Der Gamle Strynefjellsvegen gehört zu den außergewöhnlichsten Bergstraßen Norwegens. Auf rund 27 Kilometern führt die historische Straße durch die beeindruckende Hochgebirgslandschaft zwischen Grotli und Videsæter. Statt moderner Tunnel und breiter Fahrbahnen erwarten Dich hier schmale Straßenabschnitte, zahlreiche Kurven, alte Steinmauern und teilweise noch immer die ursprünglichen Begrenzungssteine aus dem 19. Jahrhundert. Besonders reizvoll ist dabei die Kombination aus der historischen Straßenführung und der weitläufigen norwegischen Berglandschaft mit ihren Seen, Felsen und Schneefeldern.
Doch der Gamle Strynefjellsvegen hat noch eine weitere Besonderheit zu bieten. In der Nähe von Grotli befinden sich die Überreste eines deutschen Flugzeugs, das während des Zweiten Weltkriegs in der norwegischen Bergwelt notlanden musste. Die Geschichte dieses Flugzeugwracks ist eng mit einem ungewöhnlichen Zusammentreffen deutscher und britischer Soldaten verbunden und wurde später sogar verfilmt. Wenn Du Dich neben spektakulären Landschaften auch für Geschichte interessierst, lohnt es sich deshalb, für diesen Abschnitt etwas mehr Zeit einzuplanen.
In diesem Beitrag zeigen wir Dir, was den Gamle Strynefjellsvegen so besonders macht, welche Sehenswürdigkeiten Dich entlang der Strecke erwarten und worauf Du bei einer Fahrt mit dem Wohnmobil achten solltest. Außerdem erfährst Du, wo sich das historische Flugzeugwrack befindet und welche Geschichte hinter den Überresten steckt.
Wo liegt der Gamle Strynefjellsvegen?
Der Gamle Strynefjellsvegen liegt im Süden Norwegens und verbindet die Gegend um Grotli mit Videsæter auf der westlichen Seite des Strynefjells. Die historische Bergstraße trägt die Straßennummer 258 und ist heute eine der offiziellen Norwegischen Landschaftsrouten. Sie verläuft parallel zur moderneren Reichsstraße 15, die den Gebirgszug über eine wesentlich schnellere Verbindung mit mehreren Tunneln überquert.
Die insgesamt 27 Kilometer lange Landschaftsroute führt durch eine abwechslungsreiche Hochgebirgslandschaft und erreicht ihren höchsten Punkt auf rund 1.139 Metern über dem Meeresspiegel. Besonders eindrucksvoll sind die zahlreichen Bergseen, die kargen Felslandschaften und die alten Steinmauern, die teilweise unmittelbar neben der Straße verlaufen. Gerade zu Beginn der Sommersaison können zudem noch große Schneefelder liegen, die einen faszinierenden Kontrast zu den dunklen Felsen und dem Wasser bilden.
Wenn Du aus Richtung Geiranger kommst, kannst Du die Fahrt über das Strynefjell gut in Deine Reise integrieren. Auch für eine Weiterfahrt in Richtung Stryn, Nordfjord oder Lom bietet sich die historische Bergstraße als landschaftlich interessante Alternative zur modernen Hauptverkehrsstraße an.
Die historische Bergstraße über das Strynefjell
Der Gamle Strynefjellsvegen ist weit mehr als eine gewöhnliche Verbindungsstraße. Sein Ursprung reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als eine bessere Verkehrsverbindung zwischen den westnorwegischen Fjordregionen und dem Landesinneren geschaffen werden sollte. Die Bauarbeiten begannen in den 1880er-Jahren und wurden größtenteils in aufwendiger Handarbeit durchgeführt. Arbeiter aus verschiedenen Regionen Norwegens sowie schwedische Wanderarbeiter waren am Bau beteiligt.
Besonders bemerkenswert sind die zahlreichen handgefertigten Steinmauern und die langen Reihen großer Begrenzungssteine entlang der Fahrbahn. Diese sogenannten Stabbesteine dienten ursprünglich dazu, die Straße an besonders exponierten Stellen zu sichern. Heute prägen sie das charakteristische Erscheinungsbild des Gamle Strynefjellsvegen und erinnern daran, unter welchen Bedingungen die Bergstraße damals angelegt wurde.
Nachdem 1978 die moderne Straßenverbindung über das Strynefjell eröffnet worden war, verlor die alte Straße ihre Bedeutung als Hauptverkehrsweg. Stattdessen entwickelte sie sich zu einer beliebten Ausflugsstrecke, die vor allem wegen ihrer außergewöhnlichen Landschaft und historischen Bauweise besucht wird. Seit 2009 steht der Gamle Strynefjellsvegen unter Denkmalschutz, sodass sein ursprünglicher Charakter auch für zukünftige Generationen erhalten bleiben soll.
