Hammerfest lässt sich nicht nur vom Salen aus von oben betrachten. Wenn Du etwas mehr Zeit mitbringst, wartet mit dem Tyven eine deutlich längere und für uns besonders schöne Wanderung unmittelbar vor den Toren der Stadt. Der 418 Meter hohe Berg erhebt sich oberhalb von Rypefjord und bietet einen weiten Blick über Hammerfest, die umliegenden Inseln und die zerklüftete Küstenlandschaft.
Ein besonderes Highlight der Wanderung ist die Tyventrappa. Die aus Naturstein gebaute Sherpatreppe führt in mehreren Abschnitten den Berg hinauf und macht bereits den Aufstieg zu einem Erlebnis. Unser Ziel war die ungewöhnlich geformte Tyvenhytta, die unmittelbar oben auf dem Berg steht.
Wir sind im Sommer 2026 vom ausgeschilderten Wanderparkplatz neben dem Sportplatz gestartet und auf demselben Weg wieder zurückgelaufen.
Unsere Wanderung zur Tyvenhytta
Der Ausgangspunkt unserer Wanderung liegt östlich von Hammerfest bei einem Sportplatz. Dort befindet sich ein offiziell ausgeschilderter Wanderparkplatz, an dem wir unser Fahrzeug abgestellt haben.
Die Koordinaten des Parkplatzes sind:
70.6574, 23.7125
Schon hier solltest Du Dich nicht wundern, wenn Du bei der Recherche zur Tyvenhytta unterschiedliche Tourenvorschläge findest. Auf den Tyven führen mehrere Wege und entsprechend unterscheiden sich auch die Angaben zu Streckenlänge, Höhenmetern und Gehzeit. Wir beschreiben in diesem Beitrag ausschließlich unsere Route vom Wanderparkplatz über die Tyventrappa zur Tyvenhytta.
Der Rückweg führte uns anschließend exakt auf derselben Strecke wieder zurück zum Parkplatz.
Die Tyventrappa – Sherpatreppe bei Hammerfest
Das Besondere an dieser Wanderung ist zweifellos die Tyventrappa. Die Steintreppe wurde vom Hammerfest og Omegn Turlag initiiert und gemeinsam mit erfahrenen Sherpas aus Nepal gebaut. Die Arbeiten begannen 2021 und wurden 2024 abgeschlossen.
Dabei ist keine durchgehende Treppe vom Parkplatz bis zum Gipfel entstanden. Vielmehr verteilen sich rund 700 Stufen auf vier Abschnitte, die zusammen etwa 200 Meter lang sind. Dazwischen verläuft die Wanderung weiterhin über normales Berggelände.
Neben den eigentlichen Stufen entstanden entlang der Route auch kleine Steinbrücken, Wasserführungen, Stützmauern und Rastmöglichkeiten. Besonders schön finden wir, dass für die Treppe Steine aus der unmittelbaren Umgebung verwendet wurden. Dadurch fügt sie sich trotz ihrer massiven Bauweise erstaunlich gut in die Landschaft ein.
Rund 700 Stufen hinauf auf den Tyven
Wer bei einer Sherpatreppe an gleichmäßige Treppenstufen wie in einem Gebäude denkt, wird schnell eines Besseren belehrt. Die großen Natursteine geben zwar einen klaren Weg vor, trotzdem bleibt der Aufstieg eine richtige Bergwanderung.
Gerade die vielen Stufen gehen mit der Zeit ordentlich in die Beine. Dafür ist der Weg technisch deutlich angenehmer, als einen steilen Hang über loses und ausgewaschenes Gelände hinaufzusteigen.
Die Treppe hat zudem einen ganz praktischen Hintergrund. Sie soll die stark frequentierten Abschnitte des Weges dauerhaft befestigen und gleichzeitig mehr Menschen den Aufstieg auf den Tyven ermöglichen.
Trotzdem würden wir die Tour nicht unterschätzen. 418 Meter klingen zunächst nicht besonders hoch, doch Hammerfest liegt praktisch auf Meereshöhe. Bis zur Tyvenhytta musst Du deshalb einen großen Teil dieser Höhe tatsächlich aus eigener Kraft überwinden.
