Mitten in den Wäldern von Hälsingland liegt mit der Enåsengruvan ein ungewöhnlicher Lost Place, den man hier zunächst kaum erwarten würde. In der ehemaligen Mine wurden vor allem Gold und Kupfer gewonnen, heute ist der Tagebau mit auffällig türkisfarbenem Wasser gefüllt. Zusammen mit den alten Bergbauspuren und der abgeschiedenen Lage entsteht eine ziemlich besondere Atmosphäre.
Schon die Anfahrt ist Teil des Erlebnisses. Zur Enåsengruvan führen Schotterstraßen von Westen und Osten, die sich hinsichtlich ihres Schwierigkeitsgrades allerdings erheblich unterscheiden. Wir sind mit einem geländegängigen Fahrzeug unterwegs und können deshalb auch die anspruchsvolle westliche Zufahrt beschreiben. Mit einem normalen Pkw oder Wohnmobil solltest Du dagegen über Ramsjö von Osten anfahren und keinesfalls versuchen, die steile Passage an der Mine als Durchfahrt zu nutzen.
Enåsengruvan: eine ehemalige Goldmine in Hälsingland
Die Lagerstätte bei Enåsen war bereits seit den 1930er-Jahren bekannt, wirtschaftlich abgebaut wurde sie jedoch erst deutlich später. Boliden nahm die Förderung 1984 auf. Zunächst entstand ein Tagebau, später wurde das Erz zusätzlich unter Tage gewonnen. Bereits 1991 endete der Bergbaubetrieb wieder.
Während dieser vergleichsweise kurzen Betriebszeit wurden in Enåsen erhebliche Mengen an Rohstoffen gewonnen. Nach Angaben der schwedischen geologischen Behörde SGU waren es insgesamt rund 3,85 Tonnen Gold und 9,2 Tonnen Silber sowie mehr als 55.000 Tonnen Kupferkonzentrat. Nach der Stilllegung wurden Teile des Bergbaugeländes saniert und rekultiviert. Sowohl der ehemalige Tagebau als auch die unterirdischen Bereiche sind heute mit Wasser gefüllt.
Ganz abgeschlossen ist die Geschichte der Enåsengruvan allerdings möglicherweise noch nicht. Die SGU hat das Gebiet in den vergangenen Jahren erneut geologisch untersucht und 2025 Ergebnisse veröffentlicht, die auf weitere Gold- und Kupfervorkommen hinweisen. Die Lagerstätte besitzt deshalb weiterhin Bedeutung für die schwedische Rohstoffversorgung, auch wenn hier seit mehr als drei Jahrzehnten kein regulärer Bergbau mehr stattfindet.
Das türkisfarbene Wasser der Enåsengruvan
Das auffälligste Merkmal der ehemaligen Mine ist heute das intensiv gefärbte Wasser im Tagebau. Je nach Licht wirkt es blau bis türkis und bildet einen starken Kontrast zu den bewaldeten Hängen rund um die Grube. Gerade bei Sonnenschein sieht das Wasser auf den ersten Blick ausgesprochen einladend aus.
Zum Baden ist der ehemalige Tagebau trotzdem nicht geeignet. Durch die frühere Bergbautätigkeit und die mineralreichen Gesteine kann das Grubenwasser mit Metallen belastet sein. Auch wenn das klare und intensiv gefärbte Wasser einen anderen Eindruck vermittelt, würden wir jeden direkten Kontakt vermeiden. Das Wasser solltest Du weder trinken noch zum Kochen oder für andere Zwecke verwenden; auch Hunde sollten nicht daraus trinken oder darin schwimmen.
Hinzu kommen die typischen Gefahren eines ehemaligen Tagebaus. Steile Böschungen, loses Gestein und Bereiche unterhalb der Wasseroberfläche können schwer einzuschätzen sein. Wir betrachten die Enåsengruvan deshalb als Lost Place zum Anschauen und Fotografieren – und nicht als Badestelle oder Abenteuerspielplatz.
Wichtig: Das Wasser der Enåsengruvan ist kein Badewasser. Wir empfehlen ausdrücklich, weder darin zu baden noch daraus zu trinken und auch Hunde vom Grubenwasser fernzuhalten.
Anfahrt zur Enåsengruvan: zwei völlig unterschiedliche Möglichkeiten
Auf der Karte sieht es zunächst so aus, als ließe sich die Enåsengruvan einfach über die umliegenden Forststraßen erreichen. Tatsächlich gibt es eine Zufahrt von Westen und eine von Osten. Die beiden Varianten unterscheiden sich nach unserer Erfahrung aber so deutlich, dass Du die Route unbedingt passend zu Deinem Fahrzeug auswählen solltest.
