Manchmal braucht es keine lange Bergtour, um einen spektakulären Blick auf die norwegische Bergwelt zu bekommen. Der Viewpoint Snøhetta bei Hjerkinn ist dafür ein perfektes Beispiel.
Vom Parkplatz am Tverrfjellet führt ein nur etwa 1,5 Kilometer langer Weg hinauf zu einem außergewöhnlichen Aussichtspavillon. Dort öffnet sich der Blick über die weite Landschaft des Dovrefjells bis zum markanten Snøhetta-Massiv.
Wir haben den Viewpoint auf unserer Reise durch Mittelnorwegen besucht und unser Wohnmobil am dafür vorgesehenen Parkplatz bei 62.226675, 9.518010 abgestellt.
Schon der Weg zum Aussichtspunkt ist interessant. Informationselemente erzählen unterwegs von Natur, Wildrentieren und der jahrtausendealten Geschichte des Dovrefjells. Am Ende wartet mit dem Viewpoint ein Bauwerk, das für uns genauso sehenswert ist wie das Panorama selbst.
Wo liegt der Viewpoint Snøhetta?
Der Viewpoint Snøhetta liegt am Tverrfjellet bei Hjerkinn am Rand des Dovrefjell-Sunndalsfjella-Nationalparks.
Hjerkinn befindet sich unmittelbar an der E6 zwischen Dombås und Oppdal und ist deshalb auch mit dem Wohnmobil gut erreichbar. Von dort führt eine mautpflichtige Straße hinauf zum Parkplatz am Tverrfjellet.
Für uns war der Viewpoint damit ein ideales Ziel für einen Zwischenstopp auf der Fahrt durch Mittelnorwegen.
Vom Parkplatz bei 62.226675, 9.518010 sind es nur noch rund 1,5 Kilometer bis zum Aussichtspavillon.
Mit dem Wohnmobil zum Parkplatz am Tverrfjellet
Auch mit dem Wohnmobil kannst Du bis zum Ausgangspunkt der Wanderung fahren.
Die Zufahrt vom Bereich Hjerkinn zum Parkplatz ist allerdings mautpflichtig. Aktuell nennt das Besucherzentrum 50 NOK für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen und 80 NOK für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen. Bezahlt wird über das automatische System von YouPark. Da sich Mautpreise ändern können, solltest Du den aktuellen Betrag vor Deinem Besuch noch einmal kontrollieren.
Der Viewpoint selbst kostet dagegen keinen Eintritt. villrein.no
Am Parkplatz beginnt direkt der ausgeschilderte Weg.
Schon hier fällt auf, dass bei diesem Ausflugsziel Landschaft, Geschichte und Architektur bewusst miteinander verbunden wurden. Die Gestaltung rund um den Parkplatz nimmt beispielsweise Bezug auf historische Fangsysteme, mit denen bereits vor Jahrhunderten Wildrene gejagt wurden. snohetta.com
1,5 Kilometer zu Fuß zum Viewpoint Snøhetta
Vom Parkplatz führt ein breiter Schotterweg rund 1,5 Kilometer bergauf.
Für eine klassische Wanderung ist das natürlich sehr kurz. Trotzdem würden wir nicht einfach von einem Spaziergang sprechen, denn der Weg gewinnt kontinuierlich an Höhe und liegt völlig offen in der Berglandschaft.
Etwa 20 bis 30 Minuten solltest Du für eine Richtung rechnen. Wer häufig stehen bleibt, fotografiert oder die Informationen entlang des Weges liest, braucht entsprechend länger.
Der Weg wurde so angelegt, dass der Viewpoint auch für Menschen erreichbar ist, die keine längere Bergwanderung unternehmen möchten. Fahrräder dürfen auf dem Weg nicht benutzt werden und müssen am dafür vorgesehenen Bereich beim Parkplatz bleiben.
10.000 Jahre Geschichte entlang des Weges
Der Aufstieg ist gleichzeitig eine kleine Reise durch die Geschichte des Dovrefjells.
Entlang des Weges stehen große Schieferplatten mit Informationen zur Natur- und Kulturgeschichte der Region. Thematisiert werden dabei mehrere Jahrtausende menschlicher Nutzung dieser Berglandschaft.
Besonders eng ist die Geschichte des Dovrefjells mit den Wildrentieren verbunden.
Menschen jagten die Tiere hier bereits lange bevor moderne Jagdwaffen existierten. Historische Fangsysteme nutzten Zäune und natürliche Geländeformen, um Rentierherden gezielt in Fangstellen zu leiten.
Die Gestaltung des Weges greift diese Geschichte auf.
