Über die Flatruet – auf Schwedens höchst gelegener Passstraße

Der Flatruetvägen ist mit 975 Höhemetern Schwedens höchst gelegene Passstraße und führt über das in der Provinz Härjedalen gelegene Mittelgebirge Flatruet. Die Passstraße, die 1938 erbaut wurde, verbindet die beiden Ortschaften Funäsdalen und Ljungdalen. In der Mitte der Passstraße liegt ein großer Parkplatz, auf dem man herrlich übernachten kann. Von dort starten schöne Wanderungen in die Region. Die Straße ist von 22:00-06:00 Uhr sowie bei schlechtem Wetter gesperrt. Über die Wetterverhältnisse vor Ort kann man sich z.B. hier informieren. Mit einem Wohnmobil ist die Straße befahrbar, insbesondere größere Wohnwägen sollten die Strecke lieber meiden (wir haben aber auch dort oben mutige Gespannfahrer gesehen, welche die Straße gemeistert haben).

Von Åsarna kommend fährt man zunächst westlich auf gut ausgebauter Straße (535) bis Ljungsdalen. Hier beginnt eine grob geschotterte Straße, die sich teilweise deutlich ansteigend und mit Spurrillen garniert auf die Passhöhe hinaufschraubt. Auf diesem Abschnitt der Strecke kommt man nur langsam voran, möchte man Schäden am Fahrzeug vermeiden.

Ist man erstmal auf der Passhöhe angekommen, wird die Straßenqualität besser. Insgesamt muss man mit knapp 40 Kilometern „Rumpelpiste“ rechnen, bis die Reifen wieder Asphalt unter sich haben. Die Aussicht ist gigantisch und reicht bis zum Horizont. In seiner Kargheit ist dieser Flecken Natur extrem einladend. Nach einigen Kilometern auf Passhöhe erreicht man die Mitte des Flatruetvägen, der durch einen großen Gedenkstein und einen entsprechenden Parkplatz markiert ist. Hier ist der optimale Platz zum Übernachten! Wenn das Wetter schlecht ist, pfeift der Wind gehörig um das Wohnmobil und der Regen prasselt stramm aufs Dach. Auf dem weiten Hochplateau gibt es nichts, was dem Wind etwas entgegensetzen kann. Bei Mistwetter sollte man sich also die Fahrt hier hinauf gut überlegen.

Vom Parkplatz aus, der nun leicht abfallenden Straße noch einige Kilometer Richtung Süden folgend, erreichen wir Mittådalen (Link bei Facebook, schwedische Homepage von Mittådalen), ein Dorf der Sami. Hier leben noch ganze 50 Einwohner, die allesamt von der Rentierzucht leben. Entsprechend viele Tier kann man hier aus der Nähe bewundern. Zentrum ist ein Kiosk, in welchem man leckere Spezialitäten der Region (Rentier-/Elchfleisch, Beeren, Pilze, Fisch) und einige Souvenirs erwerben kann. Toll sind auch die feinen handgefertigten Einzelstücke wie z.B. Sami-Messer. Wer ansonsten seine Lebensmittelvorräte hier auffrischen möchte hat Pech gehabt – einen Lebensmittelladen gibt es nicht. Im Gastraum kann man dafür aber ein beeindruckendes Bärenfäll bestaunen. Hinter dem Kiosk können Kinder eine Torfkota von innen bestaunen. Frisch gestärkt kann nun die Fahrt durch die weitläufige Natur weitergehen.

Von Mittådalen sind es noch einige Kilometer Schotterpiste, die durch eine waldige Region, durchbrochen von Mooren, führt. Immer wieder kreuzen Rentiere die Straße (alle mit Halsbändern versehen). Schließlich erreicht man Funäsdalen auf der 84 . Ab hier geht es wieder auf gut ausgebauter Asphaltstraße nach Südosten bis Sveg an der E45.

Fazit: Wer einsame, karge Natur liebt und ein Fahrzeug hat, welches für die Schotterpiste geeignet ist, der wird mit der Fahrt über die Passstraße ein tolles Erlebnis haben. Wohnwagenfahrer sollten auf jeden Fall ein gut motorisiertes Zugfahrzeug und Fahrpraxis haben, um den teilweisen steilen Anstieg zu meistern. Eine Übernachtung sollte man einplanen. Bei schlechtem Wetter/Regen würde ich von der Fahrt abraten, da dann einfach nichts zu sehen ist und das Fahrzeug sicherlich total versaut wird.

Bist Du schon mal dort gewesen und hast weitere Infos, Tipps oder Anmerkungen zur Tour? Dann hinterlasse gerne einen Kommentar!

2 Antworten

  1. Gesa Mendy sagt:

    Ich bin 1988 im Juli über dieses Hochplateau gefahren und zwar mit Motorrad, einer kleinen Enduro von Yamaha. Es war so unglaublich beeindruckend, diese unendliche Weite! Ich damals sehr jung und etwas naiv und bin trotz Gewitter weiter gefahren. Ich hatte wohl alle Schutzengel dabei, leider aber keinen Fotoapparat . Die atemberaubenden Bilder hab ich aber noch alle im Kopf. Übernachtet habe ich bei einer alten Frau (Ida) in Tossasen. Da klapperten alle Türen und Fensterläden, denn nachts war orkanartiker Sturm. Werde ich nie vergessen diese Reise.

    • Matthias sagt:

      Liebe Mendy,
      vielen Dank für Deine tolle Beschreibung. Dort oben ist die Natur noch richtig urwüchsig und man ist den Elementen ausgesetzt. War bestimmt ein spannendes Erlebnis!

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