Polarlichter fotografieren: DSLR, Handy, GoPro & Insta360 im Vergleich

Polarlichter fotografieren: DSLR, Handy, GoPro & Insta360 im Vergleich

Polarlichter zu sehen ist schon ein besonderes Erlebnis. Sie anschließend so zu fotografieren, wie man sie selbst wahrgenommen hat, ist allerdings eine ganz andere Herausforderung.

Wir haben auf unseren Reisen durch Skandinavien Polarlichter mit unterschiedlichen Kameras aufgenommen. Neben einer klassischen DSLR beziehungsweise Systemkamera kommen bei uns inzwischen auch Smartphone, GoPro und Insta360 zum Einsatz.

Dabei haben alle Systeme ihre Stärken und Schwächen. Eine gute Kamera mit lichtstarkem Objektiv liefert nach wie vor die größte Kontrolle und meist die beste Bildqualität. Moderne Smartphones machen es dagegen erstaunlich einfach, innerhalb weniger Sekunden ein brauchbares Polarlichtfoto aufzunehmen. Actioncams und 360-Grad-Kameras eröffnen wiederum Perspektiven, die mit einer klassischen Kamera kaum möglich sind.

In diesem Beitrag zeigen wir Dir, wie wir Polarlichter fotografieren und welche Einstellungen wir als Ausgangspunkt verwenden.

Dabei geht es nicht darum, einen einzelnen ISO-Wert oder eine bestimmte Belichtungszeit als perfekte Einstellung zu verkaufen. Polarlichter verändern ihre Helligkeit und Bewegung teilweise innerhalb weniger Sekunden.

Deshalb gilt für alle folgenden Werte:

Sie sind Startpunkte. Danach entscheidet das Polarlicht.


Polarlichter fotografieren: unsere Einstellungen auf einen Blick

Diese Tabelle würde ich sehr weit oben platzieren:

GerätSchwaches PolarlichtStarkes/bewegtes PolarlichtUnser Tipp
DSLR/Systemkameraf/1.4–2.8 · 4–10 s · ISO 1600–3200f/1.4–2.8 · 0,5–3 s · ISO 800–3200RAW + manueller Fokus
iPhone/Smartphone AutomatikNachtmodus, möglichst lange AufnahmeNachtmodus ggf. verkürzenStativ verwenden
Smartphone Pro-Modus4–10 s · ISO 800–32000,5–3 s · ISO 800–3200Hauptkamera statt Ultraweitwinkel
GoProNight Photo · 5–15 s · ISO max. 800–1600Night Photo · 2–5 s · ISO max. 800–1600RAW, Stativ, Schärfe niedrig
Insta3603–10 s · ISO 400–16000,5–3 s · ISO 800–1600manuell arbeiten, stabil aufstellen

Wichtig: Die möglichen Einstellungen unterscheiden sich je nach Modell. Besonders bei Smartphone, GoPro und Insta360 solltest Du deshalb prüfen, welche manuellen Einstellungen Deine Kamera tatsächlich anbietet.

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Warum Polarlichter fotografisch schwierig sind

Eine Kamera steht bei Polarlichtern vor einem grundsätzlichen Problem:

Es ist dunkel, gleichzeitig bewegt sich das Motiv.

Für eine normale Nachtlandschaft könnten wir einfach 20 oder 30 Sekunden belichten. Sterne, Landschaft und Himmel würden dadurch ausreichend hell.

Bei einem schnell tanzenden Polarlicht funktioniert das nicht.

Belichtest Du beispielsweise 15 Sekunden, während sich die Aurora schnell bewegt, verschwimmen die feinen Strukturen. Aus einzelnen Strahlen und Vorhängen wird eine grüne Fläche.

Deshalb lautet für uns eine der wichtigsten Regeln:

Je stärker und schneller sich das Polarlicht bewegt, desto kürzer belichten wir.

Die fehlende Helligkeit gleichen wir dann hauptsächlich über Blende und ISO aus.


Die wichtigsten Kameraeinstellungen für Polarlichter

Bevor wir zu den einzelnen Geräten kommen, lohnt es sich, fünf Einstellungen zu verstehen.

1. Blende: möglichst viel Licht hereinlassen

Bei einer DSLR oder Systemkamera öffnen wir die Blende möglichst weit.

Ideal sind lichtstarke Objektive mit beispielsweise:

f/1.4, f/1.8, f/2.0 oder f/2.8.

