Wer auf dem Weg zum Nordkap durch die Finnmark fährt, muss nicht zwangsläufig der direkten Route nach Norden folgen. Bei Smørfjord zweigt eine Straße nach Westen ab, die Dich immer weiter hinaus an die raue Küste führt. Spätestens ab Kokelv beginnt mit der Norwegischen Landschaftsroute Havøysund eine der abgelegeneren Touristenstraßen Norwegens.
Wir sind diese Strecke im Sommer 2026 gefahren und haben unseren Roadtrip nicht einfach in Havøysund beendet. Unser eigentliches Ziel lag noch ein Stück weiter: das Arctic View auf dem Havøygavlen, hoch über der Barentssee und mitten im nördlichsten Windpark der Welt. Genau dort endet die Straße schließlich endgültig.
Von Smørfjord zur Landschaftsroute Havøysund
Unsere Tour beginnt in Smørfjord, wo die Fv889 von der E69 Richtung Nordkap abzweigt. Wenn Du von hier der Straße Richtung Kokelv folgst, lässt Du die stark frequentierten Hauptroute zum Nordkap hinter Dir und fährst stattdessen immer weiter nach Westen. Schon dieser erste Abschnitt vermittelt einen guten Eindruck davon, was Dich später erwartet: viel Landschaft, wenig Verkehr und immer wieder weite Ausblicke über die Finnmark.
Die Norwegische Landschaftsroute Havøysund beginnt offiziell erst in Kokelv. Von dort führt sie auf der Fv889 über 67 Kilometer bis nach Havøysund.
Ab Kokelv beginnt die offizielle Landschaftsroute
In Kokelv beginnt schließlich die eigentliche Norwegische Landschaftsroute Havøysund. Von hier gibt es im Grunde nur noch eine Richtung: weiter hinaus zur Küste.
Die Fv889 folgt dabei keinem gleichförmigen Landschaftsbild. Mal verläuft die Straße direkt am Wasser, dann geht es wieder hinauf durch kahle Felslandschaften. Fjorde schneiden tief ins Land ein und hinter jeder Kurve verändert sich der Blick.
Mit einer Länge von nur 67 Kilometern wirkt die offizielle Landschaftsroute auf dem Papier zunächst kurz. Für uns ist sie aber definitiv keine Strecke, die man einfach schnell abfahren sollte. Dafür gibt es unterwegs zu viele Stellen, an denen sich ein Stopp lohnt.
Storberget – der erste offizielle Aussichtspunkt
Kurz hinter Kokelv erreichst Du mit Storberget einen der offiziellen Aussichtspunkte der Landschaftsroute. Von hier öffnet sich der Blick erstmals weit über Fjord und Küstenlandschaft.
Der Rastplatz liegt oberhalb des Flusses Russelva und eignet sich gut für einen ersten Halt. Gerade wenn Du zuvor aus Richtung Smørfjord gekommen bist, verändert sich hier der Charakter der Strecke spürbar.
Ab jetzt wird die Landschaft zunehmend rauer. Die Straße führt immer weiter in eine Gegend, in der Siedlungen selten und die Abstände zwischen den Häusern groß werden.
Zwischen Fjorden und kahlen Felsen
Was uns an der Landschaftsroute Havøysund besonders gefallen hat, ist der ständige Wechsel. Die Straße folgt nicht einfach nur der Küste, sondern führt durch eine Mischung aus Fjorden, offenen Hochebenen und zerklüfteten Felslandschaften.
Bäume verschwinden zunehmend aus dem Landschaftsbild. Stattdessen dominieren niedrige Vegetation, Felsen und Wasser. Dazu kommt das Wetter, das hier draußen einen erheblichen Einfluss darauf hat, wie Du die Strecke erlebst.
Bei Sonne können die Fjorde intensiv blau leuchten. Ziehen Wolken auf, wirkt dieselbe Landschaft innerhalb kurzer Zeit deutlich rauer und dramatischer. Genau diese wechselnde Stimmung gehört für uns zu den großen Reizen der Strecke.
Auch Rentiere können Dir entlang der Fv889 begegnen. Entsprechend solltest Du trotz des häufig geringen Verkehrs immer aufmerksam fahren.
