Mitten in den Wäldern von Dalarna liegt mit der Östra Silvberg Gruva ein Ort, den wir hier zunächst gar nicht erwartet hätten. Zwischen alten Bergbauspuren und bewaldeten Hügeln leuchtet plötzlich das intensiv türkisfarbene Wasser der Storgruvan hervor.
Wir besuchen Östra Silvberg Gruva im Frühjahr 2026. Zu dieser Jahreszeit ist es hier angenehm ruhig und die noch zurückhaltende Vegetation lässt viele Spuren der früheren Bergbautätigkeit besonders gut erkennen.
Östra Silvberg gehört zu den ältesten bekannten Bergbaugebieten Schwedens. Bereits im Mittelalter wurde hier Silber gewonnen. Heute kannst Du durch die historische Grubenlandschaft laufen und dabei neben der spektakulär gefärbten Storgruvan zahlreiche weitere Spuren des jahrhundertelangen Bergbaus entdecken.
Eine der ältesten Silberminen Schwedens
Östra Silvberg liegt südwestlich von Säter im südlichen Dalarna. Die Gegend gehört zu einer alten Bergbauregion, in der über viele Jahrhunderte Silber und Eisen gewonnen und verarbeitet wurden.
Wie weit die Geschichte von Östra Silvberg tatsächlich zurückreicht, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei bestimmen. Schriftliche Hinweise auf das Silberbergwerk reichen bis ins Mittelalter zurück. Sicher belegt ist der Bergbau in Östra Silvberg seit dem späten 15. Jahrhundert.
Ausgerechnet diese frühe Zeit war auch die große Blütezeit des Bergwerks. Bereits im 15. Jahrhundert wurden hier erhebliche Mengen Silber gewonnen.
Das überrascht uns bei unserem Besuch durchaus. Wenn wir an den historischen Bergbau in Dalarna denken, fällt uns zunächst natürlich die wesentlich bekanntere Kupfermine von Falun ein. Östra Silvberg zeigt dagegen, dass die Bergbaugeschichte der Region sehr viel weiter verzweigt ist.
Silber aus Dalarna
Das Silber lag hier nicht einfach als reines Metall im Gestein. Abgebaut wurde unter anderem silberhaltiger Bleiglanz, aus dem das begehrte Edelmetall anschließend gewonnen werden musste.
Die Verarbeitung fand nicht vollständig direkt an der Grube statt. Ein Teil des Erzes wurde beispielsweise zur nahe gelegenen Jönshyttan transportiert und dort verhüttet.
Damit gehörte Östra Silvberg zu einem größeren System aus Gruben, Hütten und späteren Eisenwerken, das die Landschaft um Säter über Jahrhunderte geprägt hat.
Noch heute kannst Du viele dieser Orte besuchen. Sie sind über die Kulturroute Silverringen miteinander verbunden.
Storgruvan – das türkisfarbene Herz von Östra Silvberg
Der auffälligste Ort auf dem Gelände ist für uns allerdings eindeutig die Storgruvan.
Die ehemalige Grube ist heute mit Wasser gefüllt. Je nach Licht erscheint dieses intensiv blaugrün bis türkis und bildet einen starken Kontrast zu den dunklen Felsen und dem umliegenden Wald.
Gerade im Frühjahr wirkt die Szenerie besonders eindrucksvoll. Die Natur erwacht langsam wieder, gleichzeitig bleiben die alten Strukturen der Bergbaulandschaft noch gut sichtbar.
Auf Fotos könnte man die Storgruvan fast mit einem ungewöhnlich gefärbten Bergsee verwechseln.
Das wäre allerdings ein gefährlicher Irrtum.
Warum Du in der Storgruvan nicht baden solltest
So einladend das türkisfarbene Wasser aussehen mag: Die Storgruvan ist kein Badesee.
Die wassergefüllte Grube ist rund 220 Meter tief. Zudem kann das Wasser durch die jahrhundertelange Bergbautätigkeit belastet sein. Da es sich nicht um eine offizielle Badestelle handelt, wird die Wasserqualität auch nicht entsprechend überwacht.
Baden oder Tauchen würden wir hier deshalb keinesfalls.
Rund um das Grubenloch befinden sich Absperrungen. Diese haben einen guten Grund und sollten unbedingt respektiert werden. Gerade an einer ehemaligen Grube können steile Abbruchkanten und instabiler Untergrund eine erhebliche Gefahr darstellen.
Für uns schmälert das den Besuch überhaupt nicht. Die besondere Farbe des Wassers lässt sich auch aus sicherer Entfernung hervorragend betrachten und fotografieren.
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Woher kommt die türkise Farbe?
Bei einem ehemaligen Bergwerk liegt die Vermutung nahe, dass allein bestimmte Mineralien für die ungewöhnliche Farbe verantwortlich sein müssen.
