Polarlichter in Finnland: Die besten Orte & unsere Tipps
Finnland ist für uns ein Land, das hervorragend zu Polarlichtern passt.
Kilometerlange Straßen durch Wälder, riesige Seen, wenig Verkehr und im Norden immer größere Entfernungen zwischen den Orten. Wenn es dunkel wird, verschwinden viele dieser Landschaften beinahe vollständig in der Nacht.
Und dann beginnt manchmal über ihnen der Himmel zu leuchten.
Vor allem Finnisch-Lappland gehört zu den besten Regionen Europas, um Polarlichter zu beobachten. Rund um Inari, Saariselkä und Kilpisjärvi liegen viele Orte weit genug im Norden, dass Du während der dunklen Jahreszeit regelmäßig Chancen auf Nordlichter hast.
Eine Garantie gibt es trotzdem nicht.
In diesem Artikel zeigen wir Dir, wann und wo Du in Finnland Polarlichter sehen kannst, welche Regionen wir dafür besonders interessant finden und worauf Du bei Deiner eigenen Nordlichtsuche achten solltest.
Kann man in Finnland Polarlichter sehen?
Ja – und je weiter Du nach Norden kommst, desto besser werden grundsätzlich Deine Chancen.
Finnland liegt teilweise in einer Region, die regelmäßig vom Polarlichtoval erfasst wird. Besonders Nordlappland ist dadurch für die Beobachtung interessant.
Allerdings braucht es auch dort mehrere passende Bedingungen gleichzeitig.
Damit Du Polarlichter tatsächlich sehen kannst, brauchst Du vor allem:
- ausreichend geomagnetische Aktivität
- einen dunklen Himmel
- möglichst wenig künstliches Licht
- einen zumindest teilweise wolkenfreien Himmel
- und ein bisschen Geduld
Der letzte Punkt gehört für uns immer dazu.
Eine App kann Dir zwar Hinweise auf die aktuelle Aktivität geben. Sie kann Dir aber nicht versprechen, dass um 22:17 Uhr direkt über Deinem Wohnmobil plötzlich der Himmel grün wird.
Polarlichter bleiben ein Naturphänomen.
Und genau das macht sie für uns so faszinierend.
Wann kann man in Finnland Polarlichter sehen?
Wenn Polarlichter ein wichtiges Ziel Deiner Finnlandreise sind, würden wir vor allem den Zeitraum September bis März ins Auge fassen.
Grundsätzlich beginnt das mögliche Beobachtungsfenster in Nordfinnland bereits gegen Ende August und reicht bis Anfang April.
Entscheidend ist nicht, ob Schnee liegt.
Entscheidend ist zunächst, ob es überhaupt dunkel genug wird.
Polarlichter im September und Oktober
Herbst und früher Winter können für eine Polarlichtreise ausgesprochen interessant sein.
Die Nächte sind in Lappland wieder dunkel genug, gleichzeitig sind die Bedingungen für einen Roadtrip meist noch völlig andere als mitten im arktischen Winter.
Besonders schön finden wir die Kombination aus Polarlichtern und Wasser.
Solange die Seen noch nicht zugefroren sind, kann sich eine Aurora auf einer ruhigen Wasseroberfläche spiegeln. Finnland mit seinen unzähligen Seen bietet dafür fantastische Voraussetzungen.
Dazu kommen im September die Herbstfarben Lapplands.
Wenn Du Finnland ohnehin mit dem Wohnmobil bereist und nicht zwingend eine tief verschneite Winterlandschaft suchst, würden wir deshalb auch den September als Reisezeit in Betracht ziehen.
Polarlichter im Winter
Im Winter verändert sich Nordfinnland komplett.
Die Nächte werden extrem lang, Seen frieren zu und große Teile Lapplands verschwinden unter einer Schneedecke.
Damit stehen Dir viele dunkle Stunden für die Polarlichtbeobachtung zur Verfügung.
Dafür werden die Bedingungen für eine Reise mit dem Wohnmobil deutlich anspruchsvoller.