Lillefjord – Rastplatz und kleiner Wasserfall
Etwa auf halber Strecke liegt Lillefjord am Ende eines schmalen Fjordarms. Hier wurde einer der aufwendigeren Rastplätze der Landschaftsroute angelegt.
Eine Fußgängerbrücke über den Fosseelva verbindet mehrere Möglichkeiten miteinander: Es gibt einen Unterstand, Sitzmöglichkeiten und Toiletten. Gleichzeitig beginnt hier ein kurzer Wanderweg entlang des Flusses in Richtung Wasserfall.
Wenn Du genügend Zeit hast, kannst Du Dir hier deshalb etwas länger die Beine vertreten. Gerade bei einem Roadtrip mit dem Wohnmobil finden wir solche kurzen Spaziergänge unterwegs ideal – man sieht mehr von der Landschaft und sitzt nicht den ganzen Tag hinter dem Lenkrad.
Die Toiletten am Rastplatz sind normalerweise saisonal geöffnet. Eine Wohnmobiltoilette darfst Du dort allerdings nicht entsorgen. Dafür gibt es später in Havøysund eine richtige Ver- und Entsorgungsstation.
Snefjord – geschützter Rastplatz am Meer
Weiter nördlich erreichst Du Snefjord. Der kleine Rastplatz liegt dort, wo der Snefjordelva in den Fjord mündet.
Eine Besonderheit sind die drei Rastboxen. Sie wurden so angeordnet, dass Du je nach Windrichtung einen geschützten Platz finden kannst. An einer Küste, an der kräftiger Wind alles andere als ungewöhnlich ist, ergibt diese Architektur durchaus Sinn.
Von hier reicht der Blick weit hinaus Richtung Meer. Snefjord ist deshalb ein schöner kurzer Stopp, bevor die Straße anschließend wieder durch die einsamere Küstenlandschaft führt.
Selvika – einer der schönsten Stopps der Strecke
Einer der bekanntesten Rastplätze entlang der Landschaftsroute ist Selvika. Schon die Lage direkt an einer geschützten Bucht macht diesen Abschnitt besonders.
Hier lohnt es sich, nicht nur aus dem Wohnmobil auszusteigen und ein schnelles Foto zu machen. Die Landschaft rund um die Bucht zeigt sehr schön, weshalb die Fahrt nach Havøysund als eigene Norwegische Landschaftsroute ausgezeichnet wurde.
Auf den letzten Kilometern Richtung Havøysund wird die Umgebung anschließend noch einmal deutlich felsiger. Die Straße schlängelt sich zwischen Wasser und steilen Gesteinsformationen hindurch und vermittelt immer stärker das Gefühl, tatsächlich bis ans Ende der Straße zu fahren.
Havøysund – Fischerdorf am Ende der Fv889
Schließlich erreichst Du Havøysund auf der Insel Havøya. Der Ort liegt ungefähr auf 71 Grad nördlicher Breite und lebt traditionell stark vom Meer und von der Fischerei.
Nach den vielen Kilometern durch dünn besiedelte Landschaft wirkt Havøysund überraschend lebendig. Hier findest Du Einkaufsmöglichkeiten und kannst Deine Vorräte ergänzen. Außerdem legen Schiffe der norwegischen Küstenroute in Havøysund an.
Für uns war Havøysund allerdings noch nicht das Ende des Roadtrips. Bevor wir weiter zum Arctic View gefahren sind, gibt es hier noch einen für Wohnmobilreisende besonders praktischen Stopp.
Kostenlose Ver- und Entsorgung für Wohnmobile in Havøysund
Am Hafen von Havøysund findest Du eine Ver- und Entsorgungsstation für Wohnmobile. Wir haben sie bei unserer Reise im Sommer 2026 als kostenlose Station vorgefunden.
Adresse:
Strandgata 121
9690 Havøysund
Norwegen
Gerade auf einer längeren Reise durch die Finnmark ist eine solche Möglichkeit sehr praktisch. An den normalen Rastplätzen der Landschaftsroute darfst Du die Wohnmobiltoilette ausdrücklich nicht entsorgen. Die offizielle Information zur Landschaftsroute verweist dafür ebenfalls auf Havøysund.