Ein Objektiv mit f/4 kann ebenfalls funktionieren, benötigt aber entweder eine längere Belichtungszeit oder einen höheren ISO-Wert.

Für Polarlichtfotografie ist ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv deshalb ideal.


2. Belichtungszeit: Bewegung erhalten

Die Belichtungszeit hängt hauptsächlich davon ab, wie hell und wie schnell das Polarlicht ist.

Als grobe Orientierung verwenden wir:

Schwache, ruhige Aurora: 5–10 Sekunden
Deutlich sichtbare Aurora: 2–5 Sekunden
Stark tanzende Aurora: 0,5–2 Sekunden

Bei sehr schwachen Polarlichtern können auch längere Belichtungen sinnvoll sein.

Unser Ziel ist aber nicht einfach ein möglichst helles Bild. Wir möchten möglichst viel von der Struktur des Polarlichts erhalten.


3. ISO: lieber etwas höher als zu lange belichten

ISO 100 klingt fotografisch zunächst attraktiv, weil das Bild wenig rauscht.

Bei Polarlichtern bringt uns das aber wenig, wenn wir dafür 20 Sekunden belichten müssen und die gesamte Struktur der Aurora verschwimmt.

Wir beginnen deshalb häufig bei:

ISO 1600

und passen anschließend an.

Je nach Kamera und Situation bewegen wir uns häufig zwischen ISO 800 und ISO 3200.

Moderne Vollformatkameras verkraften teilweise auch höhere Werte erstaunlich gut.


4. Fokus: Autofokus ausschalten

Das ist eine der häufigsten Fehlerquellen.

Im dunklen Himmel findet der Autofokus oft keinen zuverlässigen Punkt. Deshalb fokussieren wir manuell.

Dazu suchen wir einen weit entfernten hellen Punkt – beispielsweise einen Stern oder eine weit entfernte Lichtquelle – und kontrollieren die Schärfe vergrößert auf dem Display.

Danach:

Autofokus aus und Fokus nicht mehr verändern.

Einfach den Fokusring blind bis zum Anschlag auf ∞ zu drehen, funktioniert nicht bei jedem Objektiv exakt.


5. Weißabgleich

Fotografieren wir in RAW, lässt sich der Weißabgleich später problemlos verändern.

Als Ausgangspunkt mögen wir für Polarlichter ungefähr:

3.500–4.000 Kelvin.

Dadurch bleibt der Nachthimmel relativ natürlich und wird nicht unnötig gelb.

Polarlichter mit DSLR oder Systemkamera fotografieren

Wenn wir gezielt gute Polarlichtfotos machen möchten, ist eine DSLR oder spiegellose Systemkamera weiterhin unsere erste Wahl.

Der große Vorteil ist die vollständige Kontrolle über Blende, ISO, Belichtungszeit, Fokus und RAW-Datei.

Unsere Grundeinstellung

Wir beginnen häufig ungefähr hier:

Modus: M – manuell
Dateiformat: RAW
Blende: f/1.8–f/2.8
Belichtungszeit: 4 Sekunden
ISO: 1600
Weißabgleich: ca. 3.500–4.000 K
Fokus: manuell auf weit entferntes Objekt/Stern
Stabilisator: auf dem Stativ aus
Selbstauslöser: 2 Sekunden

Dann machen wir eine Testaufnahme.

Polarlicht zu dunkel?

Zunächst ISO erhöhen:

1600 → 2500 → 3200

oder bei einem langsamen Polarlicht etwas länger belichten.

Polarlicht zu hell?

ISO reduzieren oder kürzer belichten.

Polarlicht verliert seine Struktur?

Belichtungszeit verkürzen.

Das ist für uns der wichtigste Punkt.


Unsere Einstellungen für starke Polarlichter

Wenn der Himmel regelrecht explodiert und sich die Strukturen schnell verändern, würden wir beispielsweise mit folgenden Werten beginnen:

f/1.8–2.8
1 Sekunde
ISO 1600–3200

Bei sehr heller Aurora können sogar noch kürzere Zeiten möglich sein.

Dadurch bleiben einzelne Strahlen und Vorhänge deutlich besser erhalten.


Unsere Einstellungen für schwache Polarlichter

Bei einem schwachen grünen Bogen:

f/1.8–2.8
6–10 Sekunden
ISO 1600–3200

Hier akzeptieren wir etwas weniger Struktur, um überhaupt genügend Licht auf den Sensor zu bekommen.


Welches Objektiv eignet sich für Polarlichter?

Wir bevorzugen ein lichtstarkes Weitwinkelobjektiv.