Uns gefällt dieser Ansatz: Während man langsam Höhe gewinnt und die Landschaft immer weiter wird, erfährt man nebenbei, warum das Dovrefjell für Mensch und Tier seit Jahrtausenden eine besondere Bedeutung besitzt.
Der Viewpoint Snøhetta am Tverrfjellet
Nach rund 1,5 Kilometern erreicht man schließlich den Viewpoint Snøhetta bei 62.223970, 9.490276.
Der Aussichtspunkt wird auch Tverrfjellhytta beziehungsweise Norwegian Wild Reindeer Pavilion genannt und wurde vom norwegischen Architekturbüro Snøhetta entworfen.
Fertiggestellt wurde das Gebäude 2011. Der rund 90 Quadratmeter große Pavillon gehört zum norwegischen Wildrentier-Besucherzentrum.
Von außen wirkt das Gebäude zunächst ausgesprochen reduziert.
Eine rechteckige Hülle aus Stahl und eine große Glasfront stehen im starken Kontrast zur Landschaft. Auf der anderen Seite verändert sich das Erscheinungsbild vollkommen.
Dort befindet sich eine geschwungene Holzkonstruktion, deren weiche Formen eher an eine von Wind und Wasser geformte Landschaft als an eine klassische Gebäudewand erinnern.
Architektur zwischen Stahl, Glas und Holz
Gerade dieser Gegensatz macht den Viewpoint für uns so besonders.
Die äußere Konstruktion wirkt streng und geradlinig. Im Inneren bestimmt dagegen eine organisch geformte Holzoberfläche den Raum.
Sie bildet gleichzeitig Wand und Sitzfläche.
Das Architekturbüro Snøhetta ließ sich bei der Form von natürlichen Erosionsprozessen inspirieren. Für die Herstellung wurde die Holzkonstruktion zunächst digital modelliert und anschließend mit einer großen CNC-Fräse geformt. Beim Zusammenbau kamen wiederum traditionelle Techniken des norwegischen Holzbaus zum Einsatz.
Das Ergebnis ist kein typisches Aussichtshäuschen.
Vielmehr wirkt es so, als hätte jemand eine große, glatt geschliffene Holzform in eine schützende Hülle aus Stahl und Glas gesetzt.
Panoramablick auf das Snøhetta-Massiv
So interessant die Architektur ist – spätestens vor der großen Glasfront übernimmt die Landschaft wieder die Hauptrolle.
Von hier blickst Du über das Dovrefjell in Richtung des Snøhetta-Massivs.
Die Snøhetta erreicht an ihrem höchsten Punkt 2.286 Meter und gehört zu den bekanntesten Bergen Norwegens.
Zwischen Viewpoint und Berg liegt eine weite, weitgehend unbebaute Hochgebirgslandschaft. Gerade diese enorme räumliche Tiefe macht die Aussicht so eindrucksvoll.
Bei gutem Wetter erkennt man sehr schön, wie sich das Snøhetta-Massiv über die ansonsten vergleichsweise offene Landschaft erhebt.
Dabei brauchst Du nicht einmal draußen im Wind zu stehen. Durch die große Glasfront lässt sich das Panorama auch geschützt aus dem Inneren des Pavillons betrachten.
Ein Aussichtspunkt für Wildrene
Der Viewpoint wurde allerdings nicht nur gebaut, um Touristen einen schönen Blick auf die Berge zu ermöglichen.
Er gehört zum Besøkssenter villrein, dem norwegischen Besucherzentrum für Wildrene. Ein wesentliches Ziel besteht darin, über die Tiere und ihren Lebensraum zu informieren und gleichzeitig Besucher so zu lenken, dass empfindliche Gebiete möglichst wenig gestört werden.
Das Dovrefjell gehört zu den bedeutenden Lebensräumen wilder Rentiere in Norwegen.
Mit etwas Glück können die Tiere auch aus größerer Entfernung beobachtet werden. Einen Besuch würde ich allerdings nicht mit der Erwartung planen, garantiert Wildrene zu sehen.
Der Viewpoint ist schon wegen Landschaft und Architektur einen Besuch wert.
Und was ist mit den Moschusochsen?
Wer Dovrefjell hört, denkt häufig zuerst an Moschusochsen.
Die Tiere leben ebenfalls in der Region und sind eines der bekanntesten Symbole des Dovrefjells. Das bedeutet jedoch nicht, dass Du beim Viewpoint automatisch welche sehen wirst.
Vor allem solltest Du niemals versuchen, Dich den Tieren für ein besseres Foto zu nähern. Moschusochsen wirken oft ruhig, können aber sehr schnell reagieren und sind deutlich schneller, als ihr massiger Körper vermuten lässt.