Ganz so einfach lässt sich der Farbeindruck allerdings nicht erklären. Die Wirkung des Wassers hängt unter anderem von den im Wasser enthaltenen beziehungsweise gelösten Stoffen, der Tiefe, dem Untergrund sowie vom einfallenden Licht und den Reflexionen ab.
Entsprechend verändert sich der Eindruck mit dem Wetter. Bei günstigen Lichtverhältnissen leuchtet die Storgruvan besonders intensiv türkis, während das Wasser bei bedecktem Himmel deutlich dunkler wirken kann.
Wir würden den Besuch deshalb nicht ausschließlich von der Erwartung abhängig machen, eine bestimmte Wasserfarbe vorzufinden. Spannend ist vor allem die Kombination aus ehemaligem Bergwerk, Natur und der jahrhundertealten Geschichte des Ortes.
Spuren des Bergbaus rund um die Grube
Wer nur kurz zur Storgruvan läuft, ein Foto macht und wieder fährt, verpasst einen wesentlichen Teil von Östra Silvberg.
Auf dem Gelände sind zahlreiche Spuren des früheren Bergbaus erhalten geblieben. Neben verschiedenen Grubenöffnungen findest Du große Halden aus Gestein und weitere Überreste der früheren Anlagen.
Was zunächst wie ein natürlicher Hügel aussehen kann, ist teilweise das Ergebnis jahrhundertelanger Arbeit. Beim Abbau wurde das nicht benötigte Gestein aus der Grube gefördert und in der Umgebung aufgeschüttet.
Die gesamte Landschaft ist deshalb eine Mischung aus Natur und historischer Industrielandschaft.
Genau das macht unseren Rundgang interessant. Östra Silvberg ist kein klassisches Museum, bei dem sämtliche Exponate hinter Glas stehen. Wir bewegen uns stattdessen direkt durch die historische Bergbaulandschaft.
Bergbau unter Gustav Vasa
Im 16. Jahrhundert gewann die schwedische Krone zunehmend Einfluss auf den Silberbergbau. Unter Gustav Vasaspielte die staatliche Kontrolle der wertvollen Bodenschätze eine wichtige Rolle.
Auch Östra Silvberg geriet stärker unter königlichen Einfluss. Silber war schließlich nicht irgendein Rohstoff, sondern für Münzprägung und Staatsfinanzen von besonderer Bedeutung.
Die große Blütezeit von Östra Silvberg lag zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits zurück.
Über die folgenden Jahrhunderte veränderte sich der Bergbau in der Region immer wieder. Neben Silber gewann die Eisenproduktion zunehmend an Bedeutung. Noch heute erzählen die verschiedenen Stationen rund um Säter von dieser Entwicklung.
Ödekyrkogården und das verschwundene Sankt-Nikolai-Kapell
Nur auf die Gruben solltest Du Deinen Besuch nicht beschränken.
Auf dem Gelände befindet sich auch der Ödekyrkogården, ein alter Friedhof. Hier stand früher das mittelalterliche Sankt-Nikolai-Kapell.
Das Gotteshaus entstand in der Zeit, als der Silberbergbau der Region Wohlstand brachte. Errichtet wurde es für die Menschen der Bergbaugemeinde und es blieb über mehrere Jahrhunderte in Gebrauch.
Erst im 19. Jahrhundert verlor das alte Kapell seine Funktion. Im nahe gelegenen Grängshammar wurde 1834 die neue Silvbergs kyrka fertiggestellt, die anschließend zum kirchlichen Mittelpunkt der Gemeinde wurde.
Vom mittelalterlichen Kapell ist heute nichts Vergleichbares zu einer erhaltenen Kirche übrig geblieben. Trotzdem lohnt sich der kurze Abstecher zum alten Friedhof.
Nach den mächtigen Gruben und Gesteinshalden wirkt dieser Bereich beinahe still und zurückgezogen.
Unser Besuch im Frühjahr
Wir sind im Frühjahr 2026 in Östra Silvberg.
Für uns ist das eine schöne Zeit für den Besuch. Noch ist deutlich weniger los als während der sommerlichen Reisezeit und wir können uns in Ruhe auf dem Gelände umsehen.
Außerdem ist die Vegetation noch nicht so dicht wie später im Jahr. Dadurch lassen sich Strukturen und Geländeformen teilweise besser erkennen.
Wir nehmen uns Zeit, laufen durch das historische Grubengelände und schauen uns natürlich die Storgruvan ausführlich an. Gerade der Gegensatz zwischen dem intensiv gefärbten Wasser und der alten Bergbaulandschaft macht den Ort für uns besonders.
Östra Silvberg ist dabei kein Ausflugsziel, für das wir einen kompletten Tag einplanen würden. Für einen interessanten Zwischenstopp auf einer Reise durch Dalarna eignet sich die ehemalige Silbermine dagegen hervorragend.