Da sich Ausstattung und Gebühren kommunaler Stationen ändern können, würden wir uns allerdings nicht darauf verlassen, dass die Nutzung dauerhaft kostenlos bleibt. Im Sommer 2026 konnten wir die Station kostenlos nutzen.
Von Havøysund hinauf zum Havøygavlen
Hinter Havøysund wartet noch einmal ein komplett anderer Abschnitt. Statt zurückzufahren, folgst Du der Beschilderung zum Arctic View und fährst hinauf auf den Havøygavlen.
Dabei gewinnst Du schnell an Höhe. Havøygavlen ist mit rund 290 Metern der höchste Punkt der Insel Havøya. Schon während der Auffahrt werden die Ausblicke auf Havøysund, die umliegenden Inseln und das Meer immer beeindruckender.
Gleichzeitig tauchen vor Dir die ersten Windräder auf. Und davon gibt es hier oben einige.
Durch den nördlichsten Windpark der Welt
Auf dem Havøygavlen wurde bereits 2002 ein Windpark errichtet. Aufgrund seiner Lage weit oberhalb des Polarkreises gilt Havøygavlen als der nördlichste Windpark der Welt.
Die Fahrt mitten durch die Anlage ist schon für sich ein ungewöhnliches Erlebnis. Die Windräder stehen in einer fast baumlosen Felslandschaft hoch über dem Meer und wirken dadurch noch einmal imposanter.
Dass ausgerechnet hier Windenergie genutzt wird, überrascht kaum. Havøya liegt vollkommen ungeschützt gegenüber der Barentssee und entsprechend windig kann es auf dem Plateau werden. Bei unserem Besuch war der Wind so stark, dass wir uns kaum auf den Beinen halten konnten.
Die Straße führt immer weiter durch den Windpark bis fast an die nordwestliche Spitze der Insel. Genau dort wartet unser eigentliches Ziel.
Arctic View – unser Ziel am Ende der Straße
Am Ende unserer Tour erreichten wir den Parkplatz bei
71.019169, 24.563206
und damit das Arctic View.
Schon die Lage ist außergewöhnlich. Du stehst hoch über der Barentssee, während sich vor Dir praktisch nur noch Meer und Inseln ausbreiten. Bei guter Sicht kannst Du von hier weit über die Inselwelt der Finnmark schauen.
Das Arctic View ist gleichzeitig Aussichtspunkt und Restaurant. Besonders im Sommer ist der Ort interessant, weil Du von hier oben einen nahezu freien Blick Richtung Mitternachtssonne hast.
Für uns ist das Arctic View deshalb das perfekte Finale der Landschaftsroute Havøysund. Die offizielle Touristenstraße endet zwar unten im Ort, aber wenn Du schon bis hierher gefahren bist, würden wir die zusätzlichen Kilometer auf den Havøygavlen unbedingt noch mitnehmen.
Das Restaurant Arctic View
Direkt am Aussichtspunkt befindet sich das Restaurant Arctic View. Seine Lage könnte kaum spektakulärer sein: hoch über der Barentssee und mitten in der kargen Landschaft des Havøygavlen.
Gerade nach der Fahrt von Smørfjord über Kokelv und die komplette Landschaftsroute ist ein Essen hier ein schöner Abschluss des Roadtrips. Durch die großen Fenster blickst Du hinaus auf das Meer und die umliegenden Inseln.
Da das Restaurant saisonal betrieben wird und sich Öffnungszeiten ändern können, solltest Du vor Deiner Fahrt prüfen, ob es geöffnet ist. Wir würden den Abstecher zum Arctic View allerdings auch dann machen, wenn das Restaurant geschlossen sein sollte. Allein die Aussicht und die Fahrt durch den Windpark sind den zusätzlichen Weg wert.
Mitternachtssonne am Arctic View
Im Sommer liegt ein weiterer Reiz des Havøygavlen in seiner freien Sicht nach Norden und Westen. Rund um die Zeit der Mitternachtssonne verschwindet die Sonne hier wochenlang nicht unter dem Horizont.
