Mit dem Wohnmobil durch Norwegen zu fahren, ist auch im Winter möglich. Allerdings funktioniert die Reiseplanung dann anders als im Sommer.
Schnee und Eis auf der Fahrbahn gehören in vielen Regionen zum normalen Winter. Schwieriger können starke Schneefälle, Wind und Schneeverwehungen werden. Besonders auf exponierten Straßen und Fjellübergängen können sich die Bedingungen innerhalb kurzer Zeit verändern.
Dann kann aus einer frei befahrbaren Straße eine Strecke mit Kolonnenfahrt – auf Norwegisch Kolonnekjøring –werden. Verschlechtert sich das Wetter weiter, kann ein Fjellübergang auch vollständig gesperrt werden.
Deshalb gehört für uns zu einer Winterreise durch Norwegen vor allem eines: Nicht nur die Route planen, sondern regelmäßig den aktuellen Straßenzustand prüfen.
❄️ Norwegens Winterstraßen: Das Wichtigste
Wetterexponierte Bergstrecken können im Winter kurzfristig auf Kolonnenfahrt umgestellt oder vollständig gesperrt werden.
Bei Kolonnekjøring fährst Du zusammen mit anderen Fahrzeugen kontrolliert hinter einem Räum- oder Führungsfahrzeug über die Strecke.
Ist eine Straße gesperrt, darfst Du eine geschlossene Schranke nicht umfahren – auch wenn das Wetter dort noch harmlos aussieht.
Aktuelle Meldungen, Fjellübergänge und Webcams findest Du bei Statens vegvesen und in der App Vegvesen trafikk.
Vor einer Fjellüberquerung solltest Du genügend Kraftstoff beziehungsweise einen gut geladenen Fahrzeugakku haben.
Warme Kleidung, Winterstiefel, Essen, warme Getränke, Taschenlampe und Schneeschaufel sollten griffbereit sein.
Schnee auf norwegischen Straßen ist im Winter normal
Eine verschneite Straße bedeutet in Norwegen nicht automatisch, dass sie schlecht befahrbar oder kurz vor der Sperrung ist.
Gerade in Regionen mit langen Wintern gehören Schnee und Eis zum Straßenalltag. Entsprechend sind Räumdienste und Winterdienst darauf eingestellt.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Du sommerliche Straßenverhältnisse erwarten solltest. Eine Straße kann trotz Winterdienst schneebedeckt oder glatt sein.
Deine Fahrweise muss deshalb zu den Bedingungen passen. Geschwindigkeit und Abstand werden wichtiger und bei starkem Schneefall kann sich die Sicht erheblich verschlechtern.
ℹ️ Welche Vorschriften für Winterreifen, Profiltiefe, Spikes und Schneeketten gelten, erklären wir ausführlich in unserem Ratgeber Winterreifen & Winterfahren in Skandinavien.
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- Zoll
Fjellübergänge sind im Winter die kritischen Stellen
Besondere Aufmerksamkeit verdienen die norwegischen Fjelloverganger, also Straßen über exponierte Bergregionen.
Statens vegvesen führt im staatlichen Straßennetz 23 solcher wichtigen Fjellübergänge beziehungsweise besonders wetterexponierten Strecken auf.
Dazu gehören beispielsweise:
- E6 Dovrefjell
- E16 Filefjell
- E134 Haukelifjell
- Rv. 7 Hardangervidda
- Rv. 13 Vikafjellet
- Rv. 15 Strynefjellet
- Rv. 52 Hemsedalsfjellet
- E6 Saltfjellet
- E6 Kvænangsfjellet
- E10 Bjørnfjell
- E69 Richtung Nordkap
Die meisten dieser Verbindungen sollen grundsätzlich auch im Winter befahrbar bleiben. Das Wetter kann aber dazu führen, dass eine freie Durchfahrt zeitweise nicht mehr möglich ist.
Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Kolonnenfahrt oder Vollsperrung.
Was bedeutet Kolonnekjøring?
Kolonnekjøring bedeutet Kolonnenfahrt.
Sie wird eingesetzt, wenn die Wetter- oder Straßenbedingungen eine individuelle Fahrt über einen Fjellübergang zu gefährlich machen, eine kontrollierte Passage aber noch möglich ist.
Dabei werden mehrere Fahrzeuge zu einer Gruppe zusammengefasst. Vor der Kolonne fährt ein Räum- oder Führungsfahrzeug, am Ende befindet sich ebenfalls ein Begleitfahrzeug. Beide stehen miteinander in Kontakt.
