Ganz im Norden Norwegens, nur wenige Kilometer vor Berlevåg, liegt mit der HKB 4/448 Kongsfjord ein außergewöhnlicher Ort. Auf der Halbinsel Veinesodden kannst Du nicht nur die Überreste einer deutschen Küstenbatterie aus dem Zweiten Weltkrieg entdecken. Zwischen den alten Stellungen steht tatsächlich noch ein französischer Renault FT aus der Zeit des Ersten Weltkriegs.
Wir haben Veinesodden im Sommer 2026 besucht und waren überrascht, wie viel es hier zu entdecken gibt. Alte Bunker und Geschützstellungen liegen verstreut in der kargen Landschaft, während sich nur wenige Meter entfernt der Blick über die Küste und die Barentssee öffnet. Dazu kommt eine außergewöhnlich gelegene Vogelbeobachtungshütte, von der Du mit etwas Glück zahlreiche Seevögel und Greifvögel beobachten kannst.
Wo liegt die HKB 4/448 Kongsfjord?
Die ehemalige Küstenbatterie liegt auf Veinesodden, einer Landzunge an der Barentssee unmittelbar bei den kleinen Orten Veines und Kongsfjord. Du erreichst Kongsfjord über die Straße 890, die Båtsfjord mit Berlevåg verbindet.
Schon die Anfahrt lohnt sich. Die Landschaft in diesem Teil der Finnmark ist weit, karg und vom rauen Klima der Barentssee geprägt. Hinter Kongsfjord führt die Straße direkt an der Küste weiter nach Berlevåg und gehört für uns zu den besonders eindrucksvollen Straßenabschnitten im äußersten Norden Norwegens.
Die ehemalige Batterie erreichst Du nicht direkt mit dem Auto. Von Veines führt ein markierter Weg hinaus auf die Halbinsel. Wer ihm bis zur kleinen Leuchtfeueranlage an der Spitze von Veinesodden folgt, kommt unterwegs an den Überresten der Küstenbatterie und der Vogelbeobachtungshütte vorbei.
Die Geschichte der HKB 4/448 Kongsfjord
Während der deutschen Besatzung Norwegens im Zweiten Weltkrieg hatte die Küste der Finnmark eine große strategische Bedeutung. Der Schiffsverkehr entlang der norwegischen Küste sollte geschützt und gleichzeitig eine Landung alliierter Streitkräfte verhindert werden.
Ende 1941 kamen die ersten Soldaten der späteren Küstenbatterie nach Kongsfjord. Auf Veinesodden entstand anschließend eine stark befestigte Stellung, die die Zufahrten zum Kongsfjord und Risfjord kontrollieren sollte.
Die Hauptbewaffnung bestand aus französischen 15,5-cm-Geschützen des Typs K 416 (f). Daneben verfügte die Stellung über weitere Waffen zur Luft-, Panzer- und Nahverteidigung.
Rund 140 Soldaten waren zeitweise hier stationiert. Entsprechend umfangreich wurde die Anlage ausgebaut. Noch heute findest Du auf Veinesodden Überreste von Geschützstellungen, Bunkern, Tunneln und Munitionslagern.
Als sich die deutschen Truppen 1944 aus der Finnmark zurückzogen, wurde die Batterie aufgegeben. Ein großer Teil der Anlage wurde gesprengt, während mehrere der schweren Geschütze abtransportiert wurden.
Unterwegs zwischen Bunkern und alten Stellungen
Heute ist Veinesodden längst wieder eine ruhige, von der Natur geprägte Landschaft. Trotzdem stößt Du beim Wandern immer wieder auf die Spuren der ehemaligen Küstenbatterie.
Betonreste ragen aus dem Boden, alte Stellungen sind noch deutlich zu erkennen und teilweise führen Öffnungen in die ehemaligen Bunkeranlagen. Gerade dieser Kontrast macht den Ort für uns so interessant: Auf der einen Seite die wunderschöne Landschaft an der Barentssee, auf der anderen Seite die sichtbaren Überreste des Zweiten Weltkriegs.
Dabei solltest Du die Ruinen nicht unterschätzen. Einige Bereiche sind mittlerweile stark verfallen. Es gibt offene Schächte, ungesicherte Kanten, Metallteile sowie beschädigte Tunnel und Bunker. Wir würden deshalb nicht einfach in unbekannte unterirdische Bereiche hineingehen und besonders mit Kindern sehr vorsichtig sein.
