Urzeitliche Moschusochsen auf dem Dovrefjell

Eine Fotosafari zu den urzeitlichen Giganten – das stand bei mir schon seit einigen Jahren auf der Wunschliste. Bereits in vielen Dokumentationen hatten mich die mächtigen Moschusochsen fasziniert. In Norwegen auf dem Dovrefjell existiert eine der letzten Lokalitäten, wo man ihnen Auge in Auge gegenüberstehen kann.

Das Dovrefjell

Der Dovrefjell-Nationalpark wurde im Jahre 2002 gegründet und ist 1693 Quadratkilometer groß. Er liegt in den Fylken Oppdal, Møre og Romsdal und Trøndelag und wird durch die E6 in einen größeren West- und einen kleineren Ostteil geteilt.
Vor knapp 70 Jahren wurde die Moschusochsen aus Grönland hier ausgewildert und können sich frei im Park bewegen. Von mehreren Punkten aus werden Führungen in den Nationalpark angeboten um die Moschusochsen beobachten zu können. Für Wohnmobilisten und Caravaner ist als Ausgangspunkt die Kongsvold Fjeldstue, die direkt an der E6 liegt gut geeignet. Es gibt Parkmöglichkeiten direkt am Seitenstreifen der E6 in der Nähe der Fjeldstue. Auch von hier aus werden zwar geführte Wanderungen aufs Fiel angeboten, wir haben uns jedoch lieber dafür entschieden auf eigene Faust auf die Suche nach den Moschusochsen zu gehen. Die besten Chancen, auf Moschusochsen zu stoßen bestehen westlich der E6.

Wissenswertes über die Moschusochsen

Moschusochsen stammen aus der Familie der ziegenartigen Paarhufer. Die männlichen Tiere wiegen 300–400 kg, sind 2,50 m lang und erreichen eine Schulterhöhe von ca. 1,50 m. Die Kühe wiegen 200–300 kg, werden 2,30 m lang und bis zu 1,30 m hoch. Sie kommen derzeit nur noch in Grönland, Kanada, Alaska, Sibirien und eben auf dem Dovrefjell vor. 1947 wurden sie dort erfolgreich ausgewildert und ihr Bestand ist dort auf etwa 300 Tiere angestiegen. Ihren Namen verdanken die Moschusochsen dem Umstand, dass die Männchen zur Paarungszeit eine Substanz in den Urin abgeben, die moschusartig süßlich riecht. Die Tiere besitzen kräftige Hörner, die zur Verteidigung gegen Raubtiere und während der Brunft eingesetzt werden. Im Sommer besteht eine Herde aus 5 bis 15, im Winter aus bis zu 100 Tieren. Moschusochsen leben 15-20 Jahre und sterben dann meist durch Verhungern.

Die Wanderung aufs Fjell

Direkt auf der westlichen Seite der E6 gegenüber der Kongsvold Fjeldstue beginnt die Wanderung ins Moschusochsen-Revier. Beim Durchtreten der Absperrung hat man die Möglichkeit sich auf einer Infotafel in mehrere Sprachen über die massigen Tiere und die Verhaltensmaßregeln zu informieren: Die wichtigsten beiden Punkte:

  • Nicht näher als 200 Meter an die wehrhaften Tiere heranpirschen, da sie sonst ihre Herde verteidigen und angreifen könnten.
  • Bis Hilfe kommt, kann´s dauern, jeder ist für sich selber verantwortlich.

Über einen gut ausgetretenen Pfad wandern wir durch einen Birkenwaldstreifen unkompliziert in ca. 45 Minuten auf das Hochplateau. Menschen treffen wir kaum, das Wetter ist trocken, aber es weht ein kalter Wind. Unterwegs können wir immer wieder Spuren der Moschusochsen auf dem Weg erkennen. Hufspuren und Überreste von Ausscheidungen zeigen uns, das wir Ihnen auf der Spur sind. Im dichten Birkenwald meint man bald überall ein Knacken links oder rechts des Weges zu hören und erwartet förmlich plötzlich einem Moschusochsen gegenüber zu stehen. Je weiter sich der Weg nach oben schraubt, umso beeindruckender werden die Ausblicke auf die umgebenden Berge. In der Tiefe windet sich die E6 durchs Tal.

Auf dem Fjell angekommen wandelt sich die Landschaft plötzlich. Die Bäume verschwinden und man blickt über eine karge hügelige Landschaft durchzogen von Moosen, Flechten und einzelnen Steinen. In der Ferne tront der vom Wind glattgeschliffene Gipfel der Snøhetta, des mit 2286 Metern höchsten Berges Norwegens außerhalb von Jotunheimen, über allem. Wir strengen unsere Augen auf der Suche nach den Moschusochsen an und vermuten hinter jedem größeren Stein in der Ferne einen liegenden Moschusochsen. Der Wanderweg führt uns weiter über das Fjell und steigt langsam hinan. Nach weiteren 30 Minuten und einen Blick zurück sehen wir sie plötzlich!
Eine Familie von 4 Moschusochsen, 3 Erwachsene und 1 Kälbchen, ruhen in der Ferne unter uns. Der Weg führte uns nicht weit abseits davon an Ihnen vorbei, ein Hügel verdeckte uns aber die Sicht, so dass wir erst von weiter oberhalb einen Blick erhaschen konnten.
Also wieder zurück! Mit gezückter Kamera und Teleobjektiv (ich verwende ein 200er Tele und hätte in dieser Situation gerne ein größeres) nähern wir uns langsam an die Gruppe an. Die Entfernung abzuschätzen ist erwartungsgemäß schwierig, aber als zwei ausgewachsene Moschusochsen sich erheben und in meine Richtung blicken, bin ich wohl nahe genug dran! Die massigen Tiere flüchten nicht und lassen mir die Zeit einige tolle Fotos zu ergattern. Es ist für mich sehr beeindruckend so nah und ohne trennenden Zaun diesen Tieren der Urzeit gegenüberzustehen. Ich kann mir gut vorstellen, wie diese Tiere hier auch im Winter bei eisigen Minusgraden eng zusammengedrückt im Sturm stehen und den Elementen stoisch trotzen. Ein absolut einmaliges Erlebnis!

Langsam ziehen wir uns zurück und wandern auf dem Rundweg übers Fjell weiter ohne jedoch weitere Moschusochsen finden zu können.
Der Rundweg endet wieder an der Kongsvold Fjeldstue. Wir waren etwa 3 Stunden unterwegs. Für mich eines der großen Highlights in Norwegen! Wir werden versuchen wiederzukommen.

 

Matthias

Nordlandverrückt und gerne draußen unterwegs. Oft mit zu viel und zu schwerer Fotoausrüstung. Könnte das ganze Jahr im Reisemobil unterwegs sein, wenn die Arbeit nicht wäre...

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