Du fährst also nicht einfach hinter einem Schneepflug her, sondern befindest Dich in einem kontrollierten Konvoi.
Wie viele Fahrzeuge beziehungsweise Personen mitgenommen werden können, ist aus Sicherheitsgründen begrenzt. Dabei wird unter anderem berücksichtigt, wie viele Menschen im Ernstfall von Rettungskräften geborgen werden könnten.
Das kann dazu führen, dass Du auf die nächste Kolonne warten musst.
Kann ein Wohnmobil bei der Kolonnenfahrt abgewiesen werden?
Eine Teilnahme ist nicht automatisch garantiert.
Die Räummannschaft kann Fahrzeuge zurückweisen, wenn sie davon ausgeht, dass diese die Strecke unter den aktuellen Bedingungen nicht sicher bewältigen können.
Gründe können beispielsweise ein technisches Problem, ungeeignete Bereifung oder eine unzureichende persönliche Winterausrüstung sein.
Gerade mit dem Wohnmobil solltest Du deshalb nicht davon ausgehen:
„Wenn die Kolonne fährt, komme ich auf jeden Fall mit.“
Das Personal vor Ort entscheidet anhand der aktuellen Situation.
So bereitest Du Dich auf eine Kolonnenfahrt vor
Vor einem Fjellübergang solltest Du nicht erst überlegen, ob der Tank noch für 80 Kilometer reicht.
Statens vegvesen empfiehlt für eine Kolonnenfahrt einen ausreichend gefüllten Kraftstofftank beziehungsweise bei Elektrofahrzeugen einen gut geladenen Akku. Auf den Kolonnenstrecken gibt es keine Möglichkeit zum Tanken oder Laden.
Außerdem solltest Du griffbereit haben:
- warme Kleidung
- Winterstiefel
- Essen
- warme Getränke
- Taschenlampe
- Abschleppseil
- Schneeschaufel
Das Entscheidende ist griffbereit.
Die dicke Winterjacke unter mehreren Kisten ganz hinten in der Heckgarage hilft Dir wenig, wenn Du sie plötzlich benötigst.
Mit einem Wohnmobil würde ich zusätzlich darauf achten, dass die Heizung zuverlässig funktioniert und genügend Energie zur Verfügung steht.
ℹ️ Wie Du Heizung, Gasversorgung, Wasseranlage und Batterie auf längere Aufenthalte bei Frost vorbereitest, findest Du in unserem Ratgeber Wohnmobil winterfest machen für Skandinavien.
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So verhältst Du Dich während der Kolonnenfahrt
Während der Kolonnenfahrt gibt das Begleitpersonal den Ablauf vor.
Statens vegvesen weist unter anderem darauf hin, die Warnblinkanlage zu verwenden und möglichst gleichmäßig zu fahren. Das Fahrzeug vor Dir solltest Du im Blick behalten und der Kolonne konsequent folgen.
Besonders wichtig:
Verlasse die Kolonne nicht und versuche nicht, eigenständig umzudrehen.
Wenn die Kolonne anhält oder Du selbst anhalten musst, solltest Du Dich außerdem nicht vom Fahrzeug entfernen.
Bei starkem Schneefall und Wind kann die Orientierung außerhalb des Fahrzeugs sehr schnell schwierig werden.
Die Schneeräumung kann unterwegs ebenfalls stoppen, damit kontrolliert werden kann, ob die Kolonne noch vollständig ist.
Warum werden Straßen komplett gesperrt?
Wenn die Bedingungen auch für eine kontrollierte Kolonnenfahrt zu schlecht werden, kann der Fjellübergang vollständig geschlossen werden.
Das geschieht beispielsweise bei starkem Wind, Schneefall oder massiven Schneeverwehungen.
Eine wichtige Besonderheit norwegischer Bergstraßen ist dabei, dass das Wetter an der Schranke keinen zuverlässigen Eindruck davon vermitteln muss, wie es einige Kilometer weiter oben aussieht.
Eine Straße kann deshalb gesperrt sein, obwohl Du am Schlagbaum stehst und Dich fragst, warum.
Ist die Schranke geschlossen, gilt deshalb ganz einfach:
Nicht weiterfahren.
Die Räumdienste arbeiten – soweit es die Bedingungen erlauben – auch während einer Sperrung weiter, damit die Strecke möglichst schnell wieder geöffnet werden kann.
Wie lange dauert eine Straßensperrung?
Darauf gibt es keine verlässliche pauschale Antwort.
