke im Sommer 2026 mit unserem Wohnmobil gefahren und würden für die Fahrt deutlich mehr Zeit einplanen, als die reine Entfernung vermuten lässt. Nicht einzelne Sehenswürdigkeiten machen diese Route besonders, sondern die Landschaft selbst. Dazu kamen bei uns ein riesiges Feld voller Moltebeeren, unsere Wanderung zur ehemaligen Kongsfjord-Batterie, ein wunderschöner Übernachtungsplatz und schließlich ein Abend unter der Mitternachtssonne am Kjølnes fyr bei Berlevåg.
Von Tana bru Richtung Norden
Unsere Fahrt beginnt in Tana bru, wo sich mehrere wichtige Straßen durch die östliche Finnmark treffen. Wir verlassen den Ort auf der Fv890 Richtung Berlevåg und fahren damit immer weiter auf die Varanger-Halbinsel hinein.
Anfangs unterscheidet sich die Landschaft noch deutlich von dem, was uns später erwartet. Flüsse, Seen und niedrige Vegetation begleiten die Straße. Je weiter wir nach Norden kommen, desto mehr verändert sich die Umgebung. Die Bäume verschwinden zunehmend und die Landschaft öffnet sich.
Genau dieser langsame Übergang macht für uns einen Teil des Reizes aus. Berlevåg taucht nicht plötzlich hinter der nächsten Kurve auf. Die Straße führt Dich über viele Kilometer Schritt für Schritt in eine immer kargere und einsamere Landschaft.
Durch die Weite der Varanger-Halbinsel
Spätestens im Fjell beginnt für uns der spektakulärste Teil der Fahrt. Die Landschaft wird weit und nahezu menschenleer. Niedrige Vegetation, Felsen, kleine Seen und große offene Flächen bestimmen das Bild, während sich die Fv890 durch die Tundra zieht.
Hohe, dramatische Berge wie auf den Lofoten brauchst Du hier nicht zu erwarten. Die Wirkung entsteht vielmehr durch die enorme Weite. An vielen Stellen kannst Du der Straße weit durch die Landschaft folgen und hast das Gefühl, mitten durch eine nahezu unbewohnte Region zu fahren.
Gerade deshalb würden wir diese Strecke nicht einfach möglichst schnell hinter uns bringen. Immer wieder lohnt es sich, an einer geeigneten Stelle anzuhalten, auszusteigen und die Stille auf sich wirken zu lassen.
Ein riesiges Feld voller Moltebeeren
Einen unserer unerwartetsten Stopps machten wir ungefähr bei 70.537072, 29.078142. Direkt neben der Straße entdeckten wir ein riesiges Feld mit Moltebeeren.
Die orangefarbenen Beeren gehören für uns inzwischen untrennbar zu Reisen durch den hohen Norden. Sie wachsen bevorzugt auf Moor- und Feuchtflächen und kommen in den nordischen Regionen häufig vor. Reife Moltebeeren erkennst Du an ihrer orange-goldenen Farbe.
An dieser Stelle standen sie direkt neben der Straße in einer Menge, wie wir sie nicht oft gesehen haben. Gerade solche ungeplanten Entdeckungen sind für uns einer der Gründe, warum wir auf unseren Reisen lieber genügend Zeit für eine Strecke einplanen.
Koordinaten unseres Moltebeeren-Feldes:70.537072, 29.078142
Natürlich solltest Du beim Pflücken Rücksicht auf die Natur nehmen und Dich vorher über mögliche lokale Einschränkungen informieren. Vor allem unreife Beeren solltest Du stehen lassen.
Über das Kongsfjordfjellet
Weiter nördlich führt die Fv890 über das Kongsfjordfjellet. Hier erreicht die Fahrt für uns noch einmal einen völlig anderen Charakter. Die offene Fjelllandschaft wirkt rau und karg, selbst im Sommer können Schneefelder lange erhalten bleiben.
Auch geologisch ist dieser Bereich interessant. Die Varanger-Halbinsel besitzt eine außergewöhnlich alte und vielfältige Geologie, die entlang der Straßen an vielen Stellen unmittelbar sichtbar wird. Rund um den Kongsfjord durchschneidet die Fv890 stark gefaltete Gesteinsschichten, während sich die Landschaft langsam wieder zur Küste hin öffnet.
Dann taucht irgendwann der Kongsfjord auf – und damit verändert sich die Fahrt erneut.
Kongsfjord und die Barentssee
Nach der weiten Fjelllandschaft erreichen wir die Küste. Die Straße folgt nun dem Kongsfjord und führt schließlich hinaus an die offene Barentssee.
Für uns gehört dieser Abschnitt zu den schönsten Teilen der gesamten Fahrt. Kleine Buchten, felsige Küstenabschnitte und das offene Meer wechseln sich ab. Die Straße bleibt dabei vergleichsweise einsam und folgt über weite Strecken unmittelbar der Küstenlandschaft.