Immer weiter hinauf Richtung Tyvenhytta
Mit zunehmender Höhe wird die Landschaft offener. Bäume spielen hier oben praktisch keine Rolle mehr und der Blick reicht immer weiter über die karge arktische Berglandschaft.
Genau das macht für uns einen großen Teil des Reizes dieser Wanderung aus. Statt eines einzelnen Aussichtspunktes verändert sich die Perspektive während des Aufstiegs immer wieder. Mit jedem Höhenmeter wird deutlicher, wie Hammerfest zwischen Bergen, Meer und Inseln liegt.
Gleichzeitig bist Du dem Wetter zunehmend ausgesetzt. Auf einem offenen Berg wie dem Tyven können Wind, Wolken und Temperatur deutlich unangenehmer sein als unten in Hammerfest. Eine wind- und wetterfeste Jacke gehört deshalb auch bei vermeintlich gutem Sommerwetter in unseren Rucksack.
Die Tyvenhytta auf 418 Metern
Oben angekommen wartet mit der Tyvenhytta ein ziemlich ungewöhnliches Ziel. Die kompakte Holzhütte mit ihrer markanten Form wurde 2019 vom Hammerfest og Omegn Turlag errichtet und dient als Tageshütte für Wanderer.
Du findest sie ungefähr bei:
70.6400, 23.6992
Die Tyvenhytta ist ganzjährig als Tageshütte geöffnet. Im Inneren befindet sich auch ein Holzofen, sodass die Hütte bei schlechtem Wetter einen willkommenen geschützten Platz für eine Pause bietet.
Wichtig ist allerdings die Unterscheidung zu vielen klassischen DNT-Hütten: In der Tyvenhytta darfst Du nicht übernachten. Sie ist ausdrücklich als Tageshütte gedacht.
Seit Juni 2026 gibt es an der Hütte außerdem eine neu eröffnete, rund 60 Meter lange Rampe, mit der der letzte Abschnitt zur Tyvenhytta barriereärmer gestaltet wurde. Die Rampe betrifft aber lediglich den Zugang unmittelbar an der Hütte.
Aussicht vom Tyven über Hammerfest
Für den Aufstieg wirst Du oben mit einem weiten Panorama belohnt. Vom Tyven reicht der Blick über Hammerfest und Rypefjord hinaus auf Sørøya, Seiland, Melkøya und die umliegende Küstenlandschaft.
Gerade aus dieser Höhe wirkt die Landschaft rund um Hammerfest noch einmal ganz anders als vom niedrigeren Salen direkt oberhalb der Stadt. Meerengen, Inseln und Berge greifen scheinbar ineinander und machen deutlich, wie stark die Region vom Meer geprägt ist.
Deshalb würden wir uns für die Pause oben ausreichend Zeit nehmen. Die Tyvenhytta ist nicht einfach nur der Wendepunkt der Wanderung, sondern gehört für uns zum eigentlichen Erlebnis der Tour.
Tyven und der Struve-Bogen
Der Tyven hat neben seiner Bedeutung als Wanderziel noch eine interessante historische Verbindung. Der Berg war einer der Vermessungspunkte des Struve-Bogens, mit dem im 19. Jahrhundert die Form und Größe der Erde wesentlich genauer bestimmt werden sollte.
Die gesamte Vermessungskette erstreckte sich über Tausende Kilometer von Nordnorwegen bis zum Schwarzen Meer. Ein Teil der erhaltenen Messpunkte gehört heute zum UNESCO-Welterbe.
Dabei gibt es für Hammerfest eine wichtige Unterscheidung: Der historische Vermessungspunkt auf dem Tyven selbst gehört nicht zu den ausgewählten UNESCO-Welterbestätten. Der zum Welterbe gehörende nördliche Endpunkt des Struve-Bogens befindet sich auf Fuglenes in Hammerfest.