Wenn Du gezielt Moschusochsen beobachten möchtest, ist eine geführte Tour in den dafür geeigneten Gebieten des Dovrefjells die bessere Wahl.
Der Viewpoint selbst ist in erster Linie Aussichtspunkt und Informationsort für die Berglandschaft und ihre Wildrene.
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Wann ist der Viewpoint Snøhetta geöffnet?
Der Viewpoint ist ein saisonales Ausflugsziel.
Er öffnet erst, wenn die Schneeverhältnisse einen sicheren Zugang erlauben, und wird wieder geschlossen, sobald im Herbst der Schnee zurückkehrt. Für die aktuelle Sommersaison nennt die offizielle Besucherinformation eine Öffnung ab Anfang Juni bis ungefähr Mitte Oktober.
Während der Saison ist der Aussichtspunkt grundsätzlich rund um die Uhr zugänglich. Der Besuch ist kostenlos.
Wichtig ist aber: Der Viewpoint kann aus Rücksicht auf die Tierwelt auch kurzfristig geschlossen werden. Deshalb würden wir gerade am Anfang oder Ende der Saison vorher den aktuellen Status beim Besucherzentrum prüfen. villrein.no
Im Winter solltest Du die Tour nicht einplanen.
Das Wetter am Viewpoint nicht unterschätzen
Die Wanderung ist kurz und technisch einfach. Die Lage im Dovrefjell solltest Du trotzdem ernst nehmen.
Der Weg verläuft weitgehend offen. Wind, niedrige Temperaturen und schnelle Wetterwechsel können deshalb selbst im Sommer dafür sorgen, dass sich die 1,5 Kilometer deutlich alpiner anfühlen als erwartet.
Eine wind- und regendichte Jacke würden wir deshalb auch bei gutem Wetter mitnehmen.
Feste Schuhe sind ebenfalls sinnvoll, obwohl der Weg gut ausgebaut ist.
Und natürlich lohnt sich vor allem ein Tag mit guter Sicht. Bei tief hängenden Wolken verschwindet ausgerechnet das Snøhetta-Massiv schnell aus dem Panorama.
Regeln rund um den Viewpoint Snøhetta
Weil der Viewpoint in einem empfindlichen Lebensraum liegt, gelten einige Regeln.
Auf dem Weg vom Parkplatz zum Aussichtspunkt darf nicht mit dem Fahrrad gefahren werden. Auch Drohnen sind am Viewpoint verboten, da sie Wildtiere und andere Besucher stören können. Das Besucherzentrum weist außerdem ausdrücklich darauf hin, die Wildrene nicht zu verfolgen oder sich ihnen gezielt zu nähern.
Lohnt sich der Viewpoint Snøhetta?
Für uns ist der Viewpoint Snøhetta ein sehr lohnendes Ziel, gerade wenn Du mit dem Wohnmobil auf der E6 durch das Dovrefjell unterwegs bist.
Du brauchst dafür keinen kompletten Wandertag. Vom Parkplatz sind es nur rund 1,5 Kilometer bis zum Pavillon und anschließend auf demselben Weg wieder zurück.
Trotzdem bekommst Du viel geboten: eine weite Hochgebirgslandschaft, den Blick auf das Snøhetta-Massiv, Informationen über die Wildrene und eines der außergewöhnlichsten modernen Bauwerke, die wir auf unseren Reisen durch Norwegen kennengelernt haben.
Für den gesamten Ausflug würden wir deshalb mindestens anderthalb bis zwei Stunden einplanen. Dann bleibt genügend Zeit, unterwegs die Informationen zu lesen und am Viewpoint einfach eine Weile die Aussicht zu genießen.
Unser Fazit zum Viewpoint Snøhetta
Der Viewpoint Snøhetta zeigt sehr schön, dass ein Aussichtspunkt nicht zwangsläufig auf einem schwer erreichbaren Gipfel liegen muss.
Schon der kurze Weg vom Parkplatz führt durch eine beeindruckende Landschaft. Oben angekommen verschmilzt der ungewöhnliche Pavillon aus Stahl, Glas und Holz beinahe mit seiner Umgebung und lenkt den Blick genau dorthin, wo er hingehört: auf das Dovrefjell und die Snøhetta.
Gerade die Kombination aus leichter Wanderung, außergewöhnlicher Architektur und Naturerlebnis hat uns gefallen.
Wenn Deine Route über die E6 durch Mittelnorwegen führt, würden wir für den Viewpoint Snøhetta deshalb unbedingt ein paar Stunden einplanen.
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