Die Silverringen verbindet die Bergbaugeschichte der Region
Wenn Du Dich für historische Bergbauorte interessierst, kannst Du den Besuch von Östra Silvberg problemlos erweitern.
Die Grube gehört zur Silverringen, einer Kulturroute durch die Bergbaulandschaft rund um Silvberg und Säter.
Neben Östra Silvberg gehören unter anderem Jönshyttan, Grängshammar, Ulfshyttan und die Bispbergs gruva zu den Stationen. Zusammen erzählen sie verschiedene Teile der regionalen Bergbaugeschichte – vom Abbau der Erze über deren Verarbeitung bis zu späteren Eisenwerken.
Besonders interessant finden wir dabei Jönshyttan. Hier wurde früher unter anderem das in Östra Silvberg geförderte Silbererz verarbeitet.
Du kannst Östra Silvberg deshalb entweder als einzelnes Ausflugsziel besuchen oder daraus eine kleine Entdeckungstour durch die Bergbaulandschaft im südlichen Dalarna machen.
Östra Silvberg mit dem Wohnmobil
Auch mit dem Wohnmobil lässt sich Östra Silvberg besuchen. Allerdings gibt es eine wichtige Einschränkung.
Das Übernachten beziehungsweise Aufstellen von Wohnmobilen und Wohnwagen auf dem Gelände ist nicht erlaubt. Östra Silvberg solltest Du daher als Tagesziel einplanen und Dir für die Nacht einen anderen Stell- oder Campingplatz suchen.
Während der Sommersaison wird der unmittelbare historische Bereich außerdem für den normalen Autoverkehr gesperrt, um die empfindliche Kulturumgebung zu schützen und Verkehrsprobleme zu vermeiden. Unterhalb des Geländes steht dann ein kostenloser Parkplatz zur Verfügung.
Im Sommer gibt es einfache Toiletten. Außerdem sind Rastmöglichkeiten vorhanden.
Da wir im Frühjahr unterwegs sind, würden wir uns außerhalb der Hauptsaison grundsätzlich nicht darauf verlassen, dass sämtliche saisonalen Einrichtungen bereits verfügbar sind.
Ein geschützter historischer Ort
Beim Rundgang sollte man bedenken, dass hier nicht einfach ein paar alte Steine herumliegen.
Die sichtbaren Überreste gehören zu einer geschützten historischen Kulturlandschaft. Dazu zählen auch unscheinbare Dinge wie alte Gesteinshalden.
Steine oder andere Überreste solltest Du deshalb nicht als Souvenir mitnehmen oder versetzen. Auch eigene Feuerstellen sind auf dem Gelände nicht erlaubt. Für Feuer beziehungsweise Grillen gibt es vorgesehene Plätze, deren Nutzung zusätzlich von den jeweils geltenden Waldbrand- und Feuerregeln abhängt.
Eigentlich versteht sich der vorsichtige Umgang mit dem Gelände von selbst: Vieles, was heute zunächst unscheinbar wirkt, ist ein Teil der jahrhundertealten Geschichte von Östra Silvberg.
Wie viel Zeit solltest Du einplanen?
Für einen normalen Besuch würden wir ungefähr ein bis zwei Stunden einplanen.
Damit bleibt genügend Zeit, um nicht nur zur Storgruvan zu laufen, sondern auch die Umgebung zu erkunden und beim Ödekyrkogården vorbeizuschauen.
Wer sich intensiv für Bergbaugeschichte interessiert und die Informationstafeln ausführlich lesen möchte, kann natürlich länger bleiben. Noch mehr Zeit solltest Du einplanen, wenn Du mehrere Stationen der Silverringen miteinander kombinierst.
Östra Silvberg selbst ist dagegen ein angenehm kompaktes Ausflugsziel.
Lohnt sich Östra Silvberg?
Für uns definitiv – vor allem, weil der Ort gleich auf mehreren Ebenen interessant ist.
Da ist zunächst die Storgruvan mit ihrem auffällig türkisfarbenen Wasser, die schon allein einen Besuch wert ist. Dazu kommt die Geschichte einer Silbermine, deren große Zeit bereits im Mittelalter lag.
Erst beim Rundgang wird aber deutlich, dass Östra Silvberg mehr ist als ein hübsches Fotomotiv. Alte Gruben, Gesteinshalden und der Ödekyrkogården erzählen von einer Zeit, in der der Bergbau das Leben in dieser Region maßgeblich bestimmte.
Gerade weil der Ort nicht wie ein großes touristisches Freilichtmuseum inszeniert wirkt, gefällt er uns besonders gut.
Wenn Du auf Deiner Reise durch Dalarna unterwegs bist und Dich für ungewöhnliche historische Orte interessierst, würden wir Östra Silvberg als Zwischenstopp einplanen.
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