Sehr niedrige Temperaturen, Schnee, Eis und lange Strecken durch dünn besiedelte Regionen gehören dann zur Reise dazu.
Wer mit dem Wohnmobil im Winter nach Nordfinnland fährt, sollte deshalb nicht nur an Polarlichter denken.
Fahrzeug, Bereifung, Heizung, Wassersystem und die gesamte Ausrüstung müssen für echte Winterbedingungen geeignet sein.
Polarlichter im März
Der März ist für Finnland besonders spannend.
Die Tage werden wieder deutlich länger und bieten viel Zeit für Aktivitäten. Gleichzeitig sind die Nächte weiterhin dunkel genug für Polarlichter.
Auch statistisch ist diese Jahreszeit interessant.
Polarlichter treten nicht nur im tiefsten Winter auf. Die geomagnetische Aktivität ist im Bereich der Tagundnachtgleichen sogar tendenziell etwas höher.
Dazu kommen im März in Lappland häufig noch ausgeprägte Winterbedingungen.
Du kannst also tagsüber eine verschneite Landschaft erleben und abends trotzdem auf Polarlichtsuche gehen.
Kann man im Sommer Polarlichter in Finnland sehen?
Im hohen Norden praktisch nicht.
Das liegt nicht daran, dass im Sommer keine Polarlichter entstehen würden.
Der Himmel wird schlicht nicht dunkel genug.
In Nordlappland geht die Sonne rund um den Hochsommer wochenlang überhaupt nicht unter. Auch vor und nach der eigentlichen Mitternachtssonne bleiben die Nächte lange sehr hell.
Eine Aurora kann oberhalb der Atmosphäre trotzdem stattfinden – Du wirst sie vor diesem hellen Himmel aber nicht beobachten können.
Für eine gezielte Polarlichtreise ist der Sommer deshalb ungeeignet.
Wo kann man in Finnland am besten Polarlichter sehen?
Wenn Polarlichter für Dich ein Hauptgrund der Reise sind, gilt eine einfache Grundregel:
Fahre nach Norden.
Zwar können Nordlichter bei entsprechend starker geomagnetischer Aktivität auch in Mittel- und sogar Südfinnland auftreten.
Die statistischen Chancen steigen Richtung Nordlappland aber erheblich.
Besonders interessant finden wir folgende Regionen.
Planst Du eine Reise nach Skandinavien?
Von Anreise, Maut und Fähren bis zu Freistehen, Internet und Gesundheit: Wir haben die wichtigsten Punkte aus unseren Reisen nach Norwegen, Schweden und Finnland für Dich zusammengestellt.
Kilpisjärvi – beste statistische Chancen in Finnland
Ganz im Nordwesten Finnlands liegt Kilpisjärvi.
Die Landschaft unterscheidet sich deutlich von vielen anderen Regionen des Landes. Hier treffen Finnland, Schweden und Norwegen beinahe aufeinander und statt endloser flacher Wälder bestimmen zunehmend Fjelllandschaften das Bild.
Über dem Ort erhebt sich der markante Saana.
Für Polarlichtbeobachter ist Kilpisjärvi aber aus einem anderen Grund besonders interessant.
Nach den langjährigen Statistiken des finnischen Wetterdienstes werden hier bei dunklem und ausreichend klarem Himmel in etwa drei von vier Nächten Polarlichter beobachtet.
Das ist ein bemerkenswert hoher Wert.
Wichtig ist aber die Einschränkung:
Daraus folgt nicht, dass Du bei einem viertägigen Aufenthalt automatisch an drei Abenden Polarlichter sehen wirst.
Eine geschlossene Wolkendecke kann auch in Kilpisjärvi mehrere Nächte hintereinander jede Beobachtung verhindern.
Trotzdem zeigt die Statistik sehr deutlich, wie gut die geografische Lage für Polarlichter ist.
Wenn wir eine Finnlandreise gezielt auf Nordlichter ausrichten würden, wäre Kilpisjärvi deshalb einer unserer interessantesten Standorte.
