Der Färnebofjärden Nationalpark gehört für uns zu den Nationalparks in Schweden, die man leicht unterschätzen kann. Es gibt hier keine hohen Berge, keine spektakulären Wasserfälle und auch nicht den einen Aussichtspunkt, den jeder Besucher gesehen haben muss. Stattdessen prägt der Dalälven die Landschaft mit seinen breiten Wasserflächen, Stromschnellen, Inseln, Auwäldern und Feuchtgebieten.
Wir waren inzwischen mehrfach am Färnebofjärden und haben dabei vor allem die Gegend rund um Gysinge kennengelernt. Für uns ist das ein idealer Ausgangspunkt, wenn Du mit dem Wohnmobil unterwegs bist. Du kannst direkt am Nationalpark übernachten, eine kurze Wanderung unternehmen und die alten Brücken über den Dalälven erkunden. Besonders schön lässt sich der Nationalpark außerdem vom Wasser aus erleben – unsere Kanutour stellen wir Dir noch in einem eigenen Beitrag vor.
Was macht den Färnebofjärden Nationalpark besonders?
Der Färnebofjärden liegt am Unterlauf des Dalälven und schützt eine für Schweden außergewöhnliche Flusslandschaft. Auf einer Fläche von mehr als 10.000 Hektar wechseln sich breite Wasserflächen, Stromschnellen, Feuchtgebiete, Auwälder und alte Wälder miteinander ab. Mehr als 200 Inseln und Schären liegen innerhalb dieser Landschaft.
Eine Besonderheit ist die Lage an der biologischen Grenze zwischen Nord- und Südschweden, dem sogenannten Limes Norrlandicus. Dadurch treffen hier Pflanzen- und Tierarten aufeinander, die ansonsten eher für unterschiedliche Teile Schwedens typisch sind.
Das Wasser bestimmt dabei große Teile der Natur. Der Dalälven überschwemmt regelmäßig flache Uferbereiche und schafft dadurch Lebensräume, die sich ständig verändern. Für uns macht gerade diese Mischung den Reiz des Nationalparks aus. Färnebofjärden fühlt sich völlig anders an als die von Bergen geprägten Nationalparks weiter im Norden.
Auch für Vogelbeobachter ist das Gebiet interessant. Mehr als 200 Vogelarten wurden im Gebiet beobachtet, und etwas mehr als 100 Arten brüten hier regelmäßig. Unter anderem kannst Du mit etwas Glück Seeadler und Fischadler entdecken.
Gysinge als Ausgangspunkt für den Nationalpark
Wenn Du den Färnebofjärden Nationalpark zum ersten Mal besuchst, ist Gysinge ein sehr guter Ausgangspunkt. Hier befindet sich das Naturum Färnebofjärden, und von Gysinge führen Wanderwege direkt in Richtung Nationalpark.
Der eigentliche Haupteingang liegt auf Mattön rund 2,5 Kilometer südöstlich von Gysinge. Er besteht aus einem nördlichen und einem südlichen Eingangsbereich. Wir haben bei unseren Besuchen vor allem den nördlichen Teil genutzt.
Direkt hier befindet sich auch der Parkplatz, auf dem wir bereits mehrfach mit unserem Wohnmobil übernachtet haben.
Koordinaten Haupteingang Nord / Wohnmobilstellplätze:
📍 60.2710, 16.9074
Das Parken ist hier kostenlos. Auf den Parkplätzen an den Nationalpark-Eingängen darfst Du derzeit mit Auto, Wohnmobil oder Wohnwagen bis zu zwei Nächte übernachten. Da sich Regelungen und Beschilderungen ändern können, solltest Du vor Ort trotzdem immer noch einmal auf die aktuellen Schilder achten.
Für uns ist dieser Platz vor allem wegen seiner Lage praktisch. Wir können das Wohnmobil stehen lassen und direkt zu Fuß loslaufen.