Die Fahrt über den Gamle Strynefjellsvegen
Schon nach den ersten Kilometern wird deutlich, dass sich der Gamle Strynefjellsvegen erheblich von den modernen norwegischen Hauptverkehrsstraßen unterscheidet. Die Fahrbahn ist stellenweise schmal, großteils geschottert und folgt dem natürlichen Verlauf der Berglandschaft. Statt möglichst schnell von einem Ort zum nächsten zu gelangen, geht es hier vor allem darum, die Umgebung zu genießen und die historische Straßenführung zu erleben.
Besonders charakteristisch sind die zahlreichen Kurven, die alten Begrenzungssteine und die kleinen Bergseen unmittelbar neben der Straße. Immer wieder eröffnen sich schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge, während sich die Landschaft mit zunehmender Höhe verändert. Gerade die Schotterabschnitte verleihen der Strecke einen besonderen Charakter, erfordern allerdings auch eine entsprechend vorsichtige Fahrweise.
Für die reine Durchfahrt benötigst Du nicht besonders viel Zeit. Allerdings wäre es schade, die historische Bergstraße lediglich als alternative Verbindung zwischen Grotli und Videsæter zu betrachten. Entlang der Strecke gibt es zahlreiche interessante Fotomotive und Möglichkeiten für kurze Spaziergänge, weshalb Du Dir für diesen Ausflug ausreichend Zeit nehmen solltest.
Mit dem Wohnmobil über den Gamle Strynefjellsvegen
Grundsätzlich lässt sich der Gamle Strynefjellsvegen auch mit geeigneten Wohnmobilen befahren. Allerdings solltest Du die Strecke nicht mit einer gewöhnlichen, breit ausgebauten Hauptverkehrsstraße vergleichen. Die teilweise schmale Fahrbahn, die zahlreichen Kurven und die unbefestigten Abschnitte erfordern eine vorausschauende Fahrweise, insbesondere wenn Dir größere Fahrzeuge entgegenkommen.
Besonders wichtig sind die geltenden Fahrzeugbeschränkungen. Auf dem Abschnitt zwischen Grotli und der Grenze zur Provinz Vestland bestehen Einschränkungen für Fahrzeuge mit einer Länge von über acht Metern und einer Achslast von über acht Tonnen. Wenn Du mit einem größeren oder besonders schweren Wohnmobil unterwegs bist, solltest Du deshalb vorab prüfen, ob Dein Fahrzeug die Strecke überhaupt befahren darf. Beachte dabei unbedingt auch die aktuelle Beschilderung vor Ort.
Mit einem Wohnwagengespann würden wir die Strecke ebenfalls nicht befahren. Gerade bei engen Kurven und auf schmalen Schotterabschnitten kann es schwierig werden, wenn Gegenverkehr auftaucht oder eine geeignete Ausweichstelle fehlt. Die moderne Reichsstraße 15 bietet eine wesentlich unkompliziertere Alternative, falls Du mit einem großen Fahrzeug unterwegs bist oder Dir die Bedingungen auf der historischen Bergstraße nicht zusagen.
Das Flugzeugwrack bei Grotli: Ein Stück Geschichte am Wegesrand
Eine besonders interessante Sehenswürdigkeit entlang des Gamle Strynefjellsvegen befindet sich in der Nähe des kleinen Bergsees Heillstuguvatnet, wenige Kilometer westlich von Grotli. Hier liegen noch heute Überreste eines deutschen Bombenflugzeugs vom Typ Heinkel He 111, das während des Zweiten Weltkriegs in der norwegischen Berglandschaft notlanden musste.
Die Geschichte hinter dem Flugzeugwrack beginnt am 27. April 1940. Während des deutschen Angriffs auf Norwegen befand sich die Heinkel auf einem militärischen Einsatz, als sie von britischen Flugzeugen angegriffen und schwer beschädigt wurde. Der Besatzung gelang eine Notlandung in der verschneiten Berglandschaft bei Grotli, allerdings überlebten nicht alle Besatzungsmitglieder die Ereignisse.
Auch eines der britischen Flugzeuge, eine Blackburn Skua, musste nach dem Luftkampf notlanden. Die beiden britischen Flieger landeten auf dem zugefrorenen Breidalsvatnet, während sich die überlebenden deutschen Besatzungsmitglieder in der Nähe des Heillstuguvatnet befanden. Auf der Suche nach Schutz vor dem schlechten Wetter gelangten schließlich Angehörige beider Besatzungen zu derselben abgelegenen Berghütte.