Inari und der Inarisee
Ein weiterer unserer Favoriten wäre die Region rund um Inari.
Der riesige Inarisee prägt die Landschaft im äußersten Norden Finnlands und bietet viele Stellen mit einem weiten Blick über den Himmel.
Gerade für Polarlichter ist das interessant.
Statt zwischen Häusern, Bäumen oder Straßenlaternen nach einer kleinen freien Stelle zu suchen, kannst Du an geeigneten Orten einen sehr großen Teil des Himmels überblicken.
Im Herbst kommt noch ein weiterer Vorteil hinzu:
Solange der See nicht zugefroren ist, können sich Polarlichter auf seiner Oberfläche spiegeln.
Im Winter entsteht dagegen eine völlig andere arktische Landschaft.
Inari liegt zudem so weit nördlich, dass Polarlichter dort nicht nur bei außergewöhnlich starken geomagnetischen Ereignissen auftreten.
Für einen Roadtrip durch Nordlappland lässt sich die Region außerdem hervorragend mit Saariselkä und einer Weiterfahrt Richtung Utsjoki kombinieren.
Utsjoki – ganz im Norden Finnlands
Noch weiter nördlich liegt Utsjoki.
Die Gemeinde reicht bis an die norwegische Grenze und gehört zu den nördlichsten Regionen der Europäischen Union.
Für uns wäre Utsjoki vor allem wegen seiner Lage interessant.
Die Region ist dünn besiedelt, künstliche Lichtquellen sind außerhalb der kleinen Orte überschaubar und Du befindest Dich weit im Norden.
Gerade entlang des Teno beziehungsweise Tenojoki findest Du eine Landschaft, die sich deutlich von der Finnischen Seenplatte oder den Wäldern weiter südlich unterscheidet.
Wenn Deine Finnlandroute ohnehin bis Utsjoki führt, würden wir die dunklen Nächte dort auf jeden Fall für die Polarlichtsuche nutzen.
Saariselkä
Saariselkä ist einer der bekanntesten Urlaubsorte in Finnisch-Lappland.
Der Ort liegt weit nördlich des Polarkreises und unmittelbar an einer großen Fjell- und Waldlandschaft.
Für Polarlichtbeobachter ist das praktisch.
Du kannst Dich relativ schnell aus den beleuchteten Bereichen des Ortes entfernen und einen dunkleren Standort suchen.
Die Region bietet außerdem einen guten Kompromiss, wenn Du Polarlichter mit anderen Winteraktivitäten verbinden möchtest.
Statistisch sind die Voraussetzungen ebenfalls gut. In Regionen auf der geografischen Höhe von Saariselkä werden bei dunklem, wolkenfreiem Himmel regelmäßig Polarlichter beobachtet.
Trotzdem würden wir auch hier nicht einfach vor der Unterkunft stehen bleiben und darauf warten, dass etwas passiert.
Ein dunkler Platz mit freier Sicht verbessert die Bedingungen deutlich.
Urho-Kekkonen-Nationalpark
Direkt bei Saariselkä beginnt der Urho-Kekkonen-Nationalpark.
Für uns ist diese Kombination besonders reizvoll.
Tagsüber kannst Du eine der großen Naturlandschaften Lapplands erleben und nachts nach Polarlichtern Ausschau halten.
Natürlich solltest Du für eine Polarlichtbeobachtung im winterlichen Fjell nicht unvorbereitet irgendwo in die Dunkelheit laufen.
Temperaturen, Schnee und Wetter können dort ernst zu nehmende Bedingungen schaffen.
Aber bereits in der Umgebung von Saariselkä findest Du Möglichkeiten, dem Licht des Ortes zu entkommen, ohne dafür eine nächtliche Expedition zu unternehmen.
Levi und Ylläs
Auch die Regionen um Levi und Ylläs liegen weit genug im Norden, um regelmäßig Chancen auf Polarlichter zu bieten.
