Hoch über dem kleinen Fischerdorf Hamningberg liegen auf dem Hügel Harbakken die Überreste einer deutschen Küstenbatterie aus dem Zweiten Weltkrieg. Von unten ist kaum zu erkennen, wie umfangreich die Anlage einmal war. Erst wenn Du den Hügel hinaufwanderst, tauchen zwischen Felsen und niedriger Vegetation immer mehr ehemalige Stellungen, Betonreste und Bunker auf.
Wir haben die Hamningberg Batteri im Sommer 2026 besucht. Ausgangspunkt unserer Wanderung war der große Wohnmobilstellplatz am Ortseingang von Hamningberg. Von dort ist es nur eine kurze Tour hinauf zur ehemaligen HKB 3/448 Hamningberg. Neben den militärhistorischen Überresten lohnt sich der Weg vor allem wegen der Lage: Vom Gelände der Batterie hast Du einen großartigen Blick über Hamningberg und die raue Küste an der Barentssee.
Vom Wohnmobilstellplatz zur Hamningberg Batteri
Ausgangspunkt für unsere Wanderung war der große Wohnmobilstellplatz bei Hamningberg, den wir bereits in unserem Beitrag über die Fahrt von Vardø nach Hamningberg vorgestellt haben. Von hier kannst Du direkt zu Fuß starten und musst das Wohnmobil nicht noch einmal umparken.
Der Weg führt hinauf auf den niedrigen Höhenzug oberhalb von Hamningberg. Eine lange Bergwanderung solltest Du hier nicht erwarten. Vielmehr handelt es sich um eine kurze Tour, die sich sehr gut mit einem Aufenthalt im ehemaligen Fischerdorf verbinden lässt. Trotzdem solltest Du festes Schuhwerk tragen, denn abseits der befestigten Flächen bewegst Du Dich in typisch unebenem Gelände mit Felsen und niedriger Vegetation.
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Küstenfort mit Blick über die Barentssee
Schon beim Aufstieg wird deutlich, warum die deutsche Wehrmacht ausgerechnet diesen Hügel für eine Küstenbatterie auswählte. Vom Harbakken reicht der Blick weit über die Küste und die Barentssee. Gleichzeitig lässt sich der Bereich um Hamningberg von hier oben gut überblicken.
Heute macht genau diese Lage einen großen Teil des Reizes der Wanderung aus. Unter Dir liegen die wenigen Häuser von Hamningberg, dahinter beginnt unmittelbar die offene See. Bei unserem Besuch wirkte die Landschaft friedlich und abgelegen – ein deutlicher Kontrast zur militärischen Funktion, die dieser Hügel während des Zweiten Weltkriegs hatte.
HKB 3/448 Hamningberg
Die deutsche Küstenbatterie wurde im Sommer 1942 auf dem Harbakken eingerichtet. Ihre militärische Bezeichnung lautete HKB 3/448 Hamningberg. Sie gehörte zur deutschen Küstenverteidigung in der östlichen Finnmark und sollte gemeinsam mit weiteren Batterien in der Region die Seewege überwachen und mögliche Landungen an der Küste verhindern.
Als Hauptbewaffnung verfügte die Stellung über sechs französische 14,5-cm-Geschütze. Vier davon waren auf dem Harbakken aufgestellt, während sich zwei weitere Geschütze vermutlich südlich des Hafens befanden. Ergänzt wurde die Batterie durch verschiedene kleinere Geschütze, Flugabwehr- und Nahverteidigungswaffen.
Die gesamte Besatzung soll etwa 170 Mann umfasst haben. Damit war die Anlage wesentlich größer, als die heute noch sichtbaren Überreste auf den ersten Blick vermuten lassen.
Bunker und Geschützstellungen auf dem Harbakken
Wenn Du über das Gelände läufst, kannst Du noch an verschiedenen Stellen erkennen, wie weitläufig die ehemalige Batterie war. Zwischen den Felsen liegen Überreste der militärischen Infrastruktur, darunter ehemalige Geschützstellungen und Bunkeranlagen. Kommando- und Munitionsbereiche waren teilweise durch Betonbunker geschützt.
Gerade bei solchen verlassenen militärischen Anlagen finden wir es spannend, das Gelände nicht nur als einzelne Bunkerruine zu betrachten. Erst wenn Du Dich etwas umsiehst, bekommst Du ein Gefühl dafür, dass hier einmal eine komplette militärische Stellung mit Geschützen, Unterkünften, Munitionslagern und Verteidigungsanlagen existierte.