Am sichersten bist Du unterwegs, wenn Du Dich weitgehend an den vorhandenen Weg hältst.
Das Highlight: ein Renault FT aus dem Ersten Weltkrieg
Das für uns außergewöhnlichste Relikt der HKB 4/448 ist der alte Renault FT. Mitten in der nordnorwegischen Landschaft auf einen französischen Panzer aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zu stoßen, hatten wir definitiv nicht erwartet.
Der Renault FT wurde ab 1917 eingesetzt und gehört damit zu den frühen Panzertypen des Ersten Weltkriegs. Das Fahrzeug bei Kongsfjord gelangte später in deutsche Hände und wurde während des Zweiten Weltkriegs in die Verteidigungsanlage auf Veinesodden integriert.
Zu diesem Zeitpunkt war der Panzer als bewegliches Kampffahrzeug längst veraltet. Stattdessen wurde er fest in einer Stellung eingebaut. Seine 37-mm-Kanone konnte so noch für die Nahverteidigung genutzt werden.
Heute ist von einem vollständig erhaltenen Panzer natürlich keine Rede mehr. Trotzdem lässt sich die charakteristische Form noch gut erkennen. Gerade weil der Renault FT nicht in einem Museum steht, sondern noch immer an seinem damaligen Einsatzort in der kargen Landschaft der Finnmark zu finden ist, gehört er für uns zu den faszinierendsten Überresten der Anlage.
Bitte behandle den Panzer und alle anderen Relikte entsprechend vorsichtig. Sie gehören zur Geschichte dieses Ortes und sollten weder betreten noch beschädigt oder als Souvenirquelle betrachtet werden.
Vogelbeobachtung am Veinesodden
Veinesodden ist aber keineswegs nur für Geschichtsinteressierte spannend. Die Küste rund um Kongsfjord ist auch für ihre vielfältige Vogelwelt bekannt.
Unter anderem kannst Du in der Region verschiedene Enten- und Seevogelarten beobachten. Auch Seeadler, Raufußbussard und mit etwas Glück sogar Gerfalke sind in der Umgebung anzutreffen.
Ein besonderes Ziel ist die Vogelbeobachtungshütte auf Veinesodden. Sie wurde vom norwegischen Architekturbüro Biotope entworfen, das sich auf Beobachtungshütten und andere Einrichtungen für Natur- und Vogeltourismus spezialisiert hat.
Die dunkle Hütte sitzt spektakulär oberhalb der Küste und bietet durch ihre große Fensterfront einen weiten Blick über die Barentssee. Gleichzeitig bist Du darin vor dem häufig kräftigen Wind geschützt.
Auch wenn Du kein ambitionierter Birdwatcher bist, lohnt sich der Abstecher. Allein die Lage und die Aussicht machen die Beobachtungshütte zu einem Highlight der Tour.
Rücksicht auf die Vogelwelt
Die Umgebung von Veinesodden ist ein wichtiger Lebensraum für zahlreiche Vogelarten. Besonders während der Brutzeit solltest Du deshalb möglichst wenig stören.
Bleib auf den vorhandenen Wegen, halte Abstand zu Vögeln und Nestern und vermeide unnötigen Lärm. Insbesondere im Frühjahr und Frühsommer ist besondere Rücksicht angebracht.
Wir finden, dass sich Geschichte und Natur hier sehr gut miteinander verbinden lassen: Du kannst die Überreste der Küstenbatterie entdecken, ohne dafür kreuz und quer durch sensible Bereiche laufen zu müssen.
Wanderung zum Veinesodden
Wenn Du nicht nur die Batterie besichtigen möchtest, kannst Du dem Weg weiter bis zur Spitze der Halbinsel folgen. Dort steht ein kleines Leuchtfeuer.
Vom Ausgangspunkt bei Veines bis dorthin sind es ungefähr 2,7 bis 3 Kilometer pro Richtung. Für die komplette Tour solltest Du daher mit etwa 5 bis 6 Kilometern rechnen.
