Schon von weitem sieht der Torghatten ungewöhnlich aus. Der markante Berg erhebt sich südlich von Brønnøysund an der Helgelandküste und besitzt eine Besonderheit, die Du in Norwegen nicht allzu häufig findest: Ein riesiges natürliches Loch führt einmal komplett durch den Berg.
Genau dort wollten wir bei unserer Reise im Sommer 2023 natürlich hin. Wir übernachteten mit unserem Wohnmobil auf dem Campingplatz direkt am Torghatten und konnten die Wanderung deshalb ganz entspannt mit unserem Aufenthalt verbinden.
Dabei sind wir nicht die inzwischen ausgebaute komplette Rundtour gegangen. Unser Ziel war das berühmte Felsloch selbst. Wir wanderten hinauf, durchquerten den Torghatten vollständig und gingen anschließend durch das Loch auf demselben Weg wieder zurück.
Torghatten – der Berg mit dem Loch
Der Torghatten liegt auf der Insel Torget südlich von Brønnøysund. Der Berg gehört zu den bekanntesten Natursehenswürdigkeiten an der Helgelandküste und liegt direkt an der Norwegischen Landschaftsroute Helgelandskysten.
Seinen Namen verdankt der Berg seiner charakteristischen Form. Aus der Entfernung erinnert seine Silhouette an einen Hut – und mitten durch diesen vermeintlichen Hut führt ein riesiges Loch.
Das Felsloch ist ungefähr 160 Meter lang und 35 Meter hoch. Diese Dimensionen werden einem allerdings erst richtig bewusst, wenn man selbst darin steht. Von außen wirkt die Öffnung bereits groß, im Inneren erinnert sie eher an eine gewaltige natürliche Halle.
Heute kannst Du den Torghatten auf gut ausgebauten Wegen erkunden. Die Infrastruktur rund um den Berg wurde in den vergangenen Jahren grundlegend erneuert und 2024 offiziell eröffnet.
Unsere Wanderung zum Torghatten
Wir waren im Sommer 2023 am Torghatten und hatten einen großen Vorteil: Unser Wohnmobil stand auf dem Campingplatz direkt beim Berg. Dadurch mussten wir für die Wanderung keine zusätzliche Anfahrt einplanen.
Mittlerweile gibt es am Torghatten einen neuen offiziellen Wanderparkplatz mit Servicegebäude. Er liegt bei:
65.3959, 12.0974
Von dort beginnt das neu gestaltete Wegenetz rund um den Berg. Der komplette offizielle Rundweg ist etwa drei Kilometer lang und führt durch unterschiedliche Landschaften rund um den Torghatten.
Wir entschieden uns allerdings für eine andere Variante. Unser eigentliches Ziel war das berühmte Loch, deshalb wanderten wir auf direktem Weg hinauf, durchquerten den Berg und gingen anschließend denselben Weg durch das Felsloch wieder zurück.
Aufstieg zum Loch im Torghatten
Der Wanderweg ist inzwischen sehr gut ausgebaut. Natursteinstufen führen bergauf und erleichtern den Aufstieg über das teilweise steile Gelände.
Beim Ausbau wurden auch Sherpas eingesetzt, wie man es mittlerweile von verschiedenen bekannten Wanderwegen in Norwegen kennt. Zusätzlich wurden Bereiche gesichert und der Verlauf des Weges verändert, um problematische Felspassagen zu umgehen.
Dadurch ist die Wanderung technisch nicht besonders schwierig. Trotzdem solltest Du vernünftige Schuhe tragen. Gerade im Bereich des Felslochs können Steine und Stufen feucht und entsprechend rutschig sein.
Je höher Du kommst, desto eindrucksvoller wird die Öffnung im Berg. Irgendwann stehst Du schließlich unmittelbar davor und merkst erst, welche Dimension das Torghatten-Loch tatsächlich besitzt.