Ausgerechnet die Männer, die sich zuvor noch in der Luft bekämpft hatten, waren nun gemeinsam den extremen Wetterbedingungen der norwegischen Bergwelt ausgesetzt. Diese ungewöhnliche Begegnung wurde später zum Ausgangspunkt des norwegischen Spielfilms „Into the White“, der 2012 veröffentlicht wurde.
Wo befindet sich das Flugzeugwrack?
Die Überreste der deutschen Heinkel liegen am südöstlichen Ende des Heillstuguvatnet, ungefähr vier Kilometer vom östlichen Beginn des Gamle Strynefjellsvegen bei Grotli entfernt. Der Bereich befindet sich unweit der historischen Bergstraße und lässt sich bei geeigneten Wetterbedingungen mit einem kurzen Abstecher zu Fuß erkunden.
Allerdings solltest Du nicht erwarten, dort ein vollständig erhaltenes Flugzeug vorzufinden. Von der Heinkel sind lediglich einzelne Wrackteile übrig geblieben, darunter größere Metallteile und Überreste der technischen Ausstattung. Die Fundstelle steht unter Denkmalschutz und sollte entsprechend respektvoll behandelt werden.
Für einen Besuch empfehlen wir festes Schuhwerk und ausreichend Zeit, denn auch wenn die Fundstelle relativ nah an der Straße liegt, bewegst Du Dich in einer hochalpinen Landschaft. Je nach Jahreszeit können Schneefelder, nasse Böden und kleinere Wasserläufe den Zugang erschweren. Verlasse Dich deshalb nicht ausschließlich auf eine ungefähre Positionsangabe, sondern informiere Dich vor Ort über geeignete Zugänge und die aktuellen Bedingungen.
Bitte beachte außerdem, dass die historischen Überreste nicht berührt, beschädigt oder mitgenommen werden dürfen. Das Flugzeugwrack ist ein geschichtliches Zeugnis und sollte auch für zukünftige Besucher erhalten bleiben.
Into the White: Die Geschichte hinter dem Flugzeugwrack
Die ungewöhnlichen Ereignisse rund um den Absturz bei Grotli wurden 2012 unter dem Titel „Into the White“ verfilmt. Der Film erzählt von der Begegnung deutscher und britischer Soldaten, die nach ihren Notlandungen gemeinsam in einer abgelegenen Berghütte Schutz vor einem Schneesturm suchen müssen.
Die Geschichte basiert auf den tatsächlichen Ereignissen vom April 1940, wurde für die filmische Umsetzung allerdings dramaturgisch bearbeitet. Gedreht wurde unter anderem in der Umgebung von Grotli, sodass die eindrucksvolle norwegische Berglandschaft auch im Film eine wichtige Rolle spielt.
Wenn Du Dich für die Geschichte des Zweiten Weltkriegs interessierst, ist der Besuch des Flugzeugwracks deshalb eine interessante Ergänzung zur Fahrt über den Gamle Strynefjellsvegen. Die noch vorhandenen Überreste vermitteln einen unmittelbaren Eindruck davon, wie abgelegen und unwirtlich diese Region während der Ereignisse im April 1940 gewesen sein muss.
Weitere Sehenswürdigkeiten entlang des Gamle Strynefjellsvegen
Neben der historischen Straßenführung und dem Flugzeugwrack erwarten Dich entlang der Landschaftsroute zahlreiche weitere interessante Orte. Besonders reizvoll sind die vielen kleinen Bergseen, die teilweise unmittelbar neben der Straße liegen und bei ruhigem Wetter die umliegenden Berge widerspiegeln. Gerade für Fotografen bieten sich hier zahlreiche Möglichkeiten, die raue Hochgebirgslandschaft aus unterschiedlichen Perspektiven festzuhalten.
Heillstuguvatnet und die Bergseen
Der Heillstuguvatnet ist nicht nur wegen des nahe gelegenen Flugzeugwracks interessant. Der kleine Bergsee liegt eingebettet in eine weitläufige Landschaft aus Felsen, karger Vegetation und umliegenden Bergen. Besonders bei wechselhaften Wetterbedingungen entstehen hier interessante Lichtstimmungen, die den besonderen Charakter des norwegischen Hochgebirges unterstreichen.
Entlang der weiteren Strecke erwarten Dich zusätzliche Bergseen und kleinere Wasserläufe, die sich hervorragend für kurze Fotostopps eignen. Gerade wenn Du gerne wanderst, findest Du in der Umgebung außerdem verschiedene Möglichkeiten, die Landschaft abseits der Straße zu erkunden.