Wichtiger Hinweis: Es ist für schwere Fahrzeuge nicht erlaubt den Parkplatz von Süden anzufahren, da die Brücken für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen gesperrt sind. Hier mußt Du von Norden durch den Ort Gysinge anfahren. Unser Navi kannte diese Einschränkung nicht.
Picknickplatz direkt am Dalälven
Fast gegenüber vom Parkplatz liegt auf der anderen Straßenseite ein schöner Rastplatz unmittelbar am Wasser. Wir haben diesen Platz bei unseren Aufenthalten ebenfalls gerne genutzt.
Koordinaten Picknickplatz:
📍 60.2699, 16.9081
Hier findest Du Schutzhütten, Sitzmöglichkeiten und Feuerstellen direkt am Dalälven. Gerade am Abend ist das ein schöner Platz, um noch einmal ans Wasser zu gehen.
Feuer solltest Du allerdings nur an den dafür vorgesehenen Stellen machen und immer die aktuelle Waldbrandgefahr beachten. Ein vorhandener Feuerplatz bedeutet nicht automatisch, dass Feuer zu jedem Zeitpunkt erlaubt ist.
Unsere kurze Rundwanderung über die Brändanslingan im Färnebofjärden Nationalpark
Vom Bereich des Haupteingangs kannst Du verschiedene Wanderungen unternehmen. Wir sind hier eine kurze Runde von ungefähr 3,5 Kilometern gelaufen und waren dafür etwa eine Stunde unterwegs.
Gerade wenn Du auf der Durchreise bist oder nach einer längeren Fahrt noch etwas Bewegung suchst, ist eine kurze Runde hier ideal. Du bekommst bereits einen guten Eindruck von der besonderen Landschaft, ohne gleich einen kompletten Wandertag einplanen zu müssen.
Die Bändanslingan ist beispielsweise etwa 3,5 Kilometer lang und führt teilweise am Dalälven entlang sowie durch Wald und über Feuchtflächen. Noch länger sind verschiedene Routen, die Gysinge, Mattön und die alten Eisenbahnbrücken miteinander verbinden.
Je nach Wasserstand können einzelne Wege und Stege nass oder sogar überflutet sein. Nach längeren Regenperioden oder bei Hochwasser würden wir deshalb vor einer größeren Tour den aktuellen Zustand der Wege prüfen.
Die alten Eisenbahnbrücken bei Gysinge
Ein besonderes Highlight rund um Gysinge sind für uns die alten Eisenbahnbrücken über den Dalälven. Sie verbinden Naturerlebnis und Industriegeschichte und passen erstaunlich gut in die von Wasser und Inseln geprägte Landschaft.
Die Brücken gehörten zur ehemaligen Bahnstrecke zwischen Sala, Gysinge und Gävle. Sie entstanden um die Wende zum 20. Jahrhundert; die Bahnverbindung wurde 1901 vollständig eröffnet. Für die Querung des weit verzweigten Dalälven waren mehrere Brücken notwendig.
Heute fahren hier längst keine Züge mehr. Stattdessen kannst Du die alten Eisenbahnbrücken zu Fuß überqueren und dabei aus einer ganz anderen Perspektive auf den Dalälven schauen. Die offizielle Wanderroute zwischen dem Haupteingang, den Eisenbahnbrücken und Gysinge nutzt diese Verbindung ebenfalls.
Gerade hier wird deutlich, wie ungewöhnlich die Landschaft des Färnebofjärden ist. Der Dalälven besteht nicht einfach aus einem breiten Flussbett. Wasserarme, Inseln, bewaldete Ufer und Stromschnellen greifen ineinander, und von den Brücken bekommst Du dafür einen besonders schönen Blick.
Wenn Du genügend Zeit hast, würden wir die alten Brücken deshalb unbedingt in Deinen Besuch einbauen.
