Ganz im Norden der Nordkyn-Halbinsel liegt mit dem Slettnes Naturreservat eine Landschaft, die so gar nicht dem klassischen Bild von Norwegen entspricht. Keine hohen Berge, keine tief eingeschnittenen Fjorde und kaum Höhenmeter – stattdessen eine weite, baumlose, arktische Küstenebene, kleine Seen, Moore und die offene Barentssee.
Wir waren im Sommer 2026 mit unserem Wohnmobil bei Slettnes und wollten die besondere Landschaft nicht nur vom bekannten Leuchtturm aus erleben. Deshalb machten wir uns am späten Abend zu einer Rundwanderung durch das Naturreservat unter der Mitternachtssonne auf.
Dabei folgten wir zunächst der Küste in Richtung Westen bis nach Steinvåg. Zurück ging es durch das Innere des Reservats. Durch die Mitternachtssonne konnten wir uns dafür viel Zeit lassen – dunkel wird es hier im Hochsommer schließlich nicht.
Das Slettnes Naturreservat bei Gamvik
Das Slettnes Naturreservat liegt nordwestlich von Gamvik unmittelbar an der Barentssee. Geschützt wird hier eine für die Finnmarksküste ungewöhnlich flache Küstenlandschaft aus Heideflächen, Mooren, kleinen Seen und Strandbereichen.
Das Naturreservat umfasst rund 12 Quadratkilometer und wurde 1996 eingerichtet. Seit 2002 gehört Slettnes außerdem zu den international bedeutenden Ramsar-Feuchtgebieten.
Vor allem für Vögel besitzt das Gebiet eine große Bedeutung. Zahlreiche Wat- und Wasservögel nutzen die Küstenebene als Brut- oder Rastgebiet. Auch Kegelrobben lassen sich hier in großer Zahl beobachten. Gleichzeitig finden sich rund um Slettnes Spuren menschlicher Besiedlung aus ganz unterschiedlichen Epochen.
Genau diese Kombination aus Natur und Kultur macht die Wanderung so interessant.
Start unserer Wanderung bei Slettnes
Unser Wohnmobil stellten wir auf dem Parkplatz bei den Koordinaten 71.090733, 28.188450 ab.
Von dort wanderten wir zunächst in westlicher Richtung zur Küste. Große Steigungen muss man bei dieser Tour nicht überwinden. Das Gelände rund um Slettnes ist erstaunlich flach und wirkt dadurch unglaublich weit.
Schon nach kurzer Zeit hatten wir die offene Barentssee vor uns.
Hier bestimmt der Horizont das Landschaftsbild. Gerade am späten Abend unter der Mitternachtssonne entsteht dadurch eine ganz besondere Atmosphäre: Die Sonne steht tief über dem Meer, verschwindet im Sommer aber nicht hinter dem Horizont.
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NORWEGEN OUTDOOR Wanderung und Natur erleben Norwegen erleben wir am liebsten draußen. Natürlich sind schon die Straßen entlang der Fjorde...
Entlang der Barentssee Richtung Steinvåg
Wir folgten der Küste weiter nach Westen. Dieser Abschnitt gehörte für uns zu den schönsten Teilen der Rundwanderung.
Die Küste ist rau und karg. Felsen, niedrige Vegetation und das Meer bestimmen das Bild. Gleichzeitig lohnt es sich, immer wieder stehen zu bleiben und die Umgebung genauer zu beobachten.
Bei unserer Wanderung konnten wir Kegelrobben an der Küste entdecken. Auch Austernfischer waren unterwegs. Mit ihrem schwarz-weißen Gefieder und dem langen roten Schnabel sind sie selbst aus einiger Entfernung gut zu erkennen.
Ein Fernglas gehört für uns bei einer Wanderung durch Slettnes deshalb unbedingt in den Rucksack.
Dann tauchte draußen auf der Barentssee noch ein weiterer Blickfang auf: Während wir an der Küste unterwegs waren, zog eines der Schiffe der Hurtigruten an uns vorbei.
In Verbindung mit der tief stehenden Sonne war das einer dieser Momente, für die man im Norden gerne einfach ein paar Minuten stehen bleibt.