Beide Orte sind allerdings bekannte Wintersportregionen.
Das bedeutet automatisch mehr künstliches Licht als irgendwo an einem abgelegenen See in Nordlappland.
Für uns wäre deshalb auch hier die Umgebung interessanter als das Zentrum der Orte.
Schon etwas Abstand zu Straßenbeleuchtung, Hotels und Skipisten kann den Nachthimmel deutlich dunkler erscheinen lassen.
Wenn Du ohnehin in Levi oder Ylläs unterwegs bist, musst Du für Polarlichter also nicht zwingend noch Hunderte Kilometer weiterfahren.
Für eine ausschließlich auf Nordlichter ausgerichtete Reise würden wir persönlich aber eher Kilpisjärvi, Inari oder den äußersten Norden wählen.
Rovaniemi – lohnt sich die Stadt für Polarlichter?
Rovaniemi wird sehr häufig mit Polarlichtern beworben.
Und natürlich kannst Du dort Nordlichter sehen.
Die Stadt liegt unmittelbar am Polarkreis und damit bereits weit im Norden.
Trotzdem würden wir Rovaniemi nicht automatisch als besten Polarlichtort Finnlands bezeichnen.
Der Grund ist einfach:
Weiter nördlich werden Polarlichter statistisch häufiger beobachtet.
Dazu kommt die Lichtverschmutzung einer größeren Stadt.
Wenn Du ohnehin Rovaniemi besuchst, lohnt sich bei passender Vorhersage selbstverständlich die Suche nach einem dunkleren Platz außerhalb der hellsten Bereiche.
Wenn Du Deine gesamte Finnlandreise aber hauptsächlich wegen der Polarlichter planst, würden wir noch deutlich weiter nach Norden fahren.
Oulu und Kuusamo
Auch Oulu und Kuusamo können für Polarlichter interessant sein.
Hier zeigt sich aber bereits deutlich, wie stark die Wahrscheinlichkeit mit zunehmender Entfernung vom hohen Norden abnimmt.
Langjährige finnische Beobachtungsdaten zeigen für diese geografische Breite unter dunklem und klarem Himmel ungefähr in jeder vierten Nacht Polarlichter.
Das ist immer noch ziemlich gut.
Aber es ist ein deutlicher Unterschied zu Nordlappland.
Wenn Du beispielsweise im Winter rund um Kuusamo unterwegs bist, würden wir deshalb auf jeden Fall regelmäßig die Vorhersage prüfen.
Für eine reine Polarlichtreise hätten weiter nördlich gelegene Regionen jedoch die besseren statistischen Voraussetzungen.
Kann man Polarlichter auch in Südfinnland sehen?
Ja.
Selbst rund um Helsinki oder Turku können Polarlichter auftreten.
Dafür brauchst Du allerdings wesentlich stärkere geomagnetische Aktivität als in Lappland.
Bei einem kräftigen geomagnetischen Sturm dehnt sich der Bereich, in dem Polarlichter sichtbar sind, weiter nach Süden aus.
Dann lohnt sich auch in Südfinnland der Blick zum Himmel.
Langjährige Statistiken zeigen dort allerdings sehr deutlich den Unterschied zum Norden: Im Raum Helsinki sind Polarlichter im Durchschnitt nur wesentlich seltener zu beobachten.
Deshalb gilt:
Wenn Du ohnehin in Südfinnland bist, solltest Du eine gute Polarlichtvorhersage nutzen. Für eine gezielte Nordlichtreise würden wir aber immer nach Lappland fahren.
Wie wahrscheinlich sind Polarlichter in Finnland?
Dazu gibt es für Finnland erfreulich gute Langzeitdaten.
Unter der Voraussetzung, dass es dunkel und der Himmel ausreichend wolkenfrei ist, werden Polarlichter statistisch ungefähr
- in Kilpisjärvi in drei von vier Nächten,
- in vielen Regionen Lapplands ungefähr in jeder zweiten Nacht,
- im Raum Oulu und Kuusamo ungefähr in jeder vierten Nacht
- und im äußersten Süden wesentlich seltener
beobachtet.
