Ganz im Norden der Nordkyn-Halbinsel ragt ein rot-weiß gestreifter Leuchtturm aus der flachen Landschaft: Slettnes Fyr. Mit seiner Lage auf gut 71 Grad nördlicher Breite gilt er als der nördlichste Festlandleuchtturm der Welt.
Wir haben Slettnes Fyr im Sommer 2026 besucht. Schon die Lage macht den Leuchtturm für uns zu einem besonderen Ziel in Nordnorwegen. Hinter Gamvik endet die Straße schließlich in einer weiten, nahezu baumlosen Landschaft direkt an der Barentssee.
Dabei lohnt sich nicht nur ein kurzer Fotostopp. Slettnes Fyr besitzt eine spannende Geschichte, kann während der Sommersaison besichtigt werden und liegt mitten im Slettnes Naturreservat, das sich hervorragend zu Fuß erkunden lässt.
Wo liegt Slettnes Fyr?
Slettnes Fyr liegt etwa drei Kilometer nördlich von Gamvik auf der Nordkyn-Halbinsel in der Finnmark. Die geografische Lage bei rund 71°05′ nördlicher Breite macht den Leuchtturm zu einem der außergewöhnlichsten Reiseziele im äußersten Norden Norwegens.
Schon die Fahrt dorthin ist Teil des Erlebnisses. Hinter Gamvik wird die Landschaft immer offener, bis schließlich kaum noch etwas den Blick über die arktische Küstenebene verstellt.
Hohe Berge direkt am Meer, wie man sie von vielen anderen Regionen Norwegens kennt, fehlen hier. Stattdessen steht Slettnes Fyr weithin sichtbar in einer flachen Landschaft aus niedriger Vegetation, Feuchtgebieten und kleinen Seen.
Dahinter beginnt die Barentssee.
Gerade diese exponierte Lage macht den Leuchtturm für uns so eindrucksvoll.
Der nördlichste Festlandleuchtturm der Welt
Slettnes Fyr wird als nördlichster Festlandleuchtturm der Welt bezeichnet. Entscheidend ist dabei das Wort Festland: Es gibt weiter nördlich gelegene Leuchtfeuer und Leuchttürme auf Inseln.
Der Standort wurde nicht zufällig gewählt. Vor der Küste verläuft eine wichtige Schifffahrtsroute zwischen Honningsvåg und Vardø, außerdem liegen Mehamn und Gamvik in unmittelbarer Nähe.
Der Leuchtturm sollte den Schiffsverkehr entlang dieser rauen Küste sicherer machen.
Mit seinen 39 Metern Höhe ist Slettnes Fyr zudem einer der höchsten Leuchttürme Norwegens. Der rot gestrichene Turm mit seinen beiden weißen Bändern hebt sich deutlich von der kargen Landschaft ab.
Die Geschichte von Slettnes Fyr
Die Geschichte des Leuchtturms begann Anfang des 20. Jahrhunderts. Nach rund drei Jahren Bauzeit wurde Slettnes Fyr am 15. September 1905 in Betrieb genommen.
Der erste Leuchtturmwärter war Hans J. Hatteberg, der die Station bis 1921 leitete.
Damals war ein Leuchtturm weit mehr als der einzelne Turm, den man heute zunächst wahrnimmt. Zur Station gehörten Wohn- und Wirtschaftsgebäude, und die Beschäftigten lebten mit ihren Familien an diesem abgelegenen Ort.
1922 erhielt Slettnes zusätzlich ein Nebelhorn.
Während des Zweiten Weltkriegs änderte sich die Funktion der Station grundlegend. Deutsche Streitkräfte nutzten den Leuchtturm als Beobachtungsposten. Das Licht wurde zeitweise gezielt für vorbeifahrende deutsche Konvois eingesetzt.
Als sich die deutschen Truppen 1944 aus der Finnmark zurückzogen, wurde auch Slettnes Fyr gesprengt.
Zerstört und nach dem Krieg wieder aufgebaut
Der Leuchtturm verschwand allerdings nicht vollständig.
Ein erheblicher Teil des gusseisernen Turms überstand die Sprengung. Bereits im Frühjahr 1945 wurde auf dem verbliebenen Turm eine provisorische Gaslaterne installiert.