Spätestens hier fühlt sich die Fahrt tatsächlich nach äußerstem Norden an. Vor uns liegt Berlevåg, rechts begleitet uns die Barentssee und hinter uns verschwindet langsam die weite Fjelllandschaft.
Unsere Wanderung zur Kongsfjord Batteri
Direkt an dieser Strecke liegt auch der Ausgangspunkt zu einem historischen Ort, den wir im Sommer 2026 besucht haben. Auf der Halbinsel Veinesodden bei Kongsfjord befinden sich die Überreste der ehemaligen deutschen Küstenbatterie HKB 4/448 Kongsfjord.
Die Anlage erreichst Du nicht direkt mit dem Fahrzeug. Von Veines führt eine Wanderung hinaus auf die Landzunge. Unterwegs kommst Du an alten militärischen Stellungen, einer Vogelbeobachtungshütte und schließlich den Überresten der Küstenbatterie vorbei. Besonders ungewöhnlich ist ein alter französischer Renault-FT-Panzer, der dort noch immer im Gelände liegt.
Für uns passt die Wanderung hervorragend in die Fahrt nach Berlevåg. Du unterbrichst den Roadtrip für einige Stunden und lernst dabei gleichzeitig die Küstenlandschaft rund um Kongsfjord zu Fuß kennen.
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Ganz im Norden Norwegens, nur wenige Kilometer vor Berlevåg, liegt mit der HKB 4/448 Kongsfjord ein außergewöhnlicher Ort. Auf der...
Entlang der Küste nach Berlevåg
Hinter Kongsfjord bleibt die Fv890 der Küste treu. Das offene Meer ist jetzt immer wieder zu sehen und die Landschaft wirkt noch einmal rauer als im Fjell.
Gerade bei gutem Wetter ist dieser Abschnitt für uns ein Genuss. Wir fahren durch eine nahezu baumlose Landschaft, passieren kleine Buchten und sehen immer wieder hinaus auf die Barentssee. Gleichzeitig erinnern die wenigen Häuser und die großen Entfernungen daran, wie dünn dieser Teil Norwegens besiedelt ist.
Die Fahrt ist für uns deshalb kein klassischer Roadtrip, bei dem alle paar Kilometer die nächste ausgeschilderte Sehenswürdigkeit wartet. Die Landschaft ist hier die Sehenswürdigkeit. Genau das macht die Strecke so besonders.
Unser Übernachtungsplatz an der Strecke
Einen besonders schönen Platz für die Nacht fanden wir bei 70.783853, 29.377643. Für uns war das im Sommer 2026 ein idealer Ort, um die Fahrt zu unterbrechen und die Umgebung in Ruhe zu genießen.
Gerade in dieser Landschaft brauchen wir keinen Campingplatz mit umfangreicher Ausstattung. Ein schöner Platz, Aussicht und genügend Ruhe sind uns häufig wichtiger. Hier passte für uns alles zusammen.
Koordinaten unseres Übernachtungsplatzes:70.783853, 29.377643
Wie immer bei solchen Plätzen gilt: Unsere Angabe beschreibt die Situation bei unserem Besuch im Sommer 2026. Beschilderung, lokale Regelungen und die tatsächliche Nutzbarkeit können sich ändern. Prüfe deshalb vor einer Übernachtung immer die aktuelle Situation vor Ort.
Kjølnes fyr vor Berlevåg
Kurz bevor Du Berlevåg erreichst, lohnt sich noch ein Abstecher zum Kjølnes fyr. Der Leuchtturm steht rund sechs Kilometer östlich von Berlevåg auf einer flachen Landzunge unmittelbar an der Barentssee und ist von der Fv890 einfach zu erreichen.
Die Geschichte des Leuchtfeuers reicht bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts zurück. 1916 wurde hier eine richtige Leuchtturmstation eingerichtet. Die damalige Anlage wurde während des deutschen Rückzugs aus der Finnmark 1944 zerstört. Nach dem Krieg entstand die Station neu; der heutige 22 Meter hohe Betonturm wurde 1949 fertiggestellt. Inzwischen arbeitet der Leuchtturm automatisch und die Anlage steht unter Denkmalschutz.
Für uns war allerdings weniger die Geschichte der Grund für den Besuch. Wir wollten hier die Mitternachtssonne erleben.
Mitternachtssonne an der Barentssee
Die Lage rund um Kjølnes fyr ist dafür nahezu perfekt. Vor Dir liegt die offene Barentssee und im Sommer verschwindet die Sonne in dieser nördlichen Lage über Wochen nicht unter dem Horizont.
Wir verbrachten einen Teil der Nacht in der Nähe des Leuchtturms und beobachteten, wie das warme Licht der tief stehenden Sonne über das Meer wanderte. Solche Abende gehören für uns zu den Erlebnissen, wegen denen wir immer wieder in den hohen Norden fahren. Du musst nichts unternehmen und keine Sehenswürdigkeit abhaken – einfach draußen sitzen und zusehen reicht vollkommen.