Diese Zahlen finden wir ausgesprochen hilfreich – solange man sie richtig versteht.
Sie sind keine Wettervorhersage und keine Garantie für Deinen Urlaub.
Wenn Du eine Woche in Kilpisjärvi verbringst und sieben Nächte lang unter einer dichten Wolkendecke stehst, wirst Du trotz hervorragender Langzeitstatistik möglicherweise kein einziges Polarlicht sehen.
Deshalb ist die nächste Frage für uns fast noch wichtiger.
Wolken können wichtiger sein als die Polarlichtvorhersage
Das beste Polarlicht nützt Dir nichts, wenn Du es nicht sehen kannst.
Und Wolken sind bei der Polarlichtsuche eine ausgesprochen effektive Sichtbarriere.
Deshalb schauen wir nicht nur auf die geomagnetische Aktivität, sondern immer auch auf die Wettervorhersage.
Gerade mit dem Wohnmobil kann das einen großen Unterschied machen.
Ist für unseren Standort eine geschlossene Wolkendecke vorhergesagt, während 50 oder 100 Kilometer weiter größere Wolkenlücken erwartet werden, können wir unsere Route entsprechend verändern.
Natürlich funktioniert das nicht immer.
Ein großes Tiefdruckgebiet lässt sich auch mit einem Allrad-Wohnmobil nicht einfach umfahren.
Aber gerade bei lokal unterschiedlichen Bedingungen ist Mobilität einer der größten Vorteile einer Polarlichtreise mit dem Camper.
Brauche ich in Finnland einen hohen Kp-Index?
Im hohen Norden: nein.
Das ist ein wichtiger Punkt.
Der Kp-Index beschreibt die globale geomagnetische Aktivität. Bei hohen Werten kann sich das Polarlichtoval weiter nach Süden ausdehnen.
Das bedeutet aber nicht, dass Du in Lappland erst auf einen spektakulär hohen Kp-Wert warten musst.
Im Gegenteil:
In Nordfinnland können Polarlichter auch bei vergleichsweise ruhigem Weltraumwetter auftreten.
Deshalb würden wir in Inari, Saariselkä oder Kilpisjärvi eine klare Nacht niemals nur deshalb abschreiben, weil irgendeine App einen niedrigen Kp-Wert anzeigt.
Wie der Kp-Index funktioniert und warum einfache Tabellen nach dem Muster „ab Kp X sieht man Polarlichter bis Stadt Y“ problematisch sind, erklären wir ausführlich in unserem eigenen Artikel:
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Welche Polarlichtvorhersage nutzen wir für Finnland?
Für Finnland haben wir einen großen Vorteil:
Der finnische Wetterdienst betreibt selbst ein Netz zur Beobachtung der geomagnetischen Aktivität.
Dadurch kannst Du neben längerfristigen Prognosen auch die aktuelle geomagnetische Aktivität an verschiedenen Messstationen verfolgen.
Genau diese Unterscheidung finden wir wichtig.
Eine Prognose für die kommenden Tage ist immer mit Unsicherheiten verbunden. Je näher das mögliche Ereignis kommt, desto interessanter werden aktuelle Messwerte und kurzfristige Entwicklungen.
Wir würden deshalb drei Dinge miteinander kombinieren:
Weltraumwetter + aktuelle geomagnetische Aktivität + Bewölkung.
Und dann trotzdem regelmäßig aus dem Fenster schauen.
Denn keine App sieht den Himmel über Deinem Wohnmobil besser als Du selbst.
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Wann ist die beste Uhrzeit für Polarlichter in Finnland?
Statistisch treten sichtbare Polarlichter besonders häufig rund um Mitternacht und in den Stunden davor und danach auf.
Das ist eine hilfreiche Orientierung.
Wir würden daraus aber keinen festen Zeitplan machen.