Durch das berühmte Loch im Torghatten
Für uns war die Durchquerung eindeutig der Höhepunkt der Wanderung. Der Weg führt tatsächlich komplett durch den Berg hindurch.
Mit rund 160 Metern Länge ist das kein kleiner Felsspalt. Im Inneren öffnet sich ein riesiger Raum, dessen Decke teilweise rund 35 Meter über Dir liegt.
Das Tageslicht fällt von beiden Seiten in die Öffnung, sodass Du keine Höhlenausrüstung benötigst. Trotzdem verändert sich die Atmosphäre beim Betreten sofort. Die Geräusche werden anders, die Felswände ragen über Dir auf und am gegenüberliegenden Ende rahmt die Öffnung bereits wieder die Küstenlandschaft ein.
Aussicht auf der anderen Seite
Wir gingen vollständig durch das Loch hindurch und auf der anderen Seite noch so weit, dass wir die Aussicht genießen konnten.
Von hier öffnet sich der Blick auf die Inselwelt der Helgelandküste. Meer, kleine Inseln und felsige Küstenabschnitte bilden einen starken Kontrast zum dunklen Fels des Torghatten.
Du solltest deshalb nicht nur bis in die Mitte des Lochs laufen und dort wieder umdrehen. Die Perspektive auf der anderen Seite gehört für uns unbedingt zur Wanderung dazu.
Unser Rückweg durch das Torghatten-Loch
Statt dem heute möglichen Rundweg um den Berg zu folgen, entschieden wir uns dafür, durch das Loch zurückzugehen.
Damit konnten wir die ungewöhnliche Felshalle ein zweites Mal erleben – diesmal aus der entgegengesetzten Richtung.
Gerade beim Fotografieren ergeben sich dadurch völlig andere Perspektiven. Licht und Landschaft erscheinen durch die gegenüberliegende Öffnung anders als beim Hinweg.
Wie schwierig ist die Torghatten-Wanderung?
Die Wanderung zum und durch das Loch würden wir als einfach einstufen. Der Weg ist inzwischen sehr gut ausgebaut und die Steintreppen erleichtern den Aufstieg deutlich.
Ein gemütlicher Spaziergang auf völlig ebenem Untergrund ist es trotzdem nicht. Du musst einige Höhenmeter überwinden und im Bereich des Berglochs über Treppen und felsigen Untergrund gehen.
Für Wanderer mit normaler Kondition stellt die Tour bei guten Bedingungen aber keine große Herausforderung dar.
Bei Nässe würden wir etwas mehr Zeit einplanen. Gerade Stein- und Metallstufen können rutschig werden.
Wie lang ist die Torghatten-Wanderung?
Bei den Entfernungsangaben im Internet solltest Du inzwischen genau hinschauen. Viele aktuelle Angaben beziehen sich auf den neu angelegten kompletten Rundweg und nicht nur auf den direkten Weg zum Loch.
Der neue Rundweg umfasst ungefähr drei Kilometer und verbindet das Felsloch mit Birkenwald und der offenen Küstenlandschaft.
Wir sind diese Runde nicht gegangen.
Unsere Tour führte vom Bereich des Campingplatzes beziehungsweise Wanderstarts zum Felsloch, durch den Torghatten hindurch und anschließend auf derselben Strecke wieder zurück. Deshalb übernehmen wir für unsere Wanderung bewusst keine Kilometer- oder Zeitangabe einer anderen Route.
Wie entstand das Loch im Torghatten?
Natürlich stellt sich spätestens beim Durchqueren die Frage, wie ein derart großes Loch mitten in einem Berg entstehen konnte.
Seine Entstehung hängt mit der Landschaftsentwicklung während und nach den Eiszeiten zusammen. Meer, Frost und Verwitterung wirkten über lange Zeit auf Schwächezonen im Gestein ein. Lockereres Material wurde nach und nach entfernt, während widerstandsfähigeres Gestein erhalten blieb.