In den folgenden Jahren begann der Wiederaufbau der gesamten Station. Zwischen 1945 und 1948 entstanden unter anderem neue Wohngebäude, Maschinenhaus, Bootshaus und Kai.
Auch der beschädigte Leuchtturm wurde wiederhergestellt und auf seine heutige Höhe von 39 Metern gebracht.
Wenn Du den Turm besteigst, begegnest Du damit tatsächlich noch Teilen des ursprünglichen Leuchtturms von 1905. Der Wiederaufbau nach dem Krieg gehört deshalb unmittelbar zur Geschichte des heutigen Slettnes Fyr.
139 Stufen bis nach oben
Wer Slettnes Fyr nicht nur von außen sehen möchte, kann den Turm während einer Führung besteigen.
Bis nach oben führen 139 Stufen über neun Treppenabschnitte.
Oben angekommen eröffnet sich der Blick über eine Landschaft, die kaum typischer für den äußersten Norden sein könnte. Auf der einen Seite liegt die offene Barentssee, auf der anderen breitet sich das flache Slettnes Naturreservat aus. In der Ferne erheben sich die Berge der Nordkyn-Halbinsel.
Gerade weil die Umgebung unmittelbar um den Leuchtturm so flach ist, wirkt die Aussicht aus 39 Metern Höhe besonders weit.
Bei klarem Wetter lohnt es sich deshalb, genügend Zeit einzuplanen und nicht nur schnell die Treppen hinauf- und wieder hinunterzulaufen.
Slettnes Fyr und die Mitternachtssonne
Im Sommer kommt noch ein weiterer Grund hinzu, Slettnes zu besuchen: die Mitternachtssonne.
Auf Nordkyn geht die Sonne von Mitte Mai bis Ende Juli nicht unter. Durch die freie Sicht über die Barentssee gehört Slettnes Fyr zu den besonders geeigneten Orten in der Region, um dieses Phänomen zu erleben.
Wir waren im Sommer 2026 hier und fanden gerade das Licht am späten Abend beeindruckend. Die tief stehende Sonne verändert die Farben der ohnehin kargen Landschaft und lässt den rot-weißen Leuchtturm noch stärker hervortreten.
Du bist dabei nicht an klassische Tageszeiten gebunden. Eine Landschaft, die um Mitternacht noch vollständig im natürlichen Licht liegt, gehört für uns zu den Erlebnissen, die eine Reise durch den hohen Norden so besonders machen.
Natürlich bleibt das Wetter der entscheidende Faktor. Wolken und Nebel können an der Barentssee schnell aufziehen – eine Garantie auf freie Sicht auf die Mitternachtssonne gibt es auch in Slettnes nicht.
Das Slettnes Naturreservat direkt vor der Tür
Rund um den Leuchtturm beginnt das Slettnes Naturreservat. Das Schutzgebiet besteht aus einer weiten arktischen Küstenebene mit Mooren, kleinen Seen, niedriger Vegetation und felsigen Abschnitten unmittelbar an der Barentssee.
Gerade für Vogelbeobachter ist die Gegend interessant. Während der Brut- und Zugzeiten halten sich hier zahlreiche Wasser- und Watvögel auf.
Wir haben unseren Besuch am Leuchtturm deshalb mit einer längeren Rundwanderung verbunden. Von unserem Wohnmobil liefen wir zunächst in westlicher Richtung an der Küste entlang, vorbei am alten Steinlabyrinth bis nach Steinvåg. Unterwegs konnten wir unter anderem Kegelrobben und Austernfischer beobachten.
Anschließend ging es durch das Innere des Naturreservats zurück.
→ Unsere komplette Tour findest Du im Beitrag über die [Wanderung durch das Slettnes Naturreservat].
Wenn Du genügend Zeit mitbringst, würden wir diese Kombination einem reinen Fotostopp am Leuchtturm klar vorziehen.
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Ganz im Norden der Nordkyn-Halbinsel liegt mit dem Slettnes Naturreservat eine Landschaft, die so gar nicht dem klassischen Bild von...
Café und Übernachten am Slettnes Fyr
Slettnes Fyr ist heute nicht nur ein historisches Bauwerk. Während der Sommersaison wird die Besuchereinrichtung vom Gamvik Museum betrieben.