Polarlichter können auftreten, sobald der Himmel ausreichend dunkel ist und die geomagnetischen Bedingungen passen.
Bei starken Ereignissen kann das auch deutlich früher am Abend oder später in der Nacht sein.
Wenn draußen bereits um 20 Uhr ein grüner Bogen am Himmel steht, würden wir sicher nicht darauf warten, dass irgendeine Statistik Mitternacht empfiehlt.
In welche Richtung musst Du schauen?
Weiter südlich erscheinen Polarlichter häufig zunächst am nördlichen Horizont.
In Nordlappland kann das ganz anders aussehen.
Dort befindest Du Dich wesentlich häufiger direkt unter dem Bereich erhöhter Polarlichtaktivität. Die Aurora kann sich dann über einen großen Teil des Himmels erstrecken oder sogar direkt über Dir erscheinen.
Deshalb ist ein Standort mit möglichst freiem Himmel für uns ideal.
Seen können dabei ausgesprochen praktisch sein.
Sie bieten häufig einen weiten Horizont und deutlich weniger störende Hindernisse als ein dichter finnischer Wald.
Polarlichter über einem finnischen See
Für uns ist das eines der Motive, die besonders gut zu Finnland passen.
Ein dunkler See, kaum künstliches Licht und darüber eine grüne Aurora.
Im Herbst kann die Wasseroberfläche das Polarlicht zusätzlich spiegeln.
Im Winter verändert sich das Motiv vollständig, wenn Seen zufrieren und unter Schnee verschwinden.
Dabei gilt aber ein ganz wichtiger Punkt:
Gehe niemals allein wegen eines Fotos davon aus, dass eine Eisfläche sicher ist.
Ob ein zugefrorener See betreten oder befahren werden kann, hängt von den konkreten Bedingungen und der Tragfähigkeit des Eises ab.
Für ein Polarlichtfoto gibt es genügend sichere Standorte an Land.
Wie sehen Polarlichter mit bloßem Auge aus?
Nicht immer so wie auf Fotos.
Dieser Punkt ist uns wichtig, weil moderne Kameras und Smartphones sehr empfindlich auf schwaches Licht reagieren.
Eine schwache Aurora kann für das menschliche Auge zunächst wie ein blasser oder leicht grünlicher Schleier aussehen.
Auf dem Foto erscheint derselbe Bereich möglicherweise bereits deutlich grün.
Bei einer starken Aurora ist das etwas völlig anderes.
Dann können Farben, Strahlen und schnelle Bewegungen auch mit bloßem Auge ausgesprochen eindrucksvoll sein.
Wir haben deshalb gelernt, auch unscheinbare helle Strukturen am Himmel zunächst etwas länger zu beobachten.
Manchmal bleibt es bei einem schwachen Bogen.
Und manchmal beginnt wenige Minuten später der gesamte Himmel zu tanzen.
Das Smartphone als Polarlichtdetektor
Wenn wir nicht sicher sind, ob wir am Himmel gerade eine Wolke oder eine schwache Aurora sehen, hilft uns häufig das Smartphone.
Ein Foto im Nachtmodus kann schwache grüne Farbtöne sichtbar machen, die unser Auge noch kaum wahrnimmt.
Das Smartphone ersetzt natürlich keine Polarlichtvorhersage.
Aber als schneller Test direkt vor Ort funktioniert diese Methode erstaunlich gut.
Und inzwischen lassen sich mit aktuellen Smartphones auch sehr schöne Polarlichtaufnahmen machen.
Polarlichter mit dem Wohnmobil in Finnland erleben
Für uns passt kaum ein Land besser zu dieser Art der Polarlichtsuche.
Gerade in Lappland sind die Entfernungen groß und die Besiedlung dünn. Mit dem Wohnmobil können wir unsere Route flexibel anpassen und mehrere Nächte in einer interessanten Region verbringen.
Wenn es draußen richtig kalt wird, hat das Wohnmobil noch einen weiteren Vorteil:
Wir können warten.