Naturum Färnebofjärden in Gysinge
Wenn Du mehr über die Natur des Nationalparks erfahren möchtest, lohnt sich außerdem ein Besuch im Naturum Färnebofjärden in Gysinge. Das Besucherzentrum befindet sich in einem historischen Stallgebäude aus dem Jahr 1814.
Die Ausstellung beschäftigt sich unter anderem mit der Tierwelt und der besonderen Flusslandschaft des Nationalparks. Interessant ist das Naturum auch als Ausgangspunkt für weitere Spaziergänge rund um die Stromschnellen von Gysinge.
Von hier führt eine Brückenanlage zu einer alten Mühlenruine mitten in den Gysinge-Stromschnellen. Auch dieser Bereich lohnt sich, wenn Du ohnehin durch Gysinge läufst.
Die Öffnungszeiten des Naturum ändern sich im Jahresverlauf. Wir würden deshalb vor dem Besuch immer die aktuellen Zeiten prüfen.
Färnebofjärden vom Wasser aus erleben
So schön die Wanderwege sind: Einen großen Teil des Färnebofjärden kannst Du vom Land aus nur eingeschränkt erleben. Zwischen den zahlreichen Inseln, Seitenarmen und breiten Wasserflächen erschließt sich der Nationalpark noch einmal aus einer völlig anderen Perspektive.
Deshalb gehört für uns eine Kanutour zu den schönsten Möglichkeiten, den Färnebofjärden kennenzulernen. Wir waren selbst mit dem Kanu im Gebiet unterwegs und werden unsere Tour mit Strecke, Einstieg und unseren Erfahrungen noch in einem eigenen Beitrag vorstellen.
Wenn Du selbst paddeln möchtest, solltest Du die Strömungsverhältnisse und insbesondere die Stromschnellen ernst nehmen. Außerdem gibt es im Nationalpark zeitweise gesperrte Vogelschutzbereiche. Vor einer Tour gehört deshalb für uns ein Blick auf die aktuelle Nationalparkkarte und die geltenden Regeln zur Vorbereitung dazu.
➡️ Wir waren selbst mit dem Kanu im Färnebofjärden unterwegs. Unsere Runde führt über verschiedene Wasserflächen und durch einen schmaleren Kanal zu einem überdachten Rastplatz, bevor es zurück zum Ausgangspunkt geht. Die genaue Strecke, unsere Einsetzstelle und alle Koordinaten findest Du in unserer Kanutour im Färnebofjärden.
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Der Färnebofjärden Nationalpark lässt sich zu Fuß erkunden, doch für uns zeigt er seinen eigentlichen Charakter erst vom Wasser aus....
Weitere Wanderungen im Nationalpark
Wenn Du mehr Zeit mitbringst, musst Du Dich nicht auf die Umgebung von Gysinge beschränken. Der Färnebofjärden besitzt mehrere Eingänge und ein deutlich größeres Wegenetz, als unser kurzer Besuch rund um den Haupteingang zunächst vermuten lässt.
Neben Gysinge und dem Haupteingang auf Mattön kannst Du beispielsweise bei Skekarsbo, Öberget oder Balforsen starten. Von kurzen Rundwegen bis zu längeren Touren durch Wälder, Feuchtgebiete und entlang des Dalälven gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Wir würden trotzdem nicht versuchen, bei einem ersten Besuch möglichst viele Eingänge abzufahren. Gerade Gysinge bietet eine gute Kombination aus Naturum, historischen Brücken, Flusslandschaft und Wanderwegen. Für einen ersten Eindruck des Nationalparks ist das unserer Meinung nach die sinnvollste Basis.
Mit dem Wohnmobil am Färnebofjärden Nationalpark
Für Wohnmobilreisende ist der Haupteingang bei Gysinge besonders interessant. Wir haben dort bereits mehrfach übernachtet und würden den Platz wieder nutzen.
Falls Du lieber einen regulären kostenpflichtigen Stellplatz nutzen möchtest, gibt es in Gysinge eine Alternative, die wir ebenfalls kennen.