Das Labyrinth von Slettnes
Auf dem Weg nach Steinvåg kamen wir auch an einem der ungewöhnlichsten Kulturdenkmäler von Slettnes vorbei: einem aus Steinen angelegten Labyrinth.
Solche Steinlabyrinthe sind aus verschiedenen Regionen des hohen Nordens bekannt. Das Exemplar bei Slettnes wird vermutlich in die Zeit zwischen etwa 1200 und 1700 eingeordnet. Wozu diese Anlagen ursprünglich dienten, ist nicht abschließend geklärt.
Es gibt unterschiedliche Deutungen, die von Ritualen im Zusammenhang mit Fischfang und Jagd bis zu zeremoniellen Handlungen reichen.
Gerade weil die ursprüngliche Bedeutung heute nicht eindeutig bekannt ist, wirkt das Labyrinth in dieser einsamen Landschaft besonders geheimnisvoll.
Steinvåg: Spuren früherer Besiedlung
Schließlich erreichten wir Steinvåg.
Heute ist von einer Siedlung auf den ersten Blick kaum noch etwas zu erkennen. Wer genauer hinsieht, entdeckt jedoch zahlreiche Spuren menschlicher Nutzung.
Steinvåg war früher ein Handels- und Fischereiplatz. Hier kamen unter anderem norwegische Fischer und russische Pomoren zusammen. Es gab Gebäude für Handel und Fischverarbeitung, und zeitweise gehörten auch ein Geschäft und eine Schule zum kleinen Ort.
Heute erinnern vor allem Fundamente, Mauerreste und andere Spuren im Gelände an diese Zeit. Die letzten dauerhaft hier lebenden Bewohner verließen Steinvåg bereits 1927.
Für uns war dieser Abschnitt besonders spannend. In der scheinbar menschenleeren Landschaft wird plötzlich sichtbar, dass die Küste von Slettnes über viele Jahrhunderte intensiv genutzt wurde.
Dabei reicht die Geschichte der menschlichen Besiedlung der Region noch sehr viel weiter zurück. Im Gebiet von Slettnes wurden Spuren gefunden, die zeigen, dass Menschen diese Küstenlandschaft bereits seit Jahrtausenden nutzen.
Durch das Slettnes Naturreservat zurück
Von Steinvåg liefen wir nicht auf demselben Weg an der Küste zurück. Stattdessen führte unsere Runde durch das Innere des Naturreservats wieder in Richtung Wohnmobil.
Die Landschaft verändert dabei ihren Charakter.
Zwischen Heideflächen liegen zahlreiche kleine Seen, Feuchtgebiete und Moore. Gerade diese Mischung verschiedener Lebensräume macht Slettnes für die Vogelwelt so wertvoll.
Im Gegensatz zum Küstenabschnitt richtet sich der Blick hier weniger auf die Barentssee. Dafür bekommt man einen guten Eindruck von der Weite der arktischen Küstenebene.
Große Höhenunterschiede gibt es auch auf diesem Abschnitt nicht. Trotzdem solltest Du das Gelände nicht unterschätzen. Feuchte Stellen, Steine und unebene Pfade machen feste Schuhe sinnvoll.
Vogelbeobachtung im Slettnes Naturreservat
Slettnes zählt zu den bedeutenden Gebieten für Watvögel an der norwegischen Küste. Mehr als 90 Vogelarten werden hier regelmäßig beobachtet, und zahlreiche Arten brüten im Reservat.
Dazu gehören verschiedene Wat- und Wasservögel sowie Raubmöwen und Seeschwalben.
Gerade während der Brutzeit ist allerdings Rücksicht besonders wichtig. Zwischen Mai und Juli reagieren brütende Vögel empfindlich auf Störungen. In dieser Zeit solltest Du deshalb auf den markierten Natur- und Kulturwegen bleiben und ausreichend Abstand zu den Tieren halten.
Auch für Fotos lohnt es sich, lieber ein Teleobjektiv oder Fernglas zu benutzen, anstatt sich den Vögeln zu nähern.
Mitternachtssonne bei Slettnes
Ein besonderer Grund für unsere abendliche Wanderung war die Mitternachtssonne.
Nordkyn liegt weit nördlich des Polarkreises. Rund um Slettnes geht die Sonne deshalb von Mitte Mai bis Ende Juli nicht unter. Für die Region wird die Zeit der Mitternachtssonne ungefähr vom 12. Mai bis 31. Juli angegeben.
Slettnes eignet sich dafür besonders gut. An der offenen Küste gibt es kaum Hindernisse zwischen Dir und dem nördlichen Horizont.
Für uns veränderte das auch die gesamte Stimmung der Wanderung. Obwohl es immer später wurde, blieb es hell. Die tief stehende Sonne tauchte Landschaft und Meer in warmes Licht, ohne schließlich unterzugehen.
Gerade für eine Wanderung ist das ein ungewöhnliches Erlebnis: Man muss nicht darauf achten, vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück zu sein.
Natürlich gibt es einen Haken: Die Mitternachtssonne garantiert noch keinen freien Blick auf die Sonne. Wolken und Nebel können an der Finnmarksküste auch im Sommer jederzeit einen Strich durch die Rechnung machen.
Wie schwierig ist die Wanderung durch Slettnes?
Technisch ist die Rundwanderung nicht schwierig.
Das Gelände ist überwiegend flach und größere Steigungen fehlen. Eine vergleichbare ausgeschilderte Runde durch das Naturreservat wird mit etwas mehr als sieben Kilometern angegeben.
Trotzdem würden wir feste Wanderschuhe empfehlen. Vor allem im Inneren des Reservats können feuchte und unebene Abschnitte vorkommen.
Außerdem solltest Du das Wetter nicht unterschätzen. Slettnes liegt völlig offen an der Barentssee. Wind, niedrige Temperaturen und schnelle Wetterwechsel gehören hier selbst im Sommer dazu.
Für unsere Runde würden wir neben festen Schuhen vor allem eine winddichte Jacke, etwas zu trinken und ein Fernglas mitnehmen.
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Ganz im Norden der Nordkyn-Halbinsel ragt ein rot-weiß gestreifter Leuchtturm aus der flachen Landschaft: Slettnes Fyr. Mit seiner Lage auf...
Slettnes Naturreservat oder nur zum Leuchtturm?
Viele Besucher fahren vor allem wegen des Slettnes fyr hierher. Der markante rot-weiße Leuchtturm ist schließlich eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten auf Nordkyn.
Wir würden es aber nicht bei einem kurzen Stopp am Leuchtturm belassen.
Erst zu Fuß haben wir erlebt, wie abwechslungsreich die scheinbar karge Landschaft rund um Slettnes tatsächlich ist. Küste, Vogelwelt, die Überreste alter Siedlungen und das Labyrinth machen aus der Runde weit mehr als einen einfachen Spaziergang am Meer.
Wer ausreichend Zeit hat, sollte deshalb ein paar Stunden für das Naturreservat einplanen.
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Unser Fazit zur Wanderung im Slettnes Naturreservat
Unsere Rundwanderung durch das Slettnes Naturreservat war eine der schönsten und einsamsten Wanderungen, die wir im hohen Norden unternommen haben. Die Ausgesetztheit in dieser Region war für uns bei jedem Schritt zu spüren.
Wir liefen bei Mitternachtssonne an der Barentssee entlang, beobachteten Kegelrobben und Austernfischer, sahen ein Hurtigruten-Schiff vor der Küste vorbeiziehen und entdeckten mit dem Labyrinth und den Resten von Steinvåg die Spuren früherer Bewohner.
Auf dem Rückweg durch das Naturreservat zeigte sich noch einmal eine völlig andere Seite von Slettnes.
Wenn Du auf Deiner Reise durch Nordnorwegen nach Nordkyn kommst, würden wir deshalb nicht nur den Leuchtturm besuchen. Nimm Dir Zeit und erkunde Slettnes zu Fuß. Gerade an einem hellen Sommerabend ist die Runde für uns eine der schönsten Möglichkeiten, diese abgelegene Küstenlandschaft zu erleben.
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