Dabei muss man bedenken, dass der Meeresspiegel relativ zum Land nach der Eiszeit völlig anders lag als heute. Nachdem die schweren Eismassen verschwunden waren, hob sich die zuvor heruntergedrückte Erdkruste langsam wieder an.
Das ehemalige Brandungsniveau liegt deshalb heute deutlich oberhalb des aktuellen Meeresspiegels. Zurück blieb schließlich die riesige Öffnung, die wir heute durchwandern können.
Die Sage vom Loch im Torghatten
Natürlich besitzt ein derart ungewöhnlicher Berg in Norwegen auch eine eigene Sage. Sie verbindet gleich mehrere markante Berge entlang der Helgelandküste miteinander und erklärt auf ihre ganz eigene Weise, wie das riesige Loch im Torghatten entstanden sein soll. Der Sage nach verfolgt der Reiter Hestmannen die schöne Lekamøya und schießt schließlich einen Pfeil auf sie.
Doch der Trollkönig von Sømna greift ein und wirft seinen Hut in die Flugbahn, um Lekamøya vor dem Pfeil zu schützen. Der Pfeil durchschlägt den Hut und hinterlässt darin ein gewaltiges Loch. Bevor die Geschichte weitergehen kann, geht die Sonne auf und die beteiligten Gestalten erstarren zu Stein. Noch heute sollen ihre versteinerten Formen als Berge entlang der Helgelandküste zu erkennen sein.
Der vom Pfeil durchbohrte Hut ist der heutige Torghatten. Wenn Du den markanten Berg selbst vor Dir siehst, braucht es tatsächlich nicht besonders viel Fantasie, um in seiner Form einen riesigen Hut zu erkennen – und das große Loch mitten im Fels macht die alte Sage gleich noch ein bisschen anschaulicher.
Torghatten Camping – Übernachten direkt am Berg
Für uns war es ideal, die Wanderung mit einer Übernachtung auf dem Torghatten Camping zu verbinden. Wir standen dort im Sommer 2023 mit unserem Wohnmobil auf einem normalen Stellplatz und konnten den Torghatten dadurch ganz entspannt erkunden. Der große Vorteil des Campingplatzes ist für uns ganz klar seine Lage: Der markante Berg befindet sich praktisch direkt vor der Tür und die Wanderung lässt sich ohne zusätzliche Anfahrt mit dem Aufenthalt verbinden.
Wir konnten unser Wohnmobil einfach auf dem Campingplatz stehen lassen und zu Fuß zur Wanderung aufbrechen. Gerade auf einem längeren Roadtrip entlang der Helgelandküste mögen wir solche Übernachtungsplätze besonders gerne. Statt eine Sehenswürdigkeit nur als kurzen Zwischenstopp mitzunehmen, kannst Du in Ruhe ankommen, übernachten und die Umgebung zu Fuß erkunden. Nach der Wanderung geht es direkt zurück zum Wohnmobil – für uns eine sehr entspannte Art, den Torghatten zu besuchen.
Campingplatz oder Wanderparkplatz am Torghatten?
Wenn Du lediglich die Wanderung machen möchtest, brauchst Du natürlich keinen Campingplatz. Am offiziellen Ausgangspunkt befindet sich inzwischen ein großer Parkplatz.
Dort wurde 2024 außerdem ein neues Servicegebäude mit Toiletten und Informationen eröffnet. Die Toiletten sind nach aktuellem offiziellen Stand saisonal vom 1. Mai bis 1. Oktober geöffnet. Eine Entleerung von Wohnmobil- oder Wohnwagentoiletten ist dort ausdrücklich nicht vorgesehen.
Wenn Du dagegen ohnehin mit dem Wohnmobil an der Helgelandküste unterwegs bist und in der Gegend übernachten möchtest, würden wir den Campingplatz bevorzugen. Für uns war es wesentlich entspannter, das Fahrzeug dort stehen zu lassen und Torghatten direkt mit der Übernachtung zu verbinden.