Videfossen und Øvstefossen
Auf der westlichen Seite der Landschaftsroute verändert sich die Umgebung deutlich. Während die Straße zunächst durch eine offene Hochgebirgslandschaft führt, geht sie in Richtung Videsæter zunehmend in steilere und grünere Berghänge über.
In dieser Region befinden sich auch die Wasserfälle Videfossen und Øvstefossen, die zu den bekannten Sehenswürdigkeiten entlang der offiziellen Landschaftsroute gehören. Hier kannst Du die Fahrt mit weiteren kurzen Zwischenstopps verbinden und die abwechslungsreiche Landschaft zwischen Hochgebirge und Fjordregion erleben.
Wenn Du genügend Zeit mitbringst, lohnt sich außerdem die Weiterfahrt hinunter in Richtung Hjelle am Strynsvatnet. Der kleine Ort liegt landschaftlich wunderschön am See und bietet einen reizvollen Kontrast zur kargen Bergwelt des Strynefjells.
Wann ist der Gamle Strynefjellsvegen geöffnet?
Der Gamle Strynefjellsvegen ist eine saisonale Bergstraße, die während der Wintermonate geschlossen bleibt. Der genaue Zeitpunkt der Öffnung hängt stark von den Schneeverhältnissen ab und kann sich von Jahr zu Jahr erheblich unterscheiden. In manchen Jahren ist die Straße bereits im Mai befahrbar, während die Freigabe nach besonders schneereichen Wintern erst gegen Ende Juni erfolgen kann.
Auch das Saisonende lässt sich nicht auf ein festes Datum eingrenzen. Je nach Wetterlage kann die Straße bereits im September geschlossen werden oder noch bis in den Oktober hinein geöffnet bleiben. Selbst während der regulären Saison sind kurzfristige Sperrungen möglich, beispielsweise bei Schneefall, Eis oder besonders ungünstigen Wetterbedingungen.
Für die Planung Deiner Reise solltest Du deshalb unbedingt den aktuellen Straßenstatus überprüfen. Das gilt besonders dann, wenn Du den Gamle Strynefjellsvegen zu Beginn oder am Ende der Sommersaison befahren möchtest.
Wie viel Zeit solltest Du für die Fahrt einplanen?
Obwohl der Gamle Strynefjellsvegen lediglich 27 Kilometer lang ist, würden wir für die Fahrt mindestens zwei bis drei Stunden einplanen. Schließlich macht gerade die Kombination aus historischer Straßenführung, beeindruckender Berglandschaft und zahlreichen Fotomotiven den besonderen Reiz dieser Strecke aus.
Wenn Du zusätzlich das Flugzeugwrack am Heillstuguvatnet besuchen möchtest, solltest Du entsprechend mehr Zeit einplanen. Abhängig von den Bedingungen vor Ort und Deinem Interesse an den weiteren Sehenswürdigkeiten kann aus der Fahrt problemlos ein abwechslungsreicher halber Tag werden.
Besonders schön ist es, die Strecke ohne Zeitdruck zu erkunden und immer wieder dort anzuhalten, wo sich interessante Ausblicke ergeben. Gerade mit dem Wohnmobil bietet sich die Gelegenheit, unterwegs eine längere Pause einzulegen und die außergewöhnliche Landschaft in Ruhe zu genießen.
Lohnt sich der Gamle Strynefjellsvegen?
Der Gamle Strynefjellsvegen ist eine außergewöhnliche Kombination aus historischer Straßenbaukunst, beeindruckender Hochgebirgslandschaft und interessanten Sehenswürdigkeiten. Anders als viele moderne Passstraßen wurde er nicht vollständig an heutige Verkehrsanforderungen angepasst, sondern hat sich seinen ursprünglichen Charakter weitgehend bewahrt. Gerade die alten Steinmauern, die schmale Straßenführung und die zahlreichen Schotterabschnitte machen die Fahrt zu einem besonderen Erlebnis.
Wenn Du mit einem geeigneten Fahrzeug unterwegs bist und gerne außergewöhnliche Straßen erkundest, solltest Du den Gamle Strynefjellsvegen bei einer Reise durch diese Region Norwegens berücksichtigen. Besonders interessant wird der Ausflug, wenn Du zusätzlich das historische Flugzeugwrack bei Grotli besuchst und Dir genügend Zeit für die vielen schönen Fotomotive entlang der Strecke nimmst.
Weitere außergewöhnliche Bergstraßen und interessante Reiseziele findest Du in unseren Artikeln über Norwegens schönste Traumstraßen sowie in unserem Norwegen-Highlights-Hub.
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