Gleichzeitig ist Vorsicht angebracht. Die Anlage ist kein modern erschlossenes Museum und alte militärische Ruinen können ungesicherte Öffnungen, lose Steine und feuchte oder dunkle Bereiche aufweisen. Eine Taschenlampe gehört für uns bei der Erkundung solcher Anlagen deshalb grundsätzlich zur Ausrüstung.
Die Batterie wird 1944 aufgegeben
Im Herbst 1944 veränderte sich die militärische Situation in der Finnmark grundlegend. Mit dem Vorrücken sowjetischer Truppen begann der deutsche Rückzug aus dem äußersten Norden Norwegens. Dabei wurden zahlreiche militärische Einrichtungen zerstört, damit sie nicht vom Gegner weitergenutzt werden konnten.
Auch die Batterie von Hamningberg wurde im Oktober 1944 gesprengt und aufgegeben. Deshalb findest Du heute keine vollständig erhaltene Küstenbatterie mehr, sondern eine Mischung aus Bunkern, Stellungen und Ruinen.
Das Fischerdorf unterhalb der Batterie hatte dagegen außergewöhnliches Glück. Während beim deutschen Rückzug große Teile der Finnmark und Nord-Troms zerstört wurden, blieb Hamningberg weitgehend von der systematischen Niederbrennung verschont. Deshalb sind dort noch heute zahlreiche Gebäude aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg erhalten.
Hamningberg und der Zweite Weltkrieg
Gerade diese Kombination macht Hamningberg historisch besonders interessant. Unten im Ort stehen die alten Holzhäuser eines Fischerdorfes, das die Zerstörungen des deutschen Rückzugs überstanden hat. Nur wenige Minuten entfernt liegen oben auf dem Hügel die Überreste der ehemaligen deutschen Küstenstellung.
Die Hamningberg Batteri war dabei nur eine von zahlreichen Anlagen entlang der norwegischen Küste. Während der deutschen Besatzung entstanden in Norwegen mehr als 300 Küstenartilleriebatterien. Viele dieser Anlagen sind heute verschwunden, andere lassen sich noch erstaunlich gut im Gelände erkennen.
Auf unseren Reisen durch Norwegen haben wir inzwischen mehrere dieser ehemaligen Küstenbatterien besucht – von Senja über die Helgelandsküste bis hinauf in die Finnmark.
ℹ️ Unsere historischen Entdeckungen: Wenn Dich solche Orte interessieren, findest Du auf Nordlandcamper noch weitere selbst besuchte Bunker, ehemalige Küstenbatterien und Museen. Einen Überblick geben wir Dir in unserem Beitrag über historische Orte und den Zweiten Weltkrieg in Norwegen.
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Wer mit offenen Augen durch Norwegen reist, begegnet immer wieder den Spuren des Zweiten Weltkriegs. Bunker liegen auf abgelegenen Landzungen,...
Lohnt sich die Wanderung zur Hamningberg Batteri?
Für uns auf jeden Fall. Die Wanderung ist kurz genug, um sie problemlos in einen Aufenthalt in Hamningberg einzubauen, und verbindet gleich mehrere Dinge, die wir auf unseren Reisen gerne entdecken: eine schöne Landschaft, einen ungewöhnlichen historischen Ort und Überreste, die sich noch selbstständig im Gelände erkunden lassen.
Selbst wenn Du Dich weniger für Militärgeschichte interessierst, lohnt sich der Aufstieg wegen der Aussicht. Von oben bekommst Du noch einmal eine ganz andere Perspektive auf Hamningberg, die Küstenlandschaft und die Barentssee.
Wenn Du Dich dagegen für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs in Norwegen interessierst, solltest Du Dir für das Gelände etwas mehr Zeit nehmen. Viele Überreste liegen nicht unmittelbar nebeneinander und erschließen sich erst, wenn Du Dich aufmerksam auf dem Hügel umsiehst.
Unser Fazit zur Hamningberg Batteri
Die Hamningberg Batteri ist kein spektakulär restauriertes Küstenfort und auch kein klassisches Museum. Genau das macht den Ort für uns interessant. Auf dem Harbakken erkundest Du die Überreste der ehemaligen HKB 3/448 weitgehend selbstständig und kannst zwischen Felsen und Ruinen noch viele Spuren der früheren Anlage entdecken.
Besonders gefallen hat uns die Verbindung aus Geschichte und Landschaft. Nur wenige Minuten zuvor stehst Du noch zwischen den alten Häusern von Hamningberg oder auf dem Wohnmobilstellplatz – wenig später blickst Du von einer ehemaligen deutschen Geschützstellung über das Fischerdorf und die Barentssee.
Wenn Du ohnehin bis zum Ende der Landschaftsroute Varanger nach Hamningberg fährst, würden wir die kurze Wanderung deshalb unbedingt mitnehmen.
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