Eine Sperrung kann relativ schnell wieder aufgehoben werden. Bei anhaltend schlechtem Wetter kann sie aber deutlich länger dauern.
Deshalb würde ich eine Winterroute durch Norwegen niemals so planen, dass eine einzelne Fjellüberquerung zwingend zu einer bestimmten Uhrzeit funktionieren muss.
Plane Zeitreserven ein und prüfe mögliche Alternativrouten.
Gerade mit dem Wohnmobil ist es wesentlich angenehmer, einen zusätzlichen Abend einzuplanen, als aufgrund eines festen Zeitplans trotz schlechter Bedingungen unbedingt weiterfahren zu wollen.
ℹ️ Gerade im Winter lohnt es sich, Übernachtungsplätze etwas früher zu planen. Welche Besonderheiten Dich bei Campingplätzen, Stellplätzen, Strom und Versorgung bei Frost erwarten, zeigen wir in unserem Ratgeber zum Wintercamping mit dem Wohnmobil.
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Nicht jede im Winter geschlossene Straße ist nur vorübergehend gesperrt
Hier müssen wir zwischen zwei Dingen unterscheiden.
Ein ganzjährig genutzter Fjellübergang kann vorübergehend wegen des Wetters gesperrt werden.
Daneben gibt es Straßen, die saisonal im Winter geschlossen sind. Bei diesen Verbindungen ist eine Befahrung während der Wintersaison grundsätzlich nicht vorgesehen.
Das betrifft insbesondere einige touristisch attraktive Bergstraßen und höher gelegene Nebenstrecken.
Verlasse Dich deshalb bei der Routenplanung im Winter nicht einfach darauf, dass eine Straße, die Du von einer Sommerreise kennst, auch im Januar oder Februar geöffnet ist.
Straßenzustand in Norwegen aktuell prüfen
Für uns wäre die wichtigste Informationsquelle auf einer Winterreise Statens vegvesen, die norwegische Straßenverkehrsbehörde.
Dort findest Du aktuelle Informationen zu:
- Straßensperrungen
- Fjellübergängen
- Kolonnenfahrt
- Verkehrsbehinderungen
- wetterexponierten Straßen
- Webcams
- teilweise aktuellen Straßen- und Wetterbedingungen
Besonders hilfreich sind die Webcams.
Eine allgemeine Wettervorhersage sagt Dir schließlich noch nicht, wie die Fahrbahn auf Deinem geplanten Fjellübergang aussieht. Über eine Straßenkamera bekommst Du zumindest einen aktuellen visuellen Eindruck.
Statens vegvesen bietet außerdem die App Vegvesen trafikk an. Dort kannst Du unter anderem Verkehrsmeldungen abrufen, den Status von Fjellübergängen kontrollieren und Webcams ansehen.
Für bestimmte Routen und wetterexponierte Straßen lassen sich außerdem Benachrichtigungen einrichten.
ℹ️ Weitere Anwendungen für Wetter, Navigation, Stellplätze und Polarlichter findest Du in unserem Artikel über die besten Apps für Skandinavien.
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Straßensperrung: Nicht blind der Navigation folgen
Google Maps, Garmin oder eine andere Navigation ist bei einer Winterreise natürlich hilfreich.
Bei aktuellen Sperrungen würde ich mich aber nicht ausschließlich darauf verlassen.
Die entscheidende Quelle für den tatsächlichen Straßenzustand ist die aktuelle Verkehrsinformation der norwegischen Straßenbehörde.
Das gilt besonders dann, wenn Deine Navigation eine vermeintlich clevere Ausweichroute vorschlägt.
Eine kleinere Straße kann im Winter wesentlich schlechter geeignet oder saisonal geschlossen sein. Und was im Sommer mit einem Pkw eine nette Abkürzung ist, muss mit einem großen Wohnmobil im Winter keine gute Idee sein.
Webcams vor schwierigen Strecken nutzen
Die Straßenkameras von Statens vegvesen sind im Winter besonders praktisch.
Viele befinden sich bewusst an Stellen mit schwierigen Wetterbedingungen, beispielsweise an Fjellübergängen, wetterexponierten Straßen oder Fährverbindungen.
Damit kannst Du vor der Weiterfahrt beispielsweise sehen, ob die Straße trocken, verschneit oder von deutlich schlechterer Sicht betroffen ist.
Eine Webcam ersetzt natürlich weder die Verkehrsmeldung noch eine Wetterwarnung. Sie ist aber eine sehr gute zusätzliche Informationsquelle.