Bei gutem Wetter verändert sich das Licht über Stunden. Die Sonne sinkt immer tiefer, berührt den Horizont aber nicht und steigt anschließend langsam wieder höher. Gerade über der offenen Barentssee ist das ein beeindruckendes Schauspiel.
Hurtigruten vor Berlevåg
Von unserem Platz in der Nähe des Leuchtturms konnten wir außerdem die ein- und ausfahrenden Schiffe beobachten. Berlevåg ist bis heute ein Hafen der klassischen Hurtigruten-Postschiffroute.
Besonders interessant ist der späte Abend. Nach dem aktuellen Fahrplan läuft das nordgehende Hurtigruten-Schiff Berlevåg gegen 22 Uhr an. Das südgehende Schiff erreicht den Ort wenig später. Dadurch begegnen sich die beiden Schiffe auf diesem Abschnitt der Küste regelmäßig rund um Berlevåg.
Vom Bereich rund um Kjølnes fyr kannst Du die Schiffe bereits auf dem Meer beobachten und verfolgen, wie sie Kurs auf den Hafen nehmen beziehungsweise Berlevåg wieder verlassen. Zusammen mit der Mitternachtssonne war das für uns ein wunderschöner Abschluss dieses Tages.
Berlevåg am Ende unserer Fahrt
Nach all der einsamen Landschaft wirkt Berlevåg beinahe wieder geschäftig. Der kleine Ort lebt bis heute stark von der Fischerei und besitzt einen Hafen, Flughafen, Einkaufsmöglichkeiten und weitere Infrastruktur.
Für uns war Berlevåg aber vor allem Ausgangspunkt für die Umgebung. Nur wenige Kilometer außerhalb liegen Kjølnes fyr und die offene Barentssee, während sich südlich die großartige Küstenstraße Richtung Kongsfjord erstreckt.
Außerdem beginnt in der Nähe eine Wanderung, die wir uns bei unserem Aufenthalt nicht entgehen lassen wollten: die Tour auf den Tanahorn.
Wanderung auf den Tanahorn
Der Tanahorn erhebt sich nordwestlich von Berlevåg direkt über der Küstenlandschaft. Mit 266 Metern ist er kein hoher Berg, bietet durch seine exponierte Lage aber eine beeindruckende Aussicht über die Barentssee und die karge Landschaft rund um Berlevåg.
Wir sind die Tour ebenfalls im Sommer 2026 gegangen. Vom Ausgangspunkt führt der markierte Weg hinauf auf den Gipfel und anschließend auf derselben Route wieder zurück. Insgesamt kamen wir auf etwa 7,3 Kilometer.
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Nur 266 Meter hoch und trotzdem eine Aussicht, die sich hinter deutlich höheren Bergen nicht verstecken muss: Der Tanahorn bei...
Wie viel Zeit solltest Du für Tana bru–Berlevåg einplanen?
Die Strecke lässt sich natürlich wesentlich schneller fahren, als wir sie erlebt haben. Genau das würden wir aber nicht empfehlen. Wenn Du nur möglichst schnell von Tana bru nach Berlevåg möchtest, verpasst Du einen großen Teil dessen, was diese Route ausmacht.
Wir würden mindestens einen ganzen Tag einplanen und bei genügend Zeit sogar unterwegs übernachten. Dann bleibt Gelegenheit für spontane Stopps, einen Spaziergang, Moltebeeren, die Landschaft am Kongsfjord und einen langen Abend an der Barentssee.
Wenn Du zusätzlich die Wanderung zur Kongsfjord Batteri oder den Tanahorn einplanst, solltest Du dafür eigene Zeitfenster vorsehen. Beide Touren verdienen es, nicht einfach zwischen zwei Fahrabschnitte gequetscht zu werden.
Unser Fazit zur Fahrt nach Berlevåg
Die Fahrt von Tana bru nach Berlevåg hat uns gerade deshalb so gut gefallen, weil sie nicht von einer langen Liste klassischer Sehenswürdigkeiten lebt. Das Erlebnis ist die Veränderung der Landschaft: vom vergleichsweise geschützten Landesinneren hinaus in die offene Fjelllandschaft, über das Kongsfjordfjellet und schließlich an die raue Küste der Barentssee.
Dazu kamen für uns viele kleine Erlebnisse, die sich kaum planen lassen: ein riesiges Moltebeerenfeld direkt neben der Straße, die Wanderung zur Kongsfjord Batteri, ein schöner Platz für die Nacht und schließlich die Mitternachtssonne am Kjølnes fyr, während draußen auf dem Meer die Schiffe Kurs auf Berlevåg nahmen.
Genau solche Strecken sind für uns der Grund, warum wir Nordnorwegen am liebsten mit dem eigenen Wohnmobil bereisen. Tana bru und Berlevåg sind Anfang und Ende der Route – das eigentliche Ziel liegt irgendwo dazwischen.
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