Westanfahrt: mit Allrad zur Enåsengruvan
Die westliche Zufahrt ist die deutlich abenteuerlichere Variante und nur für entsprechend geeignete Fahrzeuge zu empfehlen. Von Westen zweigt die Strecke bei folgenden Koordinaten von der Straße Nr. 314 nach Osten ab:
Koordinaten Abzweig West:
📍 62.3152, 15.1255
Von hier fährst Du zunächst rund 20 Kilometer über eine weitgehend schnurgerade verlaufende Schotterpiste durch die einsamen Wälder. Dieser erste Abschnitt ist noch nicht mit dem späteren Offroad-Teil vergleichbar. Entscheidend ist der nächste Abzweig, an dem Du die breitere Schotterstrecke verlässt und nach Südosten in Richtung Enåsengruvan fährst.
Koordinaten Abzweig zur Enåsengruvan:
📍 62.2936, 15.3455
Ab hier ändert sich der Charakter der Strecke deutlich. Die Piste wird einspurig und teilweise stark von der Vegetation eingeengt. Dazu kommen steileres Gelände, ausgewaschene Abschnitte und tiefe Schlaglöcher, während Ausweichmöglichkeiten praktisch fehlen. Nach unserer Erfahrung sind auf diesem Abschnitt Allrad und ausreichend Bodenfreiheit erforderlich.
Für einen Geländewagen oder geeigneten Allrad-Kastenwagen ist die Strecke machbar, wenn Fahrer und Fahrzeug mit solchen Pisten zurechtkommen. Mit einem normalen Wohnmobil oder einem Wohnwagen würden wir diese Zufahrt keinesfalls fahren. Außerdem solltest Du berücksichtigen, dass sich der Zustand einer solchen Strecke durch Regen, Forstarbeiten oder Auswaschungen jederzeit verändern kann.
Parkplatz und Übernachten auf der Westseite
Direkt an der Enåsengruvan erreichst Du einen Platz, an dem Du Dein Fahrzeug abstellen kannst. Hier haben wir auch Lagerfeuerreste gesehen. Durch die abgelegene Lage eignet sich der Platz grundsätzlich auch für eine Übernachtung. Vor Ort haben wir keine aktuelle Beschilderung oder andere Einschränkungen, die dagegen sprechen, gefunden.
Koordinaten Parkplatz West:
📍 62.2871, 15.3682
Gerade mit einem Allrad-Kastenwagen ist das eine interessante Möglichkeit, die Enåsengruvan mit einer sehr ruhigen Nacht mitten im Wald zu verbinden. Wir würden den Platz allerdings nicht als offiziellen Wohnmobilstellplatz bezeichnen. Es handelt sich um einen abgelegenen Parkplatz beziehungsweise eine geeignete Fläche an der Strecke, weshalb rücksichtsvolles Verhalten selbstverständlich sein sollte.
Die steile Passage direkt an der Enåsengruvan
Zwischen dem westlichen und östlichen Parkplatz führt die Strecke unmittelbar an der ehemaligen Mine vorbei. Genau dieser kurze Abschnitt ist besonders kritisch. Die Piste steigt nach Osten steil an und ist stark ausgewaschen, sodass Du ausreichend Bodenfreiheit, Traktion und ein dafür geeignetes Fahrzeug benötigst. Wir haben für die Auffahrt zusätzlich Differentialsperre und Kriechgang genutzt.
Mit einem passenden Geländewagen oder Allrad-Kastenwagen ist dieser Abschnitt befahrbar. Für normale Pkw, klassische Wohnmobile und Wohnwagen ist er dagegen ungeeignet. Besonders wichtig ist das für Besucher, die von Osten kommen: Nur weil die Navigation eine durchgehende Straße in Richtung Westen zeigt, solltest Du diese Passage nicht einfach hinunterfahren.
Ostanfahrt über Ramsjö: die bessere Strecke für normale Fahrzeuge
Wenn Du mit einem normalen Pkw oder Wohnmobil unterwegs bist, empfehlen wir die Anfahrt von Osten über Ramsjö. Auch hier bist Du längere Zeit auf Schotterstraßen unterwegs, diese waren bei unserem Besuch jedoch in wesentlich besserem Zustand als die westliche Offroad-Zufahrt.
Als Orientierung für die Anfahrt kannst Du Ramsjö beziehungsweise folgenden Punkt verwenden:
Koordinaten Ramsjö / Anfahrt von Osten:
📍 62.1834, 15.6377
Von dort geht es über die Schotterstraßen weiter in Richtung Enåsengruvan. Auch auf dieser Seite solltest Du langsam fahren und jederzeit mit Schlaglöchern, losem Schotter oder Veränderungen der Fahrbahn rechnen. Eine schwedische Schotterstraße kann nach starken Regenfällen oder Forstarbeiten deutlich anders aussehen als bei unserem Besuch.