Für Vollformat sind beispielsweise Brennweiten um:

14–24 mm

sehr praktisch.

Bei APS-C entsprechend kürzer.

Wichtiger als der letzte Millimeter Brennweite ist für uns allerdings die Lichtstärke. Ein lichtstarkes f/1.8- oder f/2.0-Weitwinkel kann nachts einen erheblichen Vorteil gegenüber einem lichtschwachen Zoom bieten.

Außerdem sollte die Landschaft Teil des Bildes sein.

Ein Polarlicht allein ist schön. Ein Polarlicht über einem Fjord, einem Berg, unserem Camper oder einer kleinen Hütte erzählt dagegen eine Geschichte.


Polarlichter mit dem Handy fotografieren

Hier hat sich in den vergangenen Jahren enorm viel verändert.

Moderne Smartphones kombinieren mehrere Aufnahmen rechnerisch miteinander und können dadurch Nachtaufnahmen erzeugen, für die früher eine richtige Kamera notwendig gewesen wäre.

Vor allem iPhone, Google Pixel und hochwertige Android-Smartphones können beeindruckende Ergebnisse liefern.

Apple verlängert im Nachtmodus die Aufnahme automatisch und ermöglicht bei stabil aufgestelltem iPhone längere Aufnahmen. Google bietet beim Pixel zusätzlich Nacht- und Astrofotografie-Modi.

Unsere wichtigste Empfehlung: Stativ

Auch wenn der Nachtmodus aus der Hand funktioniert:

Stell das Smartphone auf ein Stativ.

Damit erkennt das Gerät eine stabile Aufnahmesituation und kann – je nach Modell – längere beziehungsweise aufwendigere Nachtaufnahmen durchführen.


Polarlichter mit dem iPhone fotografieren

Beim iPhone würden wir zunächst gar nicht versuchen, eine DSLR zu imitieren.

Der normale Nachtmodus erledigt bereits sehr viel automatisch.

Unsere iPhone-Grundeinstellung

Kamera: 1× Hauptkamera
Nachtmodus: aktiv
Belichtung: zunächst automatisch
Stativ: ja
Blitz: aus
Live Photo: aus
RAW/ProRAW: falls verfügbar und Nachbearbeitung geplant
Auslösung: Timer oder möglichst erschütterungsfrei

Apple empfiehlt für Nachtaufnahmen ebenfalls eine stabile Unterlage beziehungsweise ein Stativ; die Belichtungsdauer des Nachtmodus lässt sich auf unterstützten Geräten verlängern.

Nicht immer „Max“ verwenden

Das ist bei Polarlichtern entscheidend.

Ein Smartphone kann auf dem Stativ eine sehr lange Nachtaufnahme vorschlagen. Für Sterne ist das großartig.

Für ein schnell tanzendes Polarlicht kann es kontraproduktiv sein.

Dann würden wir die Belichtungsdauer bewusst verkürzen.

Bei schwacher, ruhiger Aurora dagegen:

Nachtmodus → Max

ausprobieren.

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Polarlichter mit einem Android-Smartphone fotografieren

Bei Android hängt viel vom Hersteller ab.

Wenn ein Pro-/Manuell-Modus vorhanden ist, würden wir mit diesen Werten starten:

Hauptkamera 1×
RAW: wenn verfügbar
ISO: 800–1600
Belichtung: 4 Sekunden
Fokus: ∞ beziehungsweise manuell weit
Weißabgleich: ca. 3.500–4.000 K
Timer: 2–3 Sekunden
Stativ: unbedingt

Für schwache Aurora:

6–10 s / ISO 1600–3200

Für schnelle Aurora:

1–3 s / ISO 800–3200

Beim Google Pixel ist alternativ Night Sight/Nachtsicht interessant. Für Astrofotografie erkennt das Pixel eine stabile Aufstellung und kann einen speziellen Astro-Modus aktivieren. Google empfiehlt dafür ausdrücklich eine stabile Oberfläche beziehungsweise ein Stativ.

Für schnell bewegte Aurora würde ich allerdings auch hier prüfen, ob eine kürzere Nachtaufnahme die Strukturen besser erhält als eine lange Astro-Sequenz.


Warum die Hauptkamera des Handys meist besser ist

Die Versuchung ist groß, für den riesigen Himmel sofort auf die Ultraweitwinkelkamera umzuschalten.

Wir würden zunächst trotzdem die 1×-Hauptkamera testen.