Koordinaten Stellplatz Gysinge:
📍 60.2884, 16.8856
➡️ Wenn Du lieber auf einem Campingplatz übernachten und mehrere Tage in der Region bleiben möchtest, ist die Schwedenpause am Färnebofjärden eine interessante Alternative. Wir haben dort selbst direkt am Dalälven gestanden und von dort unter anderem eine Motorboottour unternommen.
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Direkt am Dalälven und nur einen Katzensprung vom Färnebofjärden Nationalpark entfernt liegt ein Campingplatz, an den wir uns auch viele...
Welche Regeln gelten im Färnebofjärden Nationalpark?
Wie in allen schwedischen Nationalparks gelten auch im Färnebofjärden besondere Regeln, die teilweise über das allgemeine Jedermannsrecht hinausgehen.
Feuer darfst Du nur an ausgewiesenen Feuerstellen machen. Zelten und andere Übernachtungen in der Natur sind ebenfalls nur an dafür vorgesehenen Plätzen erlaubt. Hunde müssen angeleint werden, und Pflanzen, tote oder lebende Bäume sowie die Tierwelt dürfen nicht beschädigt oder gestört werden.
Besonders wichtig sind die zeitweisen Schutzgebiete für Vögel. Bestimmte gekennzeichnete Bereiche dürfen vom 1. Januar bis zum 31. Juli nicht betreten oder befahren werden. Bei geschützten Inseln gilt das Verbot auch für den Bereich rund um die Inseln.
Das ist vor allem wichtig, wenn Du mit Kanu oder Boot unterwegs bist. Wir empfehlen Dir deshalb, vor Deinem Besuch die aktuelle Nationalparkkarte und die geltenden Regeln zu prüfen.
Wie viel Zeit solltest Du für den Färnebofjärden einplanen?
Für einen ersten Besuch rund um Gysinge reicht grundsätzlich ein halber bis ganzer Tag. Du kannst die alten Brücken anschauen, eine kurze Wanderung unternehmen, am Dalälven Pause machen und das Naturum besuchen.
Mit dem Wohnmobil würden wir uns aber nicht unter Zeitdruck setzen. Gerade weil Du am Haupteingang übernachten kannst, lässt sich der Nationalpark gut in zwei entspannte Tage aufteilen. Dann bleibt auch Zeit für eine längere Wanderung oder einen ausgedehnten Spaziergang durch Gysinge.
Wenn Du zusätzlich paddeln möchtest, würden wir mindestens einen weiteren Tag einplanen. Vom Wasser aus bekommt der Nationalpark für uns noch einmal einen ganz anderen Charakter.
Unser Fazit zum Färnebofjärden Nationalpark
Der Färnebofjärden Nationalpark gehört für uns nicht zu den schwedischen Nationalparks, die mit einem einzigen spektakulären Aussichtspunkt beeindrucken. Seine Stärke liegt in der Landschaft selbst: Dalälven, Stromschnellen, Inseln, Wälder und Feuchtgebiete bilden ein Gebiet, das sich am besten langsam entdecken lässt.
Besonders gut gefällt uns die Gegend rund um Gysinge. Wir können dort mit dem Wohnmobil direkt am Nationalpark übernachten, vom Parkplatz zu einer Wanderung starten und anschließend am Wasser sitzen. Die alten Eisenbahnbrücken und die Stromschnellen geben dem Gebiet zusätzlich einen ganz eigenen Charakter.
Wenn Du mit dem Wohnmobil durch Mittelschweden reist und Natur, Wandern und Wasser miteinander verbinden möchtest, können wir Dir den Färnebofjärden deshalb sehr empfehlen. Und wenn Du etwas mehr Zeit hast, solltest Du den Nationalpark nicht nur vom Ufer aus erkunden. Für uns gehört eine Tour mit dem Kanu unbedingt dazu.
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