Mit einem normalen Fahrzeug solltest Du schließlich diesen kleinen Parkplatz/Wendeplatz nutzen:
Koordinaten Parkplatz Ost:
📍 62.2852, 15.3747
Hier würden wir mit einem normalen Pkw oder Wohnmobil definitiv Schluss machen. Fahre nicht weiter über die steile Passage an der Enåsengruvan hinunter Richtung Westen. Genau dort wird aus der vergleichsweise unkomplizierten Schotteranfahrt eine Strecke, für die ein geeignetes Allradfahrzeug mit ausreichender Bodenfreiheit notwendig ist.
Mit dem Wohnmobil zur Enåsengruvan
Mit einem normalen Wohnmobil ist die Ostanfahrt über Ramsjö aus unserer Sicht die richtige Wahl. Dass die Strecke nicht asphaltiert ist, sollte Dich nicht grundsätzlich abschrecken, denn gut ausgebaute Schotterstraßen gehören in Schweden gerade abseits der Hauptverkehrsrouten dazu. Trotzdem solltest Du den aktuellen Straßenzustand berücksichtigen und ausreichend Zeit für die Anfahrt einplanen.
Mit einem geländegängigen Allrad-Kastenwagen sieht die Situation anders aus. Dann kann auch die westliche Route interessant sein und die Anfahrt selbst wird bereits Teil des Erlebnisses. Entscheidend sind aber nicht allein vier angetriebene Räder: Bodenfreiheit, Reifen, Fahrzeugabmessungen und Erfahrung auf ausgewaschenen Pisten spielen ebenso eine Rolle.
Mit einem Wohnwagen würden wir insbesondere von der westlichen Route und der Passage an der Mine ausdrücklich abraten. Selbst wenn die Zufahrt auf einer digitalen Karte wie eine normale durchgehende Straße aussieht, sagt das wenig über Breite, Steigung, Auswaschungen und Wendemöglichkeiten aus.
Was gibt es an der Enåsengruvan heute zu sehen?
Im Mittelpunkt steht der ehemalige Tagebau mit seinem ungewöhnlich türkisfarbenen Wasser. Zusammen mit den steilen Felswänden, den Spuren des Bergbaus und dem umgebenden Wald entsteht eine Landschaft, die sich deutlich von den klassischen schwedischen Sehenswürdigkeiten unterscheidet. Gerade die Abgeschiedenheit macht für uns einen großen Teil der Atmosphäre aus.
Trotz der Bezeichnung als Lost Place solltest Du die Enåsengruvan nicht mit einem frei zugänglichen verlassenen Freizeitgelände verwechseln. Das Gebiet hat weiterhin einen Eigentümer, und Teile der ehemaligen Bergbauanlage werden nach wie vor überwacht beziehungsweise nachgesorgt. Absperrungen, Verbotsschilder und andere Hinweise vor Ort solltest Du deshalb unbedingt respektieren und nicht versuchen, abgesperrte Anlagen oder ehemalige unterirdische Bereiche zu betreten.
Für einen Besuch braucht es solche Aktionen ohnehin nicht. Schon die Anfahrt durch die Wälder, der Blick in den wassergefüllten Tagebau und die ungewöhnliche Geschichte des Ortes machen die Enåsengruvan zu einem spannenden Zwischenziel auf einer Reise durch das schwedische Inland.
Unser Fazit zur Enåsengruvan
Die Enåsengruvan ist kein klassisches schwedisches Ausflugsziel mit Besucherzentrum, Parkplatz und ausgeschildertem Rundweg. Genau darin liegt für uns aber der Reiz dieses Ortes. Die ehemalige Goldmine verbindet Industriegeschichte mit einer abgeschiedenen Waldlandschaft und einem wassergefüllten Tagebau, dessen intensive Farbe zunächst kaum zu seiner industriellen Vergangenheit passen will.
Besonders wichtig ist die Wahl der richtigen Anfahrt. Mit einem normalen Pkw oder Wohnmobil würden wir immer über Ramsjö von Osten kommen und am östlichen Parkplatz bleiben. Die westliche Route und insbesondere die steile Passage unmittelbar an der Mine gehören dagegen in die Kategorie Allrad und ausreichende Bodenfreiheit. Und so faszinierend das türkisfarbene Wasser aussieht: Baden oder Trinken kommt für uns hier nicht infrage.
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