Sie besitzt bei vielen Smartphones den größeren und lichtstärkeren Sensor beziehungsweise das leistungsfähigere Kameramodul.

Das kann bei Nacht einen größeren Unterschied machen als der zusätzliche Bildwinkel.

Wenn genügend Licht vorhanden ist, kann Ultraweitwinkel natürlich trotzdem großartige Perspektiven liefern.

Polarlichter mit der GoPro fotografieren

Eine GoPro wäre nicht unsere erste Wahl für das technisch beste Polarlichtfoto.

Aber sie hat andere Vorteile:

Sie ist klein, robust, besitzt einen enormen Bildwinkel und lässt sich praktisch überall befestigen.

Besonders interessant finden wir sie für Night Lapse.

GoPro bietet bei entsprechenden HERO-Modellen Night Photo/Night Lapse mit manueller Belichtungszeit und ISO-Begrenzung; RAW und niedrige Schärfung sind ebenfalls sinnvolle Optionen.

Unsere GoPro-Startwerte für Polarlichter

Für ein normales Polarlichtfoto würden wir beginnen mit:

Modus: Night Photo
Shutter: 5 Sekunden
ISO Min: 100
ISO Max: 800 oder 1600
White Balance: 4000 K
Sharpness: Low
Color: Flat/Natural
RAW: On
Stativ: ja

GoPro selbst empfiehlt für Nachtaufnahmen niedrige Schärfung, RAW und je nach Situation ISO-Bereiche bis etwa 1600; ältere offizielle Nachtfotografie-Empfehlungen arbeiten beispielsweise auch mit 4000 K.

Bei starkem Polarlicht

Dann würde ich zunächst auf:

2 Sekunden
ISO Max 1600

gehen.

Bei schwachem Polarlicht

Versuchen:

10–15 Sekunden
ISO Max 800–1600

30 Sekunden würde ich für eine bewegte Aurora nicht als Standard verwenden, obwohl die GoPro solche langen Nachtbelichtungen ermöglicht. Das ist eher für Sterne beziehungsweise sehr schwache und langsame Erscheinungen interessant.


Polarlichter als GoPro Night Lapse

Hier spielt die GoPro ihre Stärke aus.

Eine fest montierte Kamera kann über längere Zeit automatisch Aufnahmen erstellen. Daraus entsteht anschließend ein Zeitraffer, in dem die Bewegung des Polarlichts besonders eindrucksvoll sichtbar wird.

Als Startpunkt:

Night Lapse
Shutter: 5 Sekunden
Interval: Auto beziehungsweise möglichst passend zur Belichtungszeit
ISO Max: 800–1600
White Balance: 4000 K
Sharpness: Low
Stativ/feste Montage: unbedingt

Wenn die Aurora schneller und heller wird:

Shutter Richtung 2 Sekunden verkürzen.

Polarlichter mit Insta360 fotografieren

Eine Insta360 ist für uns vor allem aus einem anderen Grund spannend:

Wir müssen den Bildausschnitt beim Fotografieren noch nicht endgültig festlegen.

Bei einer 360-Grad-Kamera kann das Polarlicht über uns, hinter uns oder plötzlich auf der anderen Seite des Himmels aktiv werden. Genau hier spielt das System seinen konzeptionellen Vorteil aus.

Der Nachteil ist die kleine Sensorfläche vieler 360-Kameras. Nachtaufnahmen stellen deshalb höhere Anforderungen an Stabilität und Belichtung.

Die konkreten Modi unterscheiden sich zwischen X-Serie, Ace/Ace Pro und anderen Insta360-Modellen. Deshalb würde ich im Artikel bewusst keine Menübezeichnung als allgemeingültig darstellen.

Unsere Startwerte für eine Insta360

Wenn das Modell manuelle Fotoeinstellungen erlaubt:

Modus: Foto/RAW beziehungsweise geeigneter Nachtmodus
Belichtung: 3–5 Sekunden
ISO: 800
Weißabgleich: 3500–4000 K
Stativ: unbedingt
Selbstauslöser: aktiv

Bei schwachem Polarlicht:

5–10 Sekunden
ISO 800–1600

Bei starkem, schnell bewegtem Polarlicht:

0,5–3 Sekunden
ISO 800–1600

Auch hier gilt:

Lieber die Belichtungszeit verkürzen und etwas mehr Rauschen akzeptieren, wenn dadurch die Struktur einer schnellen Aurora erhalten bleibt.


Der große Vorteil von Insta360 bei Polarlichtern

Stell Dir vor, die Kamera steht neben dem Camper.