Statt mehrere Stunden durchgehend draußen zu stehen, können wir zwischendurch ins warme Fahrzeug gehen und regelmäßig nach dem Himmel schauen.
Nicht einfach am Straßenrand anhalten
So verlockend es ist:
Wenn plötzlich Polarlichter erscheinen, sollte der nächste Schritt nicht automatisch eine Vollbremsung am Straßenrand sein.
Gerade im finnischen Winter können Straßenränder durch Schnee schlecht erkennbar sein. Parkmöglichkeiten können zugeschoben sein und auf abgelegenen Straßen solltest Du andere Verkehrsteilnehmer nicht durch ein schlecht sichtbares Fahrzeug gefährden.
Wir suchen uns deshalb lieber rechtzeitig einen geeigneten Standort.
Dort können wir in Ruhe warten – und müssen bei einer plötzlich auftauchenden Aurora nicht erst einen sicheren Platz suchen.
Winter mit dem Wohnmobil in Finnisch-Lappland
Eine Winterreise nach Lappland ist etwas völlig anderes als ein Sommerurlaub in Finnland.
Sehr niedrige Temperaturen sind möglich und lange Frostperioden normal.
Das betrifft nicht nur Dich, sondern auch Dein Fahrzeug.
Batterien, Wasserversorgung, Gas beziehungsweise Dieselheizung, Motorstart, Reifen und Feuchtigkeit im Fahrzeug werden plötzlich wesentlich wichtiger.
Auch Schneefall kann Deine Planung verändern.
Wenn Du ausschließlich wegen der Polarlichter nach Finnland möchtest und noch nie mit Deinem Wohnmobil unter arktischen Winterbedingungen unterwegs warst, würden wir diesen Punkt nicht unterschätzen.
Polarlichter kannst Du schließlich auch im Herbst erleben.
Für die erste Reise kann das die deutlich unkompliziertere Variante sein.
Polarlichter fotografieren
Finnland bietet fantastische Möglichkeiten für Polarlichtfotografie.
Seen, verschneite Wälder, einzelne Hütten und die Fjelllandschaften im Norden bieten völlig unterschiedliche Vordergründe.
Die richtige Kameraeinstellung hängt dabei stark von der Aurora ab.
Eine schwache, langsam wandernde Aurora benötigt eine andere Belichtung als ein sehr helles und schnell bewegtes Polarlicht.
Deshalb halten wir wenig von einer einzigen vermeintlich perfekten Einstellung für jede Situation.
Unsere Startwerte und Erfahrungen mit Kamera und Smartphone findest Du deshalb in unserem eigenen Artikel:
→ Polarlichter fotografieren: Einstellungen für Kamera & Handy
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Unsere Tipps für Polarlichter in Finnland
Wenn wir eine Finnlandreise mit Schwerpunkt Polarlichter planen würden, wären uns vor allem folgende Dinge wichtig:
So weit wie sinnvoll nach Norden fahren.
Kilpisjärvi und Nordlappland bieten statistisch hervorragende Voraussetzungen. Auch Inari und Saariselkä sind sehr interessante Ausgangspunkte.
Mehrere Nächte einplanen.
Selbst am besten Standort kann es bewölkt sein. Zeit erhöht Deine Chancen erheblich.
Bewölkung ernst nehmen.
Eine spektakuläre Aurora hinter einer geschlossenen Wolkendecke bleibt unsichtbar.
Nicht nur auf den Kp-Index schauen.
In Nordlappland brauchst Du keinen extrem hohen Kp-Wert, um Polarlichter sehen zu können.
Dunkelheit suchen.
Schon etwas Abstand zu beleuchteten Orten kann einen deutlichen Unterschied machen.
Seen als freie Sichtfläche nutzen.
Vom sicheren Ufer aus bieten sie häufig einen hervorragenden Blick auf den Himmel.
Warm anziehen.
Wer lange nahezu bewegungslos in einer kalten Nacht steht, friert schneller als bei einer Wanderung.
Flexibel bleiben.