Torghatten auf einem Roadtrip entlang der Helgelandküste
Der Torghatten lässt sich hervorragend in einen Roadtrip entlang der Helgelandskysten einbauen. Die Norwegische Landschaftsroute führt durch eine beeindruckende Küstenlandschaft mit Fjorden, Bergen, unzähligen Inseln und mehreren Fährpassagen. Dabei lohnt es sich, nicht nur der eigentlichen Route zu folgen, sondern immer wieder Zeit für kleinere Abstecher einzuplanen.
Einer davon führt auf die Insel Torget südlich von Brønnøysund zum Torghatten. Durch die kurze Wanderung und die Möglichkeit, direkt am Berg zu übernachten, lässt sich der Besuch sehr gut als Etappenziel einplanen. Wenn Du mit dem Wohnmobil entlang der Helgelandküste unterwegs bist, würden wir für den Torghatten deshalb ausreichend Zeit einplanen, anstatt ihn lediglich als kurzen Fotostopp auf der Durchreise mitzunehmen.
Was solltest Du für die Torghatten-Wanderung mitnehmen?
Viel Ausrüstung brauchst Du für diese Wanderung nicht. Gute Schuhe mit griffiger Sohle würden wir trotzdem empfehlen, da Du über zahlreiche Stein- und Metallstufen läufst.
Eine leichte Regenjacke gehört bei uns in Norwegen ohnehin fast immer in den Rucksack. Durch die Nähe zur Küste kann sich das Wetter schnell verändern.
Vor allem würden wir aber eine Kamera mitnehmen. Das Felsloch bietet zahlreiche ungewöhnliche Perspektiven und die Aussicht durch die Öffnung auf die Landschaft gehört für uns zu den schönsten Motiven der Tour.
Lohnt sich die Wanderung zum Torghatten?
Für uns eindeutig ja. Das riesige Loch im Torghatten sieht bereits auf Fotos beeindruckend aus, seine tatsächlichen Dimensionen lassen sich darauf aber nur schwer erfassen. Erst wenn Du selbst in der gewaltigen Öffnung stehst und durch den Berg hindurch auf die Küstenlandschaft auf der anderen Seite blickst, bekommst Du ein Gefühl dafür, wie außergewöhnlich dieser Ort wirklich ist.
Gleichzeitig musst Du für dieses Erlebnis keine lange oder besonders anspruchsvolle Tagestour einplanen. Der Weg ist überschaubar und inzwischen sehr gut ausgebaut, sodass sich die Wanderung hervorragend als Zwischenstopp auf einem Roadtrip entlang der Helgelandküste eignet. Für uns gehört der Torghatten deshalb zu den Orten, für die sich der Abstecher von der eigentlichen Route definitiv lohnt.
Unser Fazit zum Torghatten
Der Torghatten war für uns weit mehr als nur ein kurzer Fotostopp. Wir wollten das berühmte Loch nicht nur von außen sehen, sondern einmal vollständig durch den Berg hindurchlaufen.
Genau das würden wir auch wieder machen. Der Aufstieg ist überschaubar, das Felsloch beeindruckend und auf der anderen Seite wartet zusätzlich eine tolle Aussicht auf die Inselwelt der Helgelandküste.
Dass wir mit unserem Wohnmobil direkt am Torghatten Camping übernachten konnten, machte den Besuch für uns besonders unkompliziert. Wohnmobil abstellen, zu Fuß zum Berg laufen und anschließend wieder entspannt zum Campingplatz zurückkehren – viel besser lässt sich eine solche Sehenswürdigkeit auf einem Roadtrip kaum einbauen.
Wenn Du auf der Helgelandküste unterwegs bist, würden wir den Torghatten deshalb nicht nur aus der Ferne anschauen. Geh hinauf und einmal durch den Berg hindurch – erst dann zeigt der Torghatten, warum er zu den bekanntesten Natursehenswürdigkeiten dieser Küste gehört.
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