Wenn Du nach der Wanderung noch etwas Zeit in der Stadt verbringst, begegnet Dir dort also noch einmal ein Stück derselben Vermessungsgeschichte.
Wie schwierig ist die Wanderung zur Tyvenhytta?
Wir würden die Wanderung insgesamt als mittelschwer einordnen.
Die größte Herausforderung ist weniger schwieriges alpines Gelände als der kontinuierliche Aufstieg. Besonders die rund 700 Stufen der Tyventrappa verlangen etwas Kondition. Beim Abstieg solltest Du auf den teilweise unterschiedlich hohen Natursteinstufen ebenfalls konzentriert bleiben.
Festes Schuhwerk würden wir deshalb unbedingt empfehlen. Hinzu kommt die exponierte Lage: Auf 418 Metern direkt an der nordnorwegischen Küste kann sich das Wetter schnell anders anfühlen als am Ausgangspunkt.
Mit normaler Wandererfahrung und einer vernünftigen Grundkondition ist die Tour für uns aber eine sehr gut machbare Wanderung.
Wie lang ist die Wanderung zur Tyvenhytta?
Über die Sherpatreppe beträgt die Distanz ca. 3,5 Kilometer je Richtung.
Unsere Tour begann am ausgeschilderten Wanderparkplatz neben dem Sportplatz bei 70.6574, 23.7125. Von dort wanderten wir über die Tyventrappa bis zur Tyvenhytta und anschließend auf demselben Weg zurück.
Was solltest Du für die Tyven-Wanderung mitnehmen?
Für uns ist die Tyvenhytta eine richtige Wanderung und kein kurzer Spaziergang zu einer Aussichtsterrasse. Entsprechend gehören feste Wanderschuhe, ausreichend Wasser und eine wind- beziehungsweise regendichte Jacke zur Grundausstattung.
Auch eine kleine Brotzeit lohnt sich. Oben kannst Du in oder an der Tyvenhytta eine Pause einlegen und bei gutem Wetter die Aussicht genießen.
Wanderstöcke können besonders beim Abstieg angenehm sein. Auf den großen Natursteinstufen werden Knie und Oberschenkel teilweise stärker belastet als auf einem gleichmäßig verlaufenden Wanderweg.
Lohnt sich die Tyvenhytta Wanderung?
Für uns gehört die Wanderung auf den Tyven zu den schönsten Möglichkeiten, Hammerfest mit einer Bergtour zu verbinden. Schon die Tyventrappa macht den Aufstieg ungewöhnlich und mit der Tyvenhytta wartet oben ein Ziel, das perfekt zur rauen Landschaft passt.
Gleichzeitig bekommst Du eine völlig andere Perspektive auf Hammerfest als bei einem reinen Stadtbesuch. Während Du vom Salen schnell einen schönen Blick über das Zentrum erhältst, führt Dich die Wanderung auf den Tyven deutlich weiter hinaus und höher hinauf in die Berglandschaft.
Wenn Du Hammerfest nicht nur als Zwischenstopp auf Deinem Roadtrip betrachten möchtest und gerne wanderst, würden wir für diese Tour deshalb unbedingt etwas zusätzliche Zeit einplanen.
Unser Fazit zur Tyvenhytta
Die Kombination aus Sherpatreppe, Berglandschaft, weitem Panorama und Tyvenhytta macht diese Wanderung für uns zu einem der besonderen Erlebnisse rund um Hammerfest. Die rund 700 Stufen sorgen unterwegs für ordentlich Bewegung, ohne dass daraus eine technisch anspruchsvolle Bergtour wird.
Besonders schön fanden wir, dass die Tour unmittelbar bei Hammerfest beginnt und trotzdem schnell das Gefühl vermittelt, mitten in der nordnorwegischen Bergwelt unterwegs zu sein.
Oben angekommen ist die Tyvenhytta schließlich weit mehr als nur ein praktischer Unterstand. Sie ist das markante Ziel der Wanderung – und ein ziemlich guter Platz, um eine Pause einzulegen und die Aussicht über Hammerfest und die Inselwelt der Finnmark zu genießen.
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