Starker Wind ist mit dem Wohnmobil ein eigenes Thema
Auf Fjellstraßen ist nicht nur Schnee problematisch.
Starker Seitenwind kann gerade bei hohen Wohnmobilen unangenehm oder gefährlich werden. Das gilt ebenso für exponierte Brücken und Küstenstraßen.
Hinzu kommen Schneeverwehungen: Selbst wenn aktuell kaum Schnee fällt, kann starker Wind bereits liegenden Schnee auf die Fahrbahn treiben und die Sicht verschlechtern.
Deshalb solltest Du bei der Einschätzung einer Winterroute nicht nur auf das Schneesymbol Deiner Wetter-App schauen.
Wind kann mindestens genauso entscheidend sein.
Fähren können ebenfalls vom Winterwetter betroffen sein
Wer durch Norwegen reist, verbindet Straßen häufig mit Fähren.
Bei starkem Wind oder schlechtem Wetter kann es auch dort zu Änderungen oder Ausfällen kommen. Eine Straßenroute kann also theoretisch frei sein, während die eingeplante Fährverbindung Probleme verursacht.
Prüfe bei schwierigen Wetterlagen deshalb die gesamte Route und nicht nur den nächsten Fjellübergang.
Genügend Kraftstoff und Reichweite einplanen
Im Winter würde ich den Tank nicht bis zur Reserve leerfahren.
Umleitungen, längere Wartezeiten und kurzfristige Streckensperrungen können Deine geplante Route verändern. Gleichzeitig benötigt die Heizung – abhängig vom System – zusätzliche Energie.
Mit ausreichend Reserve bist Du wesentlich flexibler.
ℹ️ Was Du bei Diesel, Tankautomaten, AdBlue und Kraftstoffen in Norwegen, Schweden und Finnland wissen solltest, findest Du in unserem Ratgeber Tanken in Skandinavien.
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Unsere Checkliste vor einem Fjellübergang
Bevor Du im Winter auf eine längere oder exponierte Fjellstrecke fährst, würde ich diese Punkte kontrollieren:
Straßenstatus: Ist die Strecke frei, auf Kolonnenfahrt umgestellt oder gesperrt?
Wetter: Wie entwickeln sich Wind, Schneefall und Temperatur in den nächsten Stunden?
Webcams: Wie sehen Straße und Sicht aktuell aus?
Kraftstoff: Ist genügend Reserve vorhanden?
Heizung: Funktioniert sie und reicht der Energievorrat auch für eine längere Wartezeit?
Winterausrüstung: Sind warme Kleidung, Essen, Getränke, Lampe und Schneeschaufel erreichbar?
Bereifung: Passt sie zu den aktuellen Bedingungen?
Alternative: Gibt es eine sinnvolle Ausweichroute oder einen geeigneten Platz zum Warten?
Diese kurze Kontrolle kann Dir im Winter viel Stress ersparen.
Mit dem Wohnmobil durch Norwegen im Winter
Ein Wohnmobil verändert die Anforderungen zusätzlich.
Das Fahrzeug ist schwerer und größer als ein Pkw und reagiert stärker auf Seitenwind. Bremswege und Traktion verdienen entsprechend mehr Aufmerksamkeit.
Gleichzeitig hast Du einen großen Vorteil: Du hast einen beheizbaren Wohnraum, Essen und normalerweise auch Wasser und Strom an Bord.
Wenn eine Straße mehrere Stunden geschlossen bleibt, musst Du deshalb nicht zwangsläufig versuchen, irgendwie weiterzukommen.
Manchmal ist die beste Entscheidung auf einer Winterreise ganz einfach:
Heizung an, Kaffee kochen und warten.
Fazit: Im norwegischen Winter entscheidet das Wetter über die Route
Norwegens Hauptstraßen sind auch im Winter grundsätzlich auf Verkehr ausgelegt. Trotzdem können Schnee, Wind und Schneeverwehungen besonders auf Fjellübergängen dazu führen, dass eine Strecke nur noch in Kolonne befahren werden darf oder vollständig gesperrt wird.
Das gehört zu einer Winterreise durch Norwegen dazu und muss kein Problem sein, wenn Du genügend Zeit einplanst.
Prüfe vor kritischen Strecken den aktuellen Status bei Statens vegvesen, schau Dir die Webcams an und halte Kraftstoff, warme Kleidung und Winterausrüstung bereit.
Und vor allem: Plane im Winter nicht gegen das Wetter.
Wenn ein Fjellübergang geschlossen wird, hat das einen Grund. Die Route läuft Dir nicht davon.