Vor Dir erscheint ein Polarlicht. Wenige Minuten später wandert die stärkste Aktivität über Deinen Kopf und schließlich hinter das Fahrzeug.

Mit einer normalen Kamera musst Du ständig den Bildausschnitt verändern.

Eine 360-Grad-Kamera nimmt dagegen die gesamte Umgebung auf.

Erst später kannst Du entscheiden:

Polarlicht über dem Camper?

Polarlicht über den Bergen?

Hochformat für Instagram?

16:9 für YouTube?

Genau dafür finden wir eine Insta360 bei Polarlichtern besonders interessant.

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DSLR, Smartphone, GoPro oder Insta360 – was ist am besten?

KameraBildqualitätBedienungBewegte AuroraBesondere Stärke
DSLR/Systemkamera★★★★★★★★☆☆★★★★★maximale Kontrolle
Smartphone★★★★☆★★★★★★★★☆☆schnell und unkompliziert
GoPro★★★☆☆★★★★☆★★★☆☆Night Lapse
Insta360★★★☆☆★★★☆☆★★★☆☆360° und nachträglicher Bildausschnitt

Wenn wir nur ein einziges perfektes Polarlichtfoto machen wollten, würden wir eine gute Systemkamera beziehungsweise DSLR mit lichtstarkem Weitwinkel wählen.

Wenn es schnell gehen soll, ist das Smartphone inzwischen erstaunlich gut.

Für einen langen Polarlicht-Zeitraffer würden wir die GoPro einsetzen.

Und wenn wir eine außergewöhnliche Perspektive rund um Camper und Landschaft einfangen möchten, ist die Insta360 spannend.


Polarlichter filmen – deutlich schwieriger als fotografieren

Fotos sind vergleichsweise einfach, weil die Kamera mehrere Sekunden Licht sammeln kann.

Video muss dagegen kontinuierlich einzelne Bilder erzeugen.

Deshalb benötigt ein gutes Polarlichtvideo wesentlich mehr Licht.

Bei einer Kamera mit manueller Kontrolle würden wir beispielsweise mit:

24 oder 25 fps
1/25 beziehungsweise 1/50 s
Blende maximal öffnen
ISO entsprechend erhöhen
manueller Fokus

beginnen.

Bei sehr schwacher Aurora ist ein Zeitraffer aus Einzelbildern häufig wesentlich eindrucksvoller als ein verrauschtes Echtzeitvideo.


10 typische Fehler beim Fotografieren von Polarlichtern

Diesen Abschnitt würde ich unbedingt einbauen:

  1. Belichtungszeit zu lang – das Polarlicht wird zur grünen Fläche.
  2. Autofokus eingeschaltet – die Kamera sucht im Dunkeln nach Schärfe.
  3. Kein Stativ – Nachtaufnahmen verwackeln.
  4. ISO grundsätzlich möglichst niedrig halten – dadurch wird unnötig lange belichtet.
  5. Nur auf den Himmel zielen – ohne Vordergrund fehlt dem Bild oft Tiefe.
  6. Ultraweitwinkel am Smartphone automatisch bevorzugen – die Hauptkamera kann nachts deutlich besser sein.
  7. Nachtmodus immer auf maximale Dauer stellen – schnelle Aurora verliert ihre Struktur.
  8. Display zu hell einstellen – das Bild wirkt nachts heller als es tatsächlich ist.
  9. Nur JPEG fotografieren, obwohl RAW verfügbar wäre.
  10. Kamera bedienen und dabei das Polarlicht verpassen.

Der letzte Punkt klingt banal, ist für mich aber wichtig.

Man sollte nicht die gesamte Polarlichtnacht damit verbringen, auf ein Display zu schauen.


Unsere Schnellrezepte für die nächste Polarlichtnacht

DSLR/Systemkamera

M · RAW · f/1.8–2.8 · 4 s · ISO 1600 · 3800 K · manueller Fokus

Smartphone mit Pro-Modus

1× Kamera · RAW · 4 s · ISO 1600 · Fokus weit · 3800 K · Stativ

iPhone

1× Hauptkamera · Nachtmodus · Stativ · Blitz aus · zunächst automatische Belichtung

GoPro

Night Photo · 5 s · ISO 100–800/1600 · 4000 K · RAW · Sharpness Low

Insta360

RAW/Nachtaufnahme · 3–5 s · ISO 800 · 3500–4000 K · Stativ

Dann gilt bei allen Kameras dieselbe Regel:

Aurora zu dunkel → ISO erhöhen oder länger belichten.