Gerade mit dem Wohnmobil kannst Du auf Wetter und Bewölkung reagieren.
Und vor allem: nach draußen schauen.
Eine App kann Dich auf interessante Bedingungen aufmerksam machen. Das Polarlicht sehen musst Du am Ende selbst.
Sind Polarlichter in Finnland garantiert?
Nein.
Auch nicht in Kilpisjärvi.
Auch nicht bei einer Woche in Inari.
Und auch nicht, wenn eine Polarlicht-App hervorragende Werte anzeigt.
Die Langzeitstatistik zeigt lediglich, dass Deine Chancen in Nordlappland außergewöhnlich gut sind.
Für eine tatsächliche Sichtung brauchst Du aber immer passende Bedingungen.
Genau deshalb würden wir für eine Polarlichtreise niemals nur eine einzige Nacht einplanen.
Ist Kilpisjärvi besser als Rovaniemi?
Wenn es ausschließlich um die statistische Wahrscheinlichkeit für Polarlichter geht, würden wir Kilpisjärvi klar bevorzugen.
Kilpisjärvi liegt wesentlich weiter nördlich und gehört zu den Regionen Finnlands mit den besten langfristigen Beobachtungsbedingungen.
Rovaniemi bietet dafür eine wesentlich größere touristische Infrastruktur und lässt sich für viele Reisende einfacher in eine klassische Lapplandreise integrieren.
Die richtige Wahl hängt deshalb davon ab, was Du suchst.
Für eine Reise mit Schwerpunkt Polarlicht und Natur würden wir weiter nach Norden fahren.
Wie lange solltest Du für Polarlichter in Finnland bleiben?
Wir würden mindestens mehrere Nächte einplanen.
Nicht weil es eine bestimmte Mindestzahl gäbe, sondern weil Wetter der größte Unsicherheitsfaktor ist.
Drei oder vier aufeinanderfolgende bewölkte Nächte sind auch in einer hervorragenden Polarlichtregion möglich.
Je länger Du bleibst, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, zumindest eine Kombination aus klarem Himmel und ausreichender Aktivität zu erwischen.
Noch besser finden wir deshalb eine Reise, bei der Polarlichter nicht das einzige Ziel sind.
Dann kannst Du tagsüber Lappland entdecken und abends nach oben schauen.
Wenn keine Aurora erscheint, hattest Du trotzdem einen guten Reisetag.
Und wenn der Himmel plötzlich grün wird, vergisst Du vermutlich ziemlich schnell, wie lange Du darauf gewartet hast.
Unser Fazit: Polarlichter in Finnland
Finnland bietet für uns nahezu ideale Voraussetzungen, um Polarlichter mit einem Roadtrip zu verbinden.
Vor allem Nordlappland rund um Kilpisjärvi, Inari, Utsjoki und Saariselkä ist dafür interessant.
Je weiter Du nach Norden fährst, desto regelmäßiger können Polarlichter auch bei vergleichsweise geringer geomagnetischer Aktivität auftreten.
Mindestens genauso wichtig bleibt aber das Wetter.
Ein dunkler Standort, ein möglichst klarer Himmel, mehrere Nächte Zeit und ein bisschen Flexibilität sind für uns deshalb wichtiger als die Jagd nach einem einzelnen perfekten Kp-Wert.
Mit dem Wohnmobil kommt noch ein großer Vorteil hinzu:
Wir können unsere Pläne verändern.
Vielleicht bleiben wir eine Nacht länger am Inarisee. Vielleicht fahren wir wegen der Bewölkung noch ein Stück weiter. Oder wir stehen irgendwo in Lappland an einem dunklen Platz und gehen nur noch einmal kurz vor die Tür.
Und genau dann passiert es manchmal.
Über dem Wald erscheint ein schwacher grüner Bogen.
Er wird heller.
Die ersten Strukturen beginnen sich zu bewegen.
Und plötzlich ist vollkommen egal, wie kalt es draußen eigentlich ist.
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