Im Gegensatz zu vielen Aussichtspunkten auf Meereshöhe stehst Du am Arctic View hoch über der Küste. Dadurch bekommst Du einen besonders weiten Blick über die Barentssee und die vorgelagerten Inseln.
Wenn Wetter und Reiseplanung mitspielen, würden wir deshalb überlegen, die Fahrt so zu legen, dass Du erst am Abend am Arctic View ankommst. Allerdings solltest Du dabei bedenken, dass Wind und Wetter hier oben sehr schnell wechseln können.
Ist die Landschaftsroute Havøysund mit dem Wohnmobil geeignet?
Wir sind die Strecke selbst gefahren und würden sie auch mit dem Wohnmobil wieder einplanen. Die Fv889 ist zwar deutlich kleiner als die großen Europastraßen der Finnmark, aber genau das gehört zum Charakter dieser Tour.
Du solltest Dir ausreichend Zeit nehmen und nicht versuchen, die Strecke möglichst schnell abzuhaken. Gegenverkehr, Rentiere, Wind und natürlich die vielen Fotostopps sorgen ohnehin dafür, dass aus 67 Kilometern schnell ein halber Reisetag wird.
Etwas mehr Aufmerksamkeit verlangt die zusätzliche Auffahrt zum Arctic View. Sie führt hinauf durch den Windpark und ist teilweise steiler und rauer als die eigentliche Landschaftsroute. Dafür wartet am Ende einer der ungewöhnlichsten Aussichtspunkte dieser Reise.
Wie viel Zeit solltest Du für die Landschaftsroute Havøysund einplanen?
Rein von der Fahrzeit könntest Du die Strecke natürlich relativ schnell zurücklegen. Das würde der Landschaftsroute aber nicht gerecht.
Wenn Du in Smørfjord startest, mehrere Aussichtspunkte anfährst, in Lillefjord einen kleinen Spaziergang machst, Havøysund anschaust und anschließend noch zum Arctic View fährst, würden wir daraus mindestens einen entspannten Tagesausflug machen.
Noch besser passt die Strecke in einen Roadtrip, bei dem Du nicht unter Zeitdruck stehst. Gerade die einsamen Abschnitte zwischen den Fjorden gehören zu den Orten, an denen wir gerne spontan anhalten, wenn uns eine Aussicht gefällt.
Landschaftsroute Havøysund oder Nordkap?
Die Landschaftsroute Havøysund wird häufig als Ergänzung zum Nordkap beschrieben – und genau so würden wir sie auch sehen. Beide Ziele liegen weit im Norden der Finnmark, fühlen sich aber vollkommen unterschiedlich an.
Das Nordkap ist eines der bekanntesten Reiseziele Norwegens. Auf der Strecke nach Havøysund geht es dagegen deutlich ruhiger zu. Statt eines einzelnen berühmten Endpunkts ist hier vor allem die Fahrt selbst das Erlebnis.
Und trotzdem gibt es am Ende einen Ort, der ein wenig dieses Gefühl vom Ende der Welt vermittelt: den Havøygavlen mit dem Arctic View hoch über der Barentssee.
Unser Fazit zur Landschaftsroute Havøysund
Die Landschaftsroute Havøysund gehört für uns zu den Straßen, die zeigen, warum ein Roadtrip durch Nordnorwegen so besonders ist. Auf nur 67 offiziellen Kilometern wechseln Fjorde, kahle Berge, Felslandschaften und offene Küstenabschnitte ständig miteinander.
Wir würden die Tour wieder in Smørfjord beginnen, ab Kokelv der offiziellen Landschaftsroute folgen und Havøysund nicht als endgültiges Ziel betrachten. Der Abstecher hinauf auf den Havøygavlen macht für uns den Roadtrip erst komplett.
Wenn Du schließlich durch den Windpark fährst und am Arctic View bei 71.019169, 24.563206 vor der Barentssee stehst, bist Du tatsächlich ziemlich weit draußen angekommen. Und genau dieses Gefühl passt perfekt zu einer Straße, die Dich immer weiter hinaus an die Küste der Finnmark führt.
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