Aurora ausgebrannt → ISO reduzieren oder kürzer belichten.

Aurora verschwimmt → kürzer belichten.

Das ist eigentlich die wichtigste Einstellungsanleitung des gesamten Artikels.

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Stativ, Ersatzakku und Kälte

Ein kleines stabiles Stativ gehört für uns zur Grundausrüstung.

Dazu kommt ein Problem, das man beim Fotografieren im Norden schnell kennenlernt:

Kälte reduziert die Leistungsfähigkeit von Akkus.

Ersatzakkus tragen wir deshalb möglichst körpernah und warm. Bei Smartphone und Actioncam kann außerdem eine Powerbank hilfreich sein.

Noch ein praktischer Punkt: Wenn Du eine sehr kalte Kamera anschließend direkt in einen warmen Camper bringst, kann sich Kondenswasser bilden. Deshalb lassen wir der Ausrüstung Zeit, sich langsam an die wärmere Umgebung anzupassen.


Muss man Polarlichtfotos bearbeiten?

Für uns: ja – aber nicht übertreiben.

Vor allem RAW-Aufnahmen bieten viel Spielraum.

Typischerweise korrigieren wir:

Belichtung, Weißabgleich, Lichter, Schatten, Rauschen und etwas Kontrast.

Unser Ziel ist nicht, aus einem schwachen graugrünen Bogen einen radioaktiv leuchtenden Himmel zu machen.

Gerade Polarlichtfotos werden schnell übersättigt.

Wir versuchen deshalb, die Aufnahme so zu entwickeln, dass sie die Stimmung der Nacht möglichst glaubwürdig wiedergibt.


Erst vorhersagen, dann fotografieren

Die besten Kameraeinstellungen helfen Dir wenig, wenn Du nicht weißt, wann sich ein Blick nach draußen lohnt.

In unserem ausführlichen Beitrag zum Kp-Index bei Polarlichtern erklären wir deshalb, was die Werte von Kp 0 bis Kp 9 bedeuten, warum Du im hohen Norden auch bei niedrigem Kp-Index Nordlichter sehen kannst und worauf wir bei der Polarlichtvorhersage achten.

→ Hier intern auf euren gerade optimierten Kp-Index-Artikel verlinken.

Das wäre für mich der wichtigste interne Link des neuen Beitrags.

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Unser Fazit: Die beste Kamera ist die, die Du beherrschst

Für die technisch beste Bildqualität greifen wir weiterhin zu einer DSLR oder Systemkamera mit lichtstarkem Weitwinkelobjektiv. Sie bietet uns die größte Kontrolle und kann insbesondere schnelle Polarlichter mit kurzen Belichtungszeiten sehr gut festhalten.

Das Smartphone hat allerdings enorm aufgeholt. Gerade wenn plötzlich Polarlichter erscheinen und keine Zeit für einen großen Kameraaufbau bleibt, ist es häufig die schnellste Möglichkeit für ein gutes Erinnerungsfoto.

GoPro und Insta360 ersetzen für uns die klassische Kamera nicht. Sie ergänzen sie.

Die GoPro eignet sich hervorragend, wenn wir einen längeren Night Lapse aufnehmen möchten. Eine 360-Grad-Kamera ermöglicht dagegen Perspektiven, bei denen wir den endgültigen Bildausschnitt erst später bestimmen müssen.

Am wichtigsten ist am Ende ohnehin etwas anderes:

Kenne Deine Kamera, bevor das Polarlicht erscheint.

Wenn über Dir plötzlich eine starke Aurora tanzt, möchtest Du nicht zehn Minuten lang im Kameramenü nach ISO und Belichtungszeit suchen.

Speichere Dir deshalb unsere Startwerte, probiere sie bei der nächsten klaren Nacht aus – und passe anschließend vor allem die Belichtungszeit an die Geschwindigkeit des Polarlichts an.

Unsere Essentials für Skandinavien

Die Produkte, die wir beim Camping selbst nutzen oder bewusst ausgewählt haben, haben wir in einer thematischen Amazon-Storefront gebündelt, so dass Du sie leichter durchsuchen kannst.

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Matthias

Nordlandverrückt und gerne draußen unterwegs. Hat Spaß am Fotografieren, Wandern, Packrafting und Mountainbiking. Ab 2026 Vollzeit im Reisemobil unterwegs auf der Suche nach mehr Freiheit und mehr Norden.

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