Die Höhenunterschiede sind mäßig, aber dadurch, dass es immer wieder bergauf und bergab geht, summieren sie die Höhenmeter trotzdem. Wir würden hier genügend Zeit einplanen, denn gerade rund um die Batterie gibt es viel zu entdecken. Dazu kommen die Vogelbeobachtungshütte und immer wieder schöne Ausblicke auf die Küste.
Wie so oft in Nordnorwegen entscheidet außerdem das Wetter darüber, wie gemütlich die Tour wird. Auf der offenen Landzunge bist Du Wind und Wetter ziemlich direkt ausgesetzt. Eine wind- und regendichte Jacke gehört deshalb auch an einem zunächst freundlich aussehenden Sommertag in den Rucksack.
Unser Eindruck von der HKB 4/448 Kongsfjord
Wir mögen Orte, bei denen sich Landschaft und Geschichte miteinander verbinden. Genau das macht Veinesodden für uns besonders.
Natürlich sind alte deutsche Küstenbefestigungen in Norwegen keine Seltenheit. Entlang der Küste sind bis heute zahlreiche Überreste aus dem Zweiten Weltkrieg erhalten. Die Kombination in Kongsfjord ist trotzdem außergewöhnlich.
Vor allem der Renault FT aus dem Ersten Weltkrieg macht die HKB 4/448 zu einem Ort, den wir so vorher noch nicht gesehen hatten. Dazu kommen die alten Bunkeranlagen, die einsame Lage an der Barentssee und die moderne Vogelbeobachtungshütte.
Wenn Du auf dem Weg nach Berlevåg bist und etwas Zeit mitbringst, würden wir Veinesodden deshalb nicht nur als kurzen Fotostopp einplanen. Nimm Dir ein paar Stunden und erkunde die Halbinsel zu Fuß.
Lohnt sich die HKB 4/448 Kongsfjord?
Für uns eindeutig ja. Dabei musst Du Dich nicht einmal besonders für Militärgeschichte interessieren.
Die Überreste der Küstenbatterie erzählen einen Teil der Geschichte Nordnorwegens, während der alte Renault FT ein wirklich ungewöhnliches Relikt darstellt. Gleichzeitig bekommst Du eine Wanderung durch eine großartige Küstenlandschaft und kannst an der Vogelbeobachtungshütte die Tierwelt der Barentssee beobachten.
Gerade diese Mischung macht Veinesodden bei Kongsfjord zu einem der ungewöhnlicheren Ziele im äußersten Norden Norwegens.
Wenn Du abgelegene Orte mit Geschichte, Natur und wenig touristischer Inszenierung magst, solltest Du diesen Abstecher auf Deiner Reise durch die Finnmark einplanen.
FAQ zur HKB 4/448 Kongsfjord
Wo liegt die HKB 4/448 Kongsfjord?
Die ehemalige deutsche Küstenbatterie liegt auf der Halbinsel Veinesodden bei Kongsfjord in der Kommune Berlevåg in der Finnmark. Von Veines führt ein Wanderweg hinaus auf die Landzunge.
Steht bei Kongsfjord wirklich noch ein Panzer aus dem Ersten Weltkrieg?
Ja. Auf dem Gelände befindet sich noch heute ein französischer Renault FT, dessen Entwicklung und erster Einsatz in die Zeit des Ersten Weltkriegs fallen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das veraltete Fahrzeug in die deutsche Küstenverteidigung integriert und fest als Geschützstellung genutzt.
Kann man die Küstenbatterie kostenlos besichtigen?
Das Gelände auf Veinesodden ist frei zugänglich. Die historischen Überreste sind allerdings teilweise verfallen und nicht wie ein Museum gesichert. Besonders bei Bunkern, Tunneln und offenen Schächten ist deshalb Vorsicht erforderlich.
Wie weit ist die Wanderung zum Veinesodden?
Bis zum Leuchtfeuer an der Spitze sind es vom Ausgangspunkt ungefähr 2,7 bis 3 Kilometer pro Richtung. Für Hin- und Rückweg solltest Du daher mit etwa 5 bis 6 Kilometern rechnen.
Gibt es bei Kongsfjord eine Vogelbeobachtungshütte?
Ja. Auf Veinesodden steht eine von Biotope entworfene Beobachtungshütte mit Blick auf die Küste und die Barentssee. Die Umgebung von Kongsfjord ist für ihre arktische Vogelwelt bekannt.
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