Zum Angebot gehören Führungen durch den Leuchtturm und ein Café. Dort werden unter anderem regionale Speisen angeboten.
Eine weitere Besonderheit ist die Möglichkeit, direkt an der ehemaligen Leuchtturmstation zu übernachten. In den früher von den Leuchtturmwärtern genutzten Gebäuden stehen Gästezimmer zur Verfügung.
Damit kannst Du tatsächlich eine Nacht unmittelbar neben dem nördlichsten Festlandleuchtturm der Welt verbringen.
Die Besuchersaison ist vergleichsweise kurz. Üblicherweise werden Führungen und Besucherservice etwa von Mitte Juni bis Mitte August angeboten. Außerhalb dieser Zeit können Gruppen nach vorheriger Vereinbarung empfangen werden.
Seit 1998 steht Slettnes Fyr unter Denkmalschutz
Slettnes Fyr wurde 1998 unter Schutz gestellt.
Dabei geht es nicht nur um den auffälligen Turm. Die gesamte Anlage dokumentiert zwei wichtige Phasen der norwegischen Küstengeschichte: den ursprünglichen Leuchtturmbau Anfang des 20. Jahrhunderts und den Wiederaufbau der Finnmark nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die Gebäude gruppieren sich dicht um den hohen Turm und bilden bis heute eine weitgehend zusammenhängende Leuchtturmstation.
Eigentümer ist der norwegische Staat, vertreten durch das Kystverket. Der Besuchsbetrieb wird in Zusammenarbeit mit dem Gamvik Museum organisiert.
Automatisierung beendete 100 Jahre Leuchtturmwärter-Geschichte
Lange Zeit war Slettnes ein Arbeitsplatz, an dem Menschen dauerhaft oder während ihrer Schichten lebten.
Bis 1973 wohnten die Beschäftigten teilweise gemeinsam mit ihren Familien an der Station. Danach waren während der Dienstzeiten weiterhin Mitarbeiter vor Ort.
Erst 2005 wurde Slettnes Fyr vollständig automatisiert und nicht mehr regulär bemannt.
Damit endete ziemlich genau 100 Jahre nach der Inbetriebnahme eine Epoche. Der Leuchtturm selbst erfüllt seine Aufgabe als Navigationshilfe jedoch weiterhin.
Sein weißes Licht ist nach Angaben des Kystverket rund 17,6 Seemeilen weit sichtbar und gibt alle 20 Sekunden ein Lichtsignal ab.
Lohnt sich Slettnes Fyr?
Für uns eindeutig ja.
Natürlich ist allein die Vorstellung spannend, am nördlichsten Festlandleuchtturm der Welt zu stehen. Noch interessanter wird der Besuch aber durch die Umgebung.
Die Barentssee, das arktische Licht, die Tierwelt, das Naturreservat und die Geschichte des Leuchtturms gehören hier unmittelbar zusammen.
Wenn Du nur kurz anhältst, kannst Du den Leuchtturm ansehen und ein paar Fotos machen. Wir würden jedoch deutlich mehr Zeit einplanen. Besonders im Sommer bietet es sich an, den Besuch mit einer Wanderung durch das Slettnes Naturreservat zu verbinden.
Unser Fazit zu Slettnes Fyr
Slettnes Fyr war für uns im Sommer 2026 weit mehr als nur ein weiterer Leuchtturm entlang unserer Reise durch Norwegen.
Die abgelegene Lage auf Nordkyn, der Blick über die Barentssee und die Mitternachtssonne sorgen bereits für eine außergewöhnliche Atmosphäre. Dazu kommt eine Geschichte, die vom Bau Anfang des 20. Jahrhunderts über Zerstörung und Wiederaufbau bis zur heutigen automatisierten Leuchtturmstation reicht.
Besonders gut gefallen hat uns die Kombination aus Leuchtturm und Naturreservat. Erst dadurch wird aus dem Besuch ein richtiges Erlebnis.
Wenn Deine Route durch die Finnmark nach Gamvik führt, solltest Du Slettnes Fyr deshalb nicht nur als kurzen Fotostopp einplanen. Nimm Dir ein paar Stunden Zeit, erkunde die Umgebung und verbinde den Besuch mit einer Wanderung durch